Vor der Olympia-Saison
Zweibrückens LAZ-Sprinterin Sina Mayer muss sich in Geduld üben
Geteiltes Leid ist halbes Leid, sagt man. Sina Mayer und ihr Lebensgefährte Gennadij Cudinovic erleben das gerade. Die Sprinterin des LAZ Zweibrücken und der Ringer des Bundesligisten AC Heusweiler plagen sich derzeit mit Verletzungen und humpeln quasi gemeinsam durch die Wohnung in Bexbach, wo die beiden seit einigen Jahren leben. „Gennadij ist vergangene Woche am Meniskus operiert worden und ist auf Krücken unterwegs“, sagt Sina Mayer Ende Januar beim Treffen an der Saarbrücker Hermann-Neuberger-Sportschule. Ringer seien aber sehr hart im Nehmen, der Arzt habe Cudinovic in Aussicht gestellt, schon sehr bald wieder auf der Matte zu stehen.
Reha statt Rennen
Ganz so schnell wird es bei der 28-jährigen Läuferin, die aus Schönenberg-Kübelberg stammt, in Saarbrücken unter Bundestrainer Uli Knapp und Sven Zimmermann trainiert und für das LAZ Zweibrücken startet, mit der Rückkehr auf die Laufbahn nicht gehen. Gerade trägt sie noch eine Orthese am linken Sprunggelenk, muss den Fuß häufig kühlen und ihm viel Ruhe gönnen. „Ich spüre immer noch ein bisschen Schmerzen im Knöchel, eine leichte Schwellung ist auch noch da“, stellt sie fest.
Was war passiert? Kurz vor dem Jahreswechsel, am 29. Dezember, startete Sina Mayer bei einem Challenger-Meeting im spanischen Pamplona. „Ein Saisoneinstieg in der Halle, mitten aus dem Training raus, das Meeting war gut für die Punkte in der Weltrangliste“, erzählt sie. Im Nachhinein war ihr zweiter Platz über 60 Meter in 7,45 Sekunden aber teuer erkauft, wie sie in einer Aufnahme auf dem eigenen Handy verdeutlicht. „Da war sehr wenig Platz zum Auslaufen zwischen der Ziellinie und der Matte“, zeigt sie. Sie landete mit dem linken Fuß in der weichen senkrechten Matte und riss sich dabei zwei Außenbänder im Knöchel.
Wintersaison sofort gestrichen
„Ich konnte danach erst mal überhaupt nicht mehr auftreten“, erzählt sie weiter. Da sie in Spanien alleine unterwegs war, sei sie am Flughafen sogar im Rollstuhl geschoben worden. Eine MRT-Untersuchung in der Woche darauf habe dann die Diagnose ergeben. Seitdem ist Pause angesagt. „Wir haben natürlich die Hallensaison mit der WM und der DM sofort gestrichen. Das kann ich aber gut verkraften, es wäre daneben eh nur vier bis fünf Wettkämpfe gewesen“, bemerkt sie.
Zweimal pro Woche fährt sie inzwischen an den Saarbrücker Uni-Campus, wo sie bei der Firma Sportsmed-Saar, bei der auch ihr Vereinskollege Raphael Holzdeppe tageweise arbeitet, ihre Rehabilitation betreibt. Sie hofft, irgendwann im Februar wieder mit dem richtigen Training beginnen zu können. „Wir werden langsam wieder beginnen und dann schauen, wie es läuft“, sagt sie. Im April hat sie noch mal eine MRT-Untersuchung zur Kontrolle.
Voller Fokus auf Paris
Das Stillhalten fällt ihr im wahrsten Sinne des Worts schwer, „wenn man grundsätzlich so einen Bewegungsdrang hat wie ich“, gesteht sie. „Geduld habe ich definitiv nicht“, gibt sie zu und versucht das fehlende Lauftraining zurzeit mit Stabilisationsübungen, Lymphdrainage und Oberkörpertraining etwas auszugleichen. Immerhin: Die DM-Bronze-Gewinnerin und WM-Sechste mit der deutschen 4x100-Meter-Staffel des Vorjahres kann sich im Jahr der Olympischen Spiele in Paris ganz auf ihren Körper konzentrieren.
Denn für den Traum von Olympia hat sie zum Ende des Jahres 2023 ihren Job beim Verein für Prävention und Gesundheit im Saarland (Pugis) in Saarbrücken aufgegeben. Dort hatte sie sich seit Dezember 2022 mit einer halben Stelle einem Projekt zur Gesundheitsförderung von Arbeitslosen gewidmet. Leistungssport und Arbeit unter einen Hut zu bekommen, war nicht einfach. „Organisatorisch ging das schon. Der ausschlaggebende Punkt war aber: Die Regeneration kam einfach zu kurz“, unterstreicht Mayer, wie ihre Überlegungen aussahen und die Entscheidung letztlich im Trainingslager Ende November in Südafrika gefallen war.
Für Olympia sogar den Job aufgegeben
„Ich wollte den Fokus voll auf Olympia legen und dafür die Rahmenbedingungen ändern.“ Für Mayer ist Olympia in Paris ein einmaliges Ziel. „In vier Jahren werde ich den Sport nämlich bestimmt nicht mehr so betreiben“, glaubt sie. „Es ist eine einmalige Chance, daher ist mir die Entscheidung leicht gefallen.“ Mit ihrem direkten Umfeld hat sie viel darüber gesprochen, das helfe ihr. Die Dritte der U23-EM von 2017 mit einer Bestzeit von 11,25 Sekunden über 100 Meter kann ihr Sportjahr aber gelassen angehen. „Durch den sechsten WM-Platz mit der Staffel bin ich in den deutschen Olympia-Kader gerutscht“, sagt sie. Sie ist derzeit die einzige des LAZ-Trios mit Christin Hussong und Holzdeppe, die dem Top-Kader des DLV angehört. Mit den übrigen Fördergeldern kommt Mayer, die von 2017 bis 2019 auch schon mal zur Sportfördergruppe der Bundeswehr gehörte (Dienstgrad: Hauptgefreiter), gut über die Runden.
Jetzt heißt es erst mal wieder gesund werden, um schnell laufen zu können. 11,07 Sekunden ist die Norm für Olympia, „das ist stramm“, weiß Sina Mayer. Und schließlich lockt neben Paris im August auch noch die Europameisterschaft im Juni in Rom. Einen genauen Fahrplan für die Sommersaison hat sie indes noch nicht. „Aber Zwischenziele, wie die Staffel-Weltmeisterschaften Anfang Mai auf den Bahamas“, sagt sie. Vom 11. April bis Ende April will sie dazu mit dem Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) ins Trainingslager nach Clermont/Florida fliegen. „Da wird sich entscheiden, wer auf den Bahamas dabei ist. In der Staffel werden die Karten jedes Jahr neu gemischt.“ Dafür stehen noch etliche Trainingseinheiten mit Uli Knapp und Sven Zimmermann an. Mit Knapp, der in Kirkel-Limbach wohnt, für die kürzeren Läufe auch immer wieder mal beim LAZ in Zweibrücken.