Zweibrücken Zweibrücken: Sonne poliert die Schwimmbad-Bilanz auf

Viele Menschen hatten gestern, wegen der großen Hitze, ihren Spaß im Zweibrücker Freibad.
Viele Menschen hatten gestern, wegen der großen Hitze, ihren Spaß im Zweibrücker Freibad.

Sommer, Sonne, Freibadzeit. Diese Zeiten sind allerdings vorbei. Die Kombination aus Fernsehen, Smartphone und Internet lässt im Zusammenspiel mit Billigfliegern und privaten Pools im Garten die Besucherzahlen in den Freibädern einknicken. Die Supersonne in diesem Jahr fängt die Bilanzen etwas auf – aber eben nur, wenn das Wetter stimmt.

Bisheriger Rekordtag im Zweibrücker Freibad an der Schließ war der 1. Juli, ein Sonntag mit 1294 Besuchern, wie Sportamtsleiter Thomas Deller auf Anfrage mitteilt. Getoppt hat diese Zahl das Contwiger Freibad, wo am 1. Juli 1614 Besucher gezählt wurden. Wie eng Licht und Schatten aber in den Freibädern liegen, zeigt das verregnete Wochenende vom 23. und 24. Juni. An den beiden Tagen kam das Zweibrücker Freibad zusammen auf gerade mal 67 Besucher, in Contwig sah es nicht anders aus. Ob das Freibadjahr 2018 besser oder schlechter als das Vorjahr wird, wollte Deller nicht prognostizieren. Der Wettergott kann ein gut begonnenes Jahr allzu schnell ins Gegenteil verkehren und umgekehrt. Deller glaubt nicht, dass die Fußball-Weltmeisterschaft einen großen Einfluss auf die Besucherzahlen hat. Das liege nicht nur an dem frühzeitigen Ausscheiden der deutschen Mannschaft. Wenn die Nationalmannschaft spielte, habe man natürlich bemerkt, dass bestimmte Besucher nicht da waren. Andere Schwimmer seien wiederum gerade dann gekommen, wenn ein WM-Spiel anstand, weil sie das fußballfreie Freibad schätzten. „Bei euch steht wenigstens kein Fernseher“, habe sein Personal öfter gehört, erzählt der Sportamtsleiter. Mit der Urlaubszeit sei es ähnlich. Viele kämen ins Freibad, weil sie Urlaub und Zeit haben, andere wiederum sind im Urlaub und kommen zwei Wochen nicht. Das bestätige das Personal, das die Gesichter der Besucher schon gut kenne. Und dann ist da noch das geänderte Freizeitverhalten durch die neuen Medien. „Vor 20 Jahren war diese Maschinerie der Freizeitelektronik noch nicht so ausgebaut“, erklärt Deller. Da seien nicht überall Fernseher und Computer zur Verfügung gewesen. Das merken auch die einzelnen Vereine an den Mitgliederzahlen, weiß er. Und dann habe auch der Individualsport zugenommen, Joggen zum Beispiel. Da müsse man keinen Eintritt oder Beitrag zahlen und könne unterwegs sein, wann man will, hat der Sportamtsleiter beobachtet. Was auch zu weniger Besuchern in den Bädern führt, sei das Angebot an Billigfliegern, mit denen die Leute für kleines Geld wegfliegen können, sogar für ein spontanes Wochenende auf Mallorca. Danach werde meist zu Hause in Zweibrücken wieder gespart, und der Freibadbesuch falle aus, mutmaßt der Experte. Fakt ist, dass die Besucherzahlen in den letzten beiden Jahren gesunken sind. Waren es 2016 noch 38 379 Besucher, zählte das Amt 2017 nur noch 31 925. Wie 2018 enden wird, bleibt offen. Bisher waren 14 449 Badegäste im Freibad, das durch seine idyllische Innenstadtlage besticht, wie Deller findet. Im Contwiger Freibad war der Besucherandrang ähnlich wie in der Stadt. Die sommerlichen Temperaturen brachten am 1. Juli 1614 Gäste, am Samstag davor 1136. „Die meisten kommen gleich vormittags und gehen um die Mittagszeit, wenn es zu heiß wird“, beobachtet Schwimmmeisterin Jutta Döring. Das Wochenende vorher, am 23. und 24. Juni, waren es samstags 36 und sonntags 61 Besucher. Das sei normal, wenn es kühl sei und regne. Die Zahlen in den vergangenen Jahren seien mehr oder weniger konstant, sagt die Contwiger Schwimmmeisterin. Doch Zahlen wie vor 20 Jahren verzeichne kein Schwimmbad mehr. Nach Dörings Meinung sind die Ganztagsschulen und Horte am Rückgang der Besucherzahlen mit verantwortlich, aber auch Pools in privaten Gärten seien auf dem Vormarsch. „Gehen Sie mal mit Google Earth über Contwig“, schlägt Döring vor. Sie sei erschrocken, wie viele blaue Punkte auf der Landkarte hinter den Häusern des Dorfes zu finden sind. Dennoch habe das Bad in Contwig unschlagbare Attraktionen. „Die Jugendlichen sind durch unser Sprungbecken angezogen“, freut sich die Schwimmmeisterin. In Contwig gebe es einen Fünf-Meter-Springturm, eine Ein-Meter-Plattform und ein Ein-Meter-Federbrett sowie eine Drei-Meter-Plattform und ein Drei-Meter-Federbrett. Viele Familien kämen wiederum wegen des Planschbeckens und des Wasserspielplatzes, der auch von Außen für einen Euro zugänglich ist und auf dem die Kinder mit Pumpen und Bachläufen Wasser stauen und umleiten, erzählt die Schwimmmeisterin begeistert. Bei Sommerregen können die Zweibrücker Schwimmer ins Badeparadies ausweichen, das seine dreiwöchige Betriebspause in den September verlegt hat, damit Schulkinder, die nicht verreisen, auch bei schlechtem Wetter ins Schwimmbad gehen können. Doch auch das Hallenbad verzeichnet Einbußen bei den Gästezahlen, teilt Werner Brennemann, Geschäftsführer der Zweibrücker Stadtwerke, mit. Dies sei der Vorliebe vieler für digitale Medien geschuldet, glaubt er, aber auch der Konkurrenz, die in den letzten Jahren in der Region entstanden ist. „Das ,Koi’ in Homburg, in Neunkirchen ,Die Lakai’ und auch die neue Saunalandschaft ,Cubo“ in Landstuhl nehmen uns Besucher weg“, bekundet Brennemann. Die Badeparadies-Bilanz bestätigt es. Wurden 2016 noch 246 000 Gäste gezählt, waren es 2017 nur noch 237 000. 2018 kamen im ersten Halbjahr 123 856 ins Badeparadies. Hinzu komme in diesem Sommer der Besucherrückgang wegen der Fußball-Weltmeisterschaft, der sich im Badeparadies sehr wohl bemerkbar mache. WM und Sonne, dagegen kämen Wellenbad, große Rutsche und Wassergymnastik nicht an – Angebote, die Brennemann zu den Attraktionen des Bades zählt. Am 23. Juni waren 541 Besucher im Badeparadies, am 24. Juni 622. Doch eine Woche zuvor, als die Freibäder jubelten, waren es samstags (30. Juni) 573 und sonntags (1. Juli) 753. Auch hier gilt, was überall zutrifft: der Zuspruch der Bäder ist unberechenbar. Sei der Januar fürs Badeparadies eigentlich der stärkste Monat, war es 2017 der August. „Ich vermute, dass dies durch die knackige Kälte kam, weil viele von der Grippewelle betroffen waren“, sagt Brennemann. Der Sommer 2017 wiederum sei verregnet gewesen und habe dem Hallenbad unerwartet viele Gäste beschert.

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