Interview Zweibrücker Akkordeonlehrerin berichtet von Sternstunden mit vielfältigem Instrument

Akkordeonlehrerin Christine Scheid-Kuenzer spielt in der Zweibrücker Musikschule das Stück S.V.P. des argentinischen Komponisten
Akkordeonlehrerin Christine Scheid-Kuenzer spielt in der Zweibrücker Musikschule das Stück S.V.P. des argentinischen Komponisten Astor Piazzolla.

Akkordeon ist Instrument des Jahres 2026. Lehrerin Christine Scheid-Kuenzer erzählt von ihrer Faszination für das vielfältige Instrument, über das es viele Vorurteile gibt.

Frau Scheid-Kuenzer, würden Sie sagen, dass das Akkordeon beliebter wird?
Ich habe das Gefühl, dass die Popularität steigt. Man sieht es an den steigenden Anmeldungen an den Musikschulen. Wartelisten wie beim Klavier oder Schlagzeug kennen wir beim Akkordeon nicht. Aber auch in Filmmusik oder im Fernsehen habe ich das Akkordeon öfter ganz bewusst wahrgenommen.

Wie viele Schüler haben Sie gerade?
Momentan sind es acht Schüler hier in Zweibrücken und bis Dezember waren es 22 in Homburg, aber da bin ich jetzt in Rente. Angefangen habe ich 2011 in Zweibrücken mit zwei Schülern.

Zur Person

Christine Scheid-Kuenzer ist seit dem Jahr 2011 Akkordeonlehrerin an der Herzog-Christian-Musikschule in Zweibrücken. Zuvor studierte sie das Instrument des Jahres 2026 am Hohnerkonservatorium in Trossingen, trat 1985 die Lehrtätigkeit in Homburg an und übernahm bald das Orchester Homburg-Hüttigweiler. Das Dirigat übergab sie im vergangenen Jahr ihrer ehemaligen Schülerin Anke Eiswirth.

In welchem Alter haben Sie selbst angefangen, Akkordeon zu lernen?
Spät. Also erst mit elf Jahren. Vorher hatte ich Melodika-Unterricht und dann hatte ich ein prägendes Erlebnis. Das war eine private Weihnachtsfeier, an der die Tochter einer Bekannten meiner Mama Akkordeon gespielt hat. Und das hat mich total fasziniert. Und weil ich die rechte Seite von der Melodika kannte, wollte ich das mit dem Bass lernen.

Was hat Sie persönlich an dem Instrument so begeistert?
Der Klang ist natürlich schöner als mit der Melodika. Man hat zwar Einzelunterricht, aber es ist transportierbar. Man kann in Orchestern und Ensembles spielen.

Ist es das, was das Akkordeon ausmacht oder gibt es mehr?
Es ist einfach die Vielfältigkeit. Und es wird so oft unterschätzt. Das Akkordeon fand erst in den 70er-Jahren seinen Platz in den Hochschulen und wurde erst da als künstlerisches Instrument anerkannt. Und noch heute, wenn man Leute fragt, verbinden die es mit Schifferklavier, volkstümlicher Musik und Quetschkommode. Oft sagen Leute nach Konzerten, dass sie das nicht erwartet haben.

Das liegt aber auch an der Entwicklung des Manual-III, mit dem man im Bass Einzeltöne wie mit den Tasten spielen kann. Dadurch haben wir einen Zugang zu weiterer Literatur bekommen. Bach, Scarlatti, Piazzolla – die Palette ist sehr groß. Wir können grenzenlos alle Genres der Musik abdecken, außer natürlich die Romantik – wegen des nötigen Pedals.

Astor Piazzolla ist ein argentinischer Bandoneon-Spieler und Komponist. Er revolutionierte den traditionellen Tango, den er mit
Astor Piazzolla ist ein argentinischer Bandoneon-Spieler und Komponist. Er revolutionierte den traditionellen Tango, den er mit Jazz- und Klassikelementen verband. Sein bekanntestes Werk ist der Libertango, der auf dem Akkordeon ebenso wie auf vielen anderen Instrumenten und in verschiedensten Instrumentierungen gespielt wird.

Hat sich denn am Unterricht etwas verändert?
Der Unterricht an sich ist nicht anders. Damals wie heute findet er in der Regel nachmittags in der Musikschule oder bei Privatlehrern statt. Aber das Übe- und Lernverhalten hat sich verändert. Auch durch die Schulstruktur, wegen Nachmittagsunterricht oder der Freiwilligen Ganztagsschule wie in Einöd. Da ist das Zeitfenster sehr wahrscheinlich ein anderes. Früher konnte man das besser einteilen.

Auch menschlich oder pädagogisch?
Da haben wir einen tollen Beruf. Wenn man Individualunterricht gibt, hat man wirklich die Möglichkeit, ganz individuell auf den Schüler/die Schülerin einzugehen. Das spielt eine große Rolle. Die Altersstruktur liegt bei mir zwischen fünf und 70 Jahren, natürlich richtet sich das dann pädagogisch und didaktisch nach dem Alter. Das hat sich nicht geändert. Die Leute suchen sich das Instrument aus. Und die Individualförderung wie in der Musikschule ist sonst eigentlich in keinem Bereich mehr möglich. Das ist eine tolle Sache.

Steht man als Akkordeonlehrer auch Schwierigkeiten gegenüber?
Heute ist es schwieriger wie damals. Das hängt mit den Zeitfenstern zusammen. Musiklehrer sind an mehreren Musikschulen tätig und es ist logistisch oft schwierig, einen guten Stundenplan zu generieren. Man kann nur die Zeit anbieten an dem Tag, an dem man der Musikschule zur Verfügung steht.

Generell gibt es einen Rückgang bei allen Instrumenten. Da denk ich an Hüttigweiler: Da hat unser Orchester seinen Ursprung, ein Männerchor, ein Musikverein, ein Mandolinenorchester. Und nur wir sind übrig geblieben. Alles andere ist geschrumpft.

Gab es auch besondere Momente, wegen denen sich das alles gelohnt hat?
Ganz besondere Momente sind immer die Konzerte. Das gemeinschaftliche Erleben und gemeinschaftliche Ziele-Erreichen. Die unterschiedlichen Charaktere, die ein Ziel haben. In Lehrbüchern spricht man von Sternstunden. Das sind ganz besondere Momente, bei denen man auf der Bühne merkt, dass etwas Wunderbares passiert. Dass es so gut noch nie war und wirklich alle mit einem Gedanken verbunden sind und ein tolles Stück kreieren können. Das war in meinem Orchester bei der Finlandia vor einigen Jahren der Fall.

Das Akkordeon – auch Schifferklavier, Zieharmonika oder Quetschkommode genannt. Üblicherweise gibt es auf der einen Seite eine K
Das Akkordeon – auch Schifferklavier, Zieharmonika oder Quetschkommode genannt. Üblicherweise gibt es auf der einen Seite eine Klaviatur, auf der anderen eine Tastatur mit Knöpfen, mit der Basstöne und Akkorde gespielt werden können. Der Ton wird durch Ziehen und Drücken des Balgs erzeugt.

Aber auch Wertungsspiele mit Jury, Wettbewerbe mit Orchester und Schülern. Das sind auch für sie ganz wichtige Momente. Und man merkt, bei welchen Kindern das Potenzial liegt und geweckt werden kann.

Auch als ein Freund nach 40 Jahren angerufen hat und wieder Unterricht wollte und jetzt ganz aktiv ist.

Welchen Vorurteilen steht man mit dem Akkordeon gegenüber und was kann man am besten entgegnen?
Alle, die das Instrument nicht kennen und es durch Zufall in einem Konzert oder einem Vorspiel erleben, kann man von den Vorurteilen abkriegen. Sonst denke ich, ist dieser volkstümliche Charakter ganz stark an dem Instrument haften geblieben.

Gibt es dieses Jahr Angebote, mit denen man sich dem Akkordeon annähern kann?
Zum Beispiel die Infotage an der Musikschule Zweibrücken, geplant für September 2026. Auch am Kinderspieltag im Juni in Zweibrücken ist die Musikschule vertreten. Aber es ist auch jederzeit möglich, Kontakt aufzunehmen und sich Unterricht anzuschauen. Und wenn man mal ein Akkordeonorchester erleben will, kann man am 28. März an der Musikschule Homburg das Konzert des Akkordeonorchesters Homburg-Hüttigweiler besuchen.

Haben Sie noch einen Wunsch für das Akkordeon?
Ich wünsche mir, dass das Instrument noch mehr von jungen Leuten angenommen wird. Und dass die Vorurteile abgebaut werden. Dazu kann vielleicht das Jahr des Akkordeons beitragen.

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