Fussball
Zweibrücken: Meiste regionale Kicker wünschen sich für DFB-Team „Altgediente“ zurück
„Es liegt nicht am Trainer. Es ist eine Sache der allgemeinen Grundeinstellung. Das zieht sich durchs ganze Spiel“, sagt Nikolaus Sefrin, Co-Trainer des SV Palatia Contwig. Er ist der Meinung, dass Jogi Löw und Co. in den kommenden fünf Monaten durchaus auch mal nach neuen Spielern schauen müssen, die sich aufdrängen. Nicht zurückholen würde er das besagte Trio Thomas Müller, Jérôme Boateng und Mats Hummels. „Es war richtig, diesen Kurs einzuschlagen. Vielleicht hätte man noch härter durchgreifen müssen. Auch Toni Kroos muss auf seiner Position das Spiel mehr führen“, sieht Sefrin den Spieler von Real Madrid durchaus als Wackelkandidaten. Mit Wonne erinnert er sich an Sami Khedira und Bastian Schweinsteiger. „Das waren noch zwei Spieler, die haben alles abgeräumt“, sagt Sefrin, der das EM-Halbfinale trotz des Spanien-Debakels als realistisches Ziel ansieht.
Preuß: Verjüngung von null auf hundert war nicht gut
Daniel Preuß, Spielertrainer der SG Rieschweiler II, würde entgegen der Ansichten von Sefrin auf erfahrene Spieler setzen. „Hummels, Boateng und Müller fehlen. Mit ihnen wären wir deutlich stabiler. Mehr ältere Spieler braucht es schon gar nicht“, sagt Preuß. Er sieht dennoch den vom DFB-Trainerteam eingeschlagenen Weg durchaus positiv, auf jüngere Akteure zu setzen. „Der Schritt an sich war kein schlechter. Aber von null auf 100, das war nicht gut“, sieht der SGR-Trainer einen entscheidenden Lapsus. Ganz sicher sei er jedoch, dass die Torhüterposition richtig besetzt sei. „Neuer ist immer noch der Beste auf der Welt. Auf der Position haben wir mal auf keinen Fall ein Problem.“ Auch wegen des 0:6 gegen die Selección sieht Preuß ein frühes Ende bei der EM kommen. „Wenn es so weitergeht wie gegen Spanien, ist direkt nach der Gruppe Schluss.“
Christian Meier, Trainer des TuS Maßweiler, sieht die Defensivreihe als großes Manko der DFB-Elf. „Wir müssen in der Abwehr sicher stehen, und es müssen die besten Spieler in der Viererkette spielen“, sieht er in den „Altgedienten“ die beste Möglichkeiten für den Abwehrverbund. Zudem würde er befürworten, dass Bayerns Müller zurückkehrt. „Es hakt nicht in der Offensive, aber er spricht unglaublich viel auf dem Feld“, fügt Meier an. Obwohl im Angriff mit Timo Werner und Leroy Sané gute Spieler im DFB-Team stünden, wünscht er sich für eine Wiederkehr des Erfolgs einen Strafraumstürmer. „Ich würde Kevin Volland die Chance geben“, sagt Meier und sieht in dem früheren Leverkusener mehr Flexibilität im Sturm. Trainer Löw ist in den Augen des TuS-Coachs nicht das entscheidende Mosaiksteinchen für den Erfolg. „Da fehlt es mir auch mal an Selbstreflexion“, sagt Meier und würde durchaus gerne einen anderen Trainer sehen.
Bernhard: Abwehr ohne Weltklasse, Taktgeber fehlt
„Die Leute, die spielen, sind gut. Die größte Baustelle ist die Abwehr. Die deutschen Spieler gehören in der Defensive nicht zur absoluten Weltklasse“, sagt Sören Bernhard, Trainer von der SG Bechhofen/Lambsborn. Was Bernhard jedoch unweigerlich bei den Deutschen fehlt, ist der Taktgeber. Da fehle jemand, der Kommandos gibt, ein Leader. „Auch deshalb würde ich die Rückkehr von Hummels befürworten. Er kann ein Spiel gut aufbauen“, sagt der SG-Trainer, der auch Müller als Typ für das Team wichtig fände und ihn durchaus als wichtigen Faktor sieht. Selbst wenn er möglicherweise keine großen Spielanteile bekomme, wie Lukas Podolski bei der EM 2016. Taktisch sieht Bernhard, der in Waldmohr wohnt, die Deutschen aber gut aufgestellt. „Die Viererkette ist optimal mit unseren zwei guten Außenspielern.“
Lorett: Taktik überdenken
Sportvorstand Udo Memmer vom SC Hauenstein hätte einen Neuanfang 2018 bevorzugt. „Jetzt ist es schwierig, den Trainer zu wechseln. Er müsste über seinen Schatten springen und die drei genannten Spieler zurückholen. Da würde ihm kein Zacken aus der Krone brechen“, so Memmer. Er ist überzeugt, dass mit Jerome Boateng und Mats Hummels in der Abwehr die meisten der sechs Gegentreffer gegen Spanien nicht gefallen wären. „ Bedenklich finde ich zudem, dass Spanien hätte auch zehn Tore schießen können“, kritisiert er.
Fehrbachs Spielleiter und Mittelfeldspieler Christoffer Lorett ist dafür, nicht nur Personalien zu diskutieren, sondern auch über die Taktik nachzudenken. „Was da in der zweiten Hälfte ablief, war absolut grenzwertig. Da würde mich schon interessieren, was hätte passieren sollen“, blickt er zurück. Das sei keine Viererkette mehr gewesen, Robin Koch habe mehr im Mittelfeld agiert. Jonathan Tah war in der Abwehrzentrale weitgehend auf sich allein gestellt. Sowohl die DFB-Verantwortlichen als auch Trainer Löw müssten sich auch bezüglich des genannten Trios nun ein Stück weit bewegen und nicht so stur bleiben. Zu einem Trainerwechsel hat Lorett auch eine Meinung: „Es ist ja eine Frage der Alternative. Würden Klopp, Rangnick oder Flick bereitstehen und das gerne übernehmen, wäre es etwas anderes. Aber das ist ja aktuell nicht der Fall.“
Baum: Heynckes wäre ein verfügbarer Kandidat
Der frühere Sportliche Leiter des FK Pirmasens und frühere Trainer des SC Weselberg, Atilla Baum, würde Jogi Löw seitens des DFB die Möglichkeit geben, zurückzutreten. „Ich würde Jupp Heynckes dazu bewegen, die Mannschaft von Januar bis inklusive der EM zu betreuen. Er hat das Gefühl, was die Spieler jetzt brauchen. Und er könnte mit einem Bayern-Block das bewährte 4:2:3:1 spielen lassen“, sagt Baum.