Meinung RHEINPFALZ Plus Artikel Zweibrücken vor der OB-Wahl: Eine verunsicherte Stadt sucht glaubwürdige Antworten

Bei der OB-Wahl in vier Wochen spielen nüchterne Zahlen und Bilanzen keine große Rolle. Die Zweibrücker wollen jemanden, dem sie
Bei der OB-Wahl in vier Wochen spielen nüchterne Zahlen und Bilanzen keine große Rolle. Die Zweibrücker wollen jemanden, dem sie guten Gewissens ihre Zukunft anvertrauen.

Bei der OB-Wahl im März spielen nüchterne Zahlen und Bilanzen keine Hauptrolle. Die Zweibrücker wollen jemanden, dem sie guten Gewissens die Zukunft ihrer Stadt anvertrauen.

Die Stimmung in Zweibrücken ist deutlich schlechter als vor acht Jahren. Trotzdem liegt in der Gunst der Wähler der Mann vorne, der seit 2018 Oberbürgermeister ist. Bei der Landtagswahl schneidet die AfD ähnlich gut ab wie bei der Bundestagswahl 2025. Doch nur jeder zweite AfD-Wähler möchte deren Kandidat als Oberbürgermeister. Verfolgt man die Polizeistatistik der vergangenen Jahre, so ist Zweibrücken kein gefährliches Pflaster. Dennoch findet jeder Fünfte, die Stadt müsse mehr für die Sicherheit tun, und die Polizei müsse öfter zu sehen sein.

Warum die Widersprüche keine sind

Das sind drei Ergebnisse der Meinungsumfrage, die die RHEINPFALZ in Auftrag gegeben hat und über die wir in den vergangenen Tagen berichtet haben. Ergebnisse, die auf den ersten Blick wie ein Widerspruch scheinen. Deshalb lohnt es sich, genauer hinzuschauen. OB Marold Wosnitza zehrt vom Amtsbonus und davon, dass die Zweibrücker ihm in vielen Punkten mehr zutrauen als den übrigen Kandidaten. Die AfD ist für einen Teil der Wähler immer noch eher Protestpartei als echte Alternative. Der Leiter des Mannheimer Meinungsforschungsinstituts, das für die Umfrage zuständig war, sagt es ganz deutlich: Die Rechtspartei bekommt zwar viele Stimmen für die weiter entfernten liegenden Parlamente in Berlin und Mainz, direkt vor der eigenen Haustür möchte man deren Vertreter aber nicht unbedingt an der Spitze sehen.

Die schlechte Stimmung in der Stadt liegt nicht alleine an Zweibrücken, sondern auch an der Lage weltweit. An Trump, an Russland, an dem Gefühl, dass Multimilliardäre und Banken sich alles erlauben können, ohne zur Rechenschaft gezogen zu werden. Und doch: Wenn in der Fußgängerzone drei Geschäfte zumachen, große Arbeitgeber Entlassungen ankündigen oder Baustellen nicht fertig werden, stellt sich das Gefühl ein, dass es mit der Stadt bergab geht. Auch bei dem, der in den betroffenen Läden nie selbst eingekauft hat, dessen Arbeitsplatz sicher ist und den die Sperrung am anderen Stadtende persönlich nicht betrifft. Mit der Sicherheit ist es wie mit der Stimmung: Hier mit nüchternen Zahlen zu kommen oder darauf hinzuweisen, dass es dem einzelnen vielleicht gar nicht so schlecht geht, bringt wenig. Wer nachts durch die dunkle Allee läuft und Angst hat, jemandem zu begegnen, dem ist mulmig zumute – auch wenn sonst gar niemand unterwegs ist.

Auf der Suche nach einer besseren Zukunft

Und so wird die OB-Wahl in vier Wochen eine Wahl, bei der die Emotionen eine große Rolle spielen. Die Kandidaten werden sich kaum auf das berufen können, was sie bisher erreicht haben. Die Zweibrücker möchten an ihrer Spitze jemanden, dem sie vertrauen, dem sie ihre Zukunft anvertrauen. Der oder die ihnen das Gefühl gibt: Hier kümmert sich eine(r), und zwar eine(r), der oder die es kann. Bei der wichtigen Frage, wer die Stadt nach vorne bringt, liegen Amtsinhaber Marold Wosnitza von der SPD und Herausforderin Christina Rauch von der CDU gleichauf und weit vor den beiden anderen Kandidaten. Dennoch sollten bei beiden die Alarmglocken schrillen: Nur ein Drittel der Befragten traut ihnen tatsächlich zu, die Stadt in eine bessere Zukunft zu führen. Ein weiteres Drittel glaubt, dass keiner der vier Kandidaten dazu in der Lage ist.

Wosnitza punktet zudem bei den Themen Bürgernähe, Führungsstärke und Wirtschaft, Rauch wiederum wirkt auf die Leute sympathischer. Nach dem derzeitigen Umfrageergebnis wird am 22. März noch kein Sieger hervorgehen, sondern erst am Sonntag nach Ostern in der Stichwahl zwischen den beiden. Doch auch wenn der amtierende OB derzeit vorne liegt: Entschieden ist noch lange nichts. Dafür sind noch viel zu viele Wähler unentschlossen. Auch das passt zu der zurückhaltenden Stimmung. Auf die Wahlkämpfer – alle vier – wartet noch für mindestens vier Wochen viel Arbeit. Und die große Chance, noch viele Wähler zu überzeugen.

[Transparenzhinweis: Wir haben den Ausdruck "Eine unsichere Stadt" in der Überschrift in das treffendere "Eine verunsicherte Stadt" geändert]

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