Zweibrücken / Boulogne
Zweibrücker auf Pfingstbesuch bei den Freunden in Boulogne
Etwa 150 Teilnehmer hatten sich am Freitagmorgen, 3. Juni, auf den Weg nach Boulogne gemacht, um den um ein Jahr verschobenen Austausch nachzuholen. Die Städtepartnerschaft besteht bereits seit 73 Jahren. Neben Verwaltungsmitarbeitern und Lokalpolitikern hatten sich auch diesmal wieder zahlreiche Vereine und Gruppen auf die Reise gemacht. Der Wetterbericht hatte zwar Regen an der Atlantikküste vorhergesagt. Dieser beschränkte sich dann aber lediglich auf ein Nieseln am Freitag- und Sonntagnachmittag. Viele Zweibrücker waren wieder bei Gastfamilien untergebracht. Andere Gäste aus der Pfalz kamen in Hotel oder Jugendherberge unter.
Neu in diesem Jahr war, dass die Stadt Boulogne mit einer kulturell und sportlich geprägten Feier aufwartete. Zum Festprogramm in der Innenstadt erinnerten Bühnen, Verkaufsstände und Straßenkünstler ans Stadtfest und Straßentheater-Spektakel.
Cuvilliers Hammer-Premiere
Mitgereist waren auch Vertreter des Jugendzentrums, die auf Gleichaltrige vom Jugendzentrum Boulogne trafen. Kennengelernt hatten sie sich bereits beim vorigen Austausch vor drei Jahren, als die Boulogner in Zweibrücken waren. „Den französischen Teilnehmern hatte das Programm bei uns damals gut gefallen. Wir waren Kart fahren und Bowling spielen“, erzählt Annika Bold vom Juz. Daraufhin folgte die Einladung zum Gegenbesuch. Ein Höhepunkt für die Gruppe war die Begegnung mit einem Street-Art-Künstler. Eine Kunstform, die in Boulogne weit verbreitet ist. Schaut man sich um, so entdeckt man dort ganze Hausfassaden, die bemalt sind. Die Jugendlichen fertigten selbst Street-Art-Bilder an und wurden dabei von dem Fachmann unterstützt.
Das hat Bürgermeister Frédéric Cuvillier wohl für sein Gastgeschenk inspiriert. Die Zweibrücker wurden nämlich mit der Kopie eines Fischergemäldes beschenkt, dessen Motiv an einer Häuserwand in Boulogne zu sehen ist. Im Gegenzug gab es Zweibrücker Freibier: Dieses Fass wurde von Cuvillier mit zwei Hammerschlägen angestochen. Es war sein erster Fassanstich überhaupt. Kollege Marold Wosnitza musste zugeben, dass er selbst bei seinem ersten Anstich seinerzeit drei Schläge benötigt habe.
Lustiger Sprach-Fauxpas
Einen sprachlichen Fauxpas erlebten die elf Sänger der Kantorei Zweibrücken-Mitte und des Kammerchors Opus 9 um Leiter Helge Schulz. Nach einer gemeinsamen Messe mit dem französischen Choral Notre-Dame und einem Picknick in einer ehemaligen Scheune war man für Pfingstsamstag zum „Auberge Espagnole“ eingeladen. „Wir fragten uns, wo das ist, weil Auberge ja Herberge heißt“, erzählte die Teilnehmerin Beate Wölke. Schließlich stellte sich heraus, dass sich der Begriff wohl auch als „mitgebrachtes Essen“ definieren lässt und dass damit gar keine Ortsangabe gemeint war. Vielmehr wurde in der bereits bekannten Scheune ein selbstgemachtes Menü bei einem bunten Abend serviert.
Neben kulinarischen Ausflügen kam auch der Sport am Wochenende nicht zu kurz. Maßstäbe setzten etwa die Fechter der VTZ. Nach einem Freundschaftswettkampf mit Sportlern aus Boulogne präsentierten sie ihre Sportart in der Fußgängerzone und klärten Passanten mit Informationen zur Disziplin auf. Eins-gegen-eins-Duelle gab es unterdessen nicht nur hier: 21 Fußballer der TSG Mittelbach-Hengstbach maßen sich mit Boulogner Sportlern in sogenannten Panna-Arenen. Das sind schmale Spielflächen, die mit kleinen Banden aus Plastik begrenzt werden. „Es geht darum, seinen Gegner möglichst geschickt auszutricksen“, erklärte TSG-Trainer Thomas Bauer. Zu Beginn wurden alle Namen elektronisch erfasst, durch ein digitales Losverfahren wurden dann per Zufallsprinzip die Gegner zugeteilt.
Deutsche und französische Fähnchen
Neben Fechten und Fußball gab es auch Judo. Der Judoclub Zweibrücken lud gemeinsam mit französischen Freunden zum öffentlichen Training ein, nachdem sich die Teilnehmer bereits das Stadtmuseum und das Meeresmuseum Nausicaa angeschaut hatten. Apropos Tourismus: Die zwischen 1227 und 1231 errichtete Altstadt im oberen Teil Boulognes ist überaus sehenswert. Wahrzeichen der Stadt am Ärmelkanal ist die im 19. Jahrhundert errichtete Basilika Notre-Dame. Dem Sakralbau schließen sich Stadthaus und Stadtmauer aus dem 18. Jahrhundert an. Ein mittelalterlicher Belfried fällt sogar unter das Unesco-Weltkulturerbe.
In Boulognes Straßen wehten über das Pfingstwochenende deutsche und französische Fahnen als Symbol der Freundschaft. Aufgedruckte Logos beider Städte sollten die Verbundenheit ausdrücken. Diese wurde auch von den beiden Bürgermeistern in ihren Festreden betont. „Die Verbindung unserer beiden Städte stärkt den europäischen Zusammenhalt“, sagte Marold Wosnitza. Dies sei wichtig, „auch mit Blick auf den aktuellen Krieg in der Ukraine“. Auch Boulognes Bürgermeister Cuvillier wandte sich gegen Nationalismus und betonte den Zusammenhalt in Europa.
Vereine ergänzen einander
Übrigens baut die Partnerstadt jetzt noch eine weitere Brücke nach Zweibrücken: inzwischen ist die Rose gewissermaßen auch dort zum Stadtsymbol geworden. Ein von der Rosenstadt im Jahr 2019 gestiftetes Beet wurde am Pfingstsonntag per Festakt eingeweiht.
Gegenseitige Ergänzungen fanden sich auch auf der Bühne beim Musikprogramm. Das Orchestre de l’Harmonie Boulogne-sur-Mer unterstützte die Zweibrücker Stadtkapelle am Sonntag beim zweiten Teil ihres Doppelauftritts. Leiter Björn Weinmann betonte, dass sich die Stadtkapelle auch als musikalischer Botschafter Zweibrückens verstehe. Zu hören gab es ein vielschichtiges Programm von der Tetris-Melodie über Marsch- und symphonische Originalmusik bis hin zu Queen. „Wir wollen ein breites Spektrum abdecken, um auch ein großes Publikum anzusprechen“, erklärt Weinmann. Michael Wack ergänzte mit seinem Trio Finale das Zweibrücker Musikprogramm.
Fasnacht am Atlantik
Für kulturelle Abrundung sorgten die Zweibrücker Fasenachtsfreunde. Fasnacht ist ein Kulturgut, das in Frankreich weniger Verbreitung findet als hierzulande. „Wir erklären daher wann, wie und warum die Fasnacht bei uns gefeiert wird“, erzählte Simon Nikolaus, einer von sechs Teilnehmern, die aus dem Verein mitgereist waren. Ob er denn die Dinge auch auf Französisch erklären kann? „Ich probier's“, meinte er zunächst noch zögerlich, sein Sprachtalent wurde dann aber deutlich erkennbar. Als Höhepunkt inszenierte der Verein eine Kappensitzung im Miniformat.