Zweibrücken Zweibrücken: Thilo liest „Wickie“ mit dem Po auf dem Tisch
Strahlender Sonnenschein für die jungen Wikinger: Am Dienstagnachmittag las und erzählte Thilo Lassak in der Zweibrücker Jugendbücherei aus seinem Roman zum Film „Wickie auf großer Fahrt“.
Groß war die Fahrt tatsächlich, auf die Lassak die rund 50 jungen Zuhörer mitnahm: Wickies Vater Halvar will aus seinem Sohn während ihrer Plünderreise einen echten Mann machen. Wäre da nicht der Schreckliche Sven, der bedrohlich über den Wikingern schwebt … Drei Kapitel las Lassak und brachte die Kinder besonders mit seinen Erzählungen zum Lachen.
„Ich habe den besten Beruf der Welt, weil ich mich ohne Bestrafung der Bibliothekschefin mit dem Po auf den Tisch setzen darf!“, amüsiert Thilo P. Lassak sein junges Publikum. Das macht er dann sofort. „Du bist ja schon erwachsen!“, ruft ein Mädchen rein. Pfiffig wie immer, die Kinder der Jugendbücherei.
Herbig lud nur die besten 3000 Freunde ein
Schon anfangs merkt man, dass Lassak, der das Buch zum ersten Wickie-Film 2009 nach dem Drehbuch von Michael Bully Herbig geschrieben hat, der geborene Erzähler ist. So kommen auch die Passagen zwischen den Kapiteln besser an als das Vorlesen selbst. „Der Filmemacher hat in München das größte Kino gemietet“, erzählt der in Mainz lebende Autor von der Premiere des Films, der 2011 in die Kinos kam. „Da hat er zwei- bis dreitausend seiner besten Freunde eingeladen. Da waren nur berühmte Leute, wie zum Beispiel – ich.“ Mit seiner gespielten Selbstüberschätzung bringt er auch einige Eltern zum Lachen.
Dann wird es spannend. Der damalige Kinderstar der Filme, Jonas Hämmerle, war natürlich bei der Premiere – „und ich habe mich getraut, ihn anzusprechen und ihn um ein Autogramm gebeten.“ Erwartungsvoll blickt Thilo Lassak in die Runde. Und zeigt zum Beweis seines Mutes das Buch, das ihm der damals 14-Jährige Jonas Hämmerle alias Wickie signiert hat. „Ich kann nur gut einschlafen, wenn ich das Buch mit dem Autogramm bei mir habe“, erzählt er.
Er wirkt wie ein gutmütiger Märchenonkel. Gut drauf, witzig und für jeden Spaß zu haben, tauen die Kinder nach einer Viertelstunde richtig auf. Waren sie beim ersten Kapitel ein bisschen zappelig, hängen sie ihm nun bei seinen anschaulichen Erzählungen an den Lippen.
„Der kann nix anderes als weglaufen!“
Die anfängliche Unruhe kann aber auch daran liegen, dass die Kinder durch Film und Fernsehen anderes gewohnt sind: Lassak liest zwar pointiert und betont gut, aber die versprochenen Stimmfarben, die er den verschiedenen Charakteren im Buch einhaucht, lösen bei den Kindern wenig Begeisterung aus. Das kann auch jeder Vater daheim auf der Couch. So verliert die Geschichte, in der Wickie auf Raubzug geschickt wird, an Dynamik und Spannung. „Du kannst nicht dein ganzes Leben lang weglaufen!“, weist Halvar seinen Sohn zurecht, der vor gefährlichen Raubrittern flüchten will. „Der kann doch gar nix anderes als weglaufen!“, ruft ein Junge rein.
Und das war die Crux an der Lesung: Die Kinder sind es von anderen Lesungen und Theaterstücken in der Jugendbücherei gewohnt, mitzumachen. Das hat gefehlt. Nur gegen Ende lässt Lassak Fragen zu – und hat die gesamte Lesung über zwei Mädchen ignoriert, die sich immer wieder gemeldet haben. Eins hat was Besonderes zu erzählen: „Meine Schwester heißt auch Wickie!“, ruft es freudestrahlend. „Deswegen hast du ja einen Ehrenplatz in der ersten Reihe“, kontert Lassak gekonnt. Improvisieren und aus dem Stehgreif unterhalten kann er – hätte er das während der gesamten Stunde getan, wären die Kinder noch besser unterhalten worden.