Boxen
Zweibrücken: Weltmeister will was zurückgeben
Einer der Gründe für Senad Gashis Rückkehr sind die Eltern, mit denen er mehr Zeit verbringen will. Derzeit ist er die Nummer neun der Weltrangliste beim Boxverband World Boxing Council (WBC). Seine Erfolge begannen als 17-Jähriger im Boxclub 1921 Neunkirchen, wo er sich kontinuierlich steigerte und sowohl als Amateur- und ab 2014 als Profiboxer zahlreiche Titel abräumte. Unter anderem im Schwergewicht die Titel des Internationalen Deutschen Meisters, des Europameisters nach Version der Universal Boxing Federation (UBF) sowie den Weltmeistertitel nach Version der Global Boxing Union (GBU).
Boxender Bachelor
Dazu studierte Gashi sechs Semester Finanzdienstleistung an der FH Kaiserslautern, erhielt ein Sportstipendium und setzte sein Studium anschließend mit dem Bachelor-Studiengang Sport- und Fitnessökonomie an der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitswesen in Saarbrücken fort, den er im Jahr 2015 erfolgreich abschloss.
Für seinen Umzug nach Zweibrücken hat der 32-Jährige große Pläne geschmiedet: In dem leerstehenden Gebäude Nummer 2 in der Fruchtmarktstraße laufen gegenwärtig auf Hochtouren Bau- und Renovierungsarbeiten für ein 140 Quadratmeter großes Box-Gym – also ein exklusives Trainings- und Fitnesscenter, das speziell für fortgeschrittene Boxer zugeschnitten ist und in dem sich Gashi selbst auf bevorstehende Profikämpfe vorbereiten kann.
Jugendzentrum
Im Gebäude auf der gegenüberliegenden Straßenseite ist auf noch größerer Fläche ein Treffpunkt für Jugendliche von sechs bis 18 Jahren geplant – eine Art Fitness-Studio mit mehreren Sandsäcken, Sportgeräten oder Billardtischen. „Das soll zu einem Jugendzentrum werden. Und das möchte ich alles unentgeltlich anbieten, also keinen Eintritt verlangen“, sagt Gashi. Für die laufenden Fixkosten rechnet Gashi mit Sponsorengeldern aus der hiesigen Geschäftswelt. „Zweibrücken hat große Firmen, da wird sich jemand finden! Der Hauptgrund, weshalb ich zurück nach Zweibrücken gekommen bin, ist die Erkrankung meiner Mutter, die Anfang des Jahres diagnostiziert wurde. Ich möchte mehr Zeit mit ihr verbringen. Außerdem möchte ich den Jugendlichen hier die Chance bieten, mithilfe des Sports von der Straße wegzukommen, und sie fördern. Möglicherweise ist ja auch das eine oder andere Talent darunter“, hofft der Boxer.
Gashi weiß, wovon er redet: Er selbst kam als Sechsjähriger aus dem Kosovo nach Zweibrücken, beherrschte die deutsche Sprache nicht und integrierte sich in seiner neuen Westpfälzer Heimat damals mithilfe des Sports. „Ich war ein Tausendsassa und habe als Kind viele Sportarten gemacht: Tischtennis, Tennis, Billard, Karate, Fußball, Kartenspiele. Letztlich bin ich beim Boxen hängengeblieben. Zweibrücken hat mir damals viel gegeben. Nun möchte ich was zurückgeben“, sagt Gashi und denkt dabei an frühere Zeiten im Zweibrücker Jugendzentrum „Juz“. Besonders in Erinnerung ist ihm der früh verstorbene Juz-Mitarbeiter Waldemar Scheifel, der Gashis Leben für spätere Jahre prägte. „Ich wollte immer so sein wie Waldemar“, verdeutlicht Gashi, vor allem weil Scheifel so viele Sportarten beherrschte.
Gutes Omen
Als gutes Omen für seine Zukunftspläne wertet Senad Gashi die Tatsache, dass seine neue Zweibrücker Trainingsstätte von außen eine gewisse Ähnlichkeit hat mit dem Boxstall von „Mighty Mick’s Boxing Gym“ aus dem kultigen Boxfilm und Kinoklassiker „Rocky I“ von 1976, mit Sylvester Stallone in der Hauptrolle. Und zweitens hätte er beim erstmaligen Aufschließen der drei Türschlösser auf Anhieb jeweils gleich den richtigen Schlüssel ins Schloss gesteckt, erzählt er schmunzelnd.