Der Sepp vom Hallplatz RHEINPFALZ Plus Artikel Zweibrücken hat mittlerweile sein eigenes Italien

„Wannde unserm Babbe nohm Urlaub vezehld haschd, dass in Idalje die Leid uff de Schdross sidze un ihr Expresso, wie de Babbe imm
»Wannde unserm Babbe nohm Urlaub vezehld haschd, dass in Idalje die Leid uff de Schdross sidze un ihr Expresso, wie de Babbe immer gesaad had, drinke, do is immer nur e Fraach komm: Hann die nix ze schaffe?«

Auf der Straße sitzen und Kaffee trinken? Früher war das undenkbar. Heute würde das Flair der Rosenstadt Zweibrücken auch „unserm Babbe“ gefallen.

„Wannde unserm Babbe nohm Urlaub vezehld haschd, dass in Idalje die Leid uff de Schdross sidze un ihr Expresso, wie de Babbe immer gesaad had, drinke, do is immer nur e Fraach komm: Hann die nix ze schaffe?“ Mit der Lebensfreude war es in den Nachkriegsjahren nicht weit her: „Mir misse noch schbare!“, hörte man von allen.

„Die Leid missde jo menne, ich wär e Faulenzer!“

Sonntags war allerdings Spazieren angesagt: Ins Naturfreundehaus im Heilbachtal, nach Contwig „in die Hitt“, zu Weisensteins in die Fasanerie oder über den Kreuzberg nach Ernstweiler zur Rast auf den Dibeliushof. Alles Plätze, wo man auch Gleichgesinnte traf. Aber in der Stadt, gar in der Hauptstraße, öffentlich ein Bier zu trinken, das war für Vater noch unvorstellbar! „Die Leid missde jo menne, ich wär e Faulenzer!“ Man hörte diesen Satz oft genug.

Nur einer hatte einen Sitzplatz in der Hauptstraße, in der oberen, auf dem breiten Schaufenster-Bort der Buchhandlung Marhoffer. Die Inhaberin selbst sah den städtischen Bettler gar nicht gerne vor ihrer Auslage. Aber der Patt ließ sich bei seinen Geldgeschäften („Zeh Penning fa e Weck“, mit entsprechender Fingerbewegung fordernd) nicht stören und behielt seinen Sitzplatz.

Zwei Gartentische und einige Gartenstühle

Wenige Schritte weiter, am Kiosk auf dem Platz vor dem Central-Kino, das jeder Einheimische ja kannte, da gab es schon so etwas wie Gastronomie in der Innenstadt. Zwei Gartentische und einige Gartenstühle, abgegrenzt von der übrigen Platzfläche mit einem weißen Lattenzäunchen. Sogar einige Blumen davor sind noch in Erinnerung. Beim Sitzen dort, auf alten Aufnahmen ist dies zu sehen, hatte man einen herrlichen Blick auf die Alexanderkirche – oder das Bekleidungshaus Goebes, je nach Interesse. Und natürlich auf den damaligen Straßenverkehr. Ja, es gab mal vor der Kirche Taxi-Stände und manchmal wurde auch an ein Verkehrsgutachten erinnert, welches das Gelände vor der Kirche als den besten Standort für einen Omnibus-Bahnhof ansah. Da fuhren die Busse noch am Schlossplatz ab. Heute ist ja der Zentrale Omnibus-Bahnhof (fast) dort auch zu finden.

Mit der Einrichtung der verkehrsfreien Innenstadt, der Fußgängerzone zwischen Alexander- und Hallplatz, ist die City mächtig „umgekrempelt“. In den gegenwärtigen schönen Sonnentagen würde „unser Babbe“ erschrecken: statt der vielen Autos und der Busse und der parkenden Fahrzeuge fast kein Straßenverkehr mehr. Dafür Leute, oft eine ganze Menge, die „uff de Schdross“ sitzen und sich sichtlich wohlfühlen.

Genießen statt faulenzen

Vielleicht wäre der arbeitsame Vater etwas beruhigter, wenn er sehen könnte, dass es samstags doch mehr „Genießer“ sind. Vielleicht würde er daran denken, dass er als Gewerkschafter für den arbeitsfreien Samstag ja gekämpft hatte. Sonntags aber würde er vermutlich auf seinen „Spaziergang“ in die Umgebung verzichten und es machen wie inzwischen ständig mehr Leute, und in den Rosengarten gehen.

„Dess kennd ma jo nur vum Englische Gaade in Minche“, sagte am Sonntag der erstaunte Besucher, als er sah, wie die Rasenflächen des Rosengartens „belegt“ waren: Auf den dortigen Liegen und auf mitgebrachten Teppichen und häufig sogar mit Sonnenschirmen! Auf Handwagen wurde der Familienproviant für Groß und Klein geparkt. Einige hatten sogar „es guude Gescherr“ dabei. Nichts mehr mit Margarine-Brot und süßem Pfefferminztee, „unn noch e Appel“. Wie vor Jahrzehnten beim Sonnenbaden in der Schließ! Dass der Rosengarten ein ganz anderes Gesicht bekommen hat, würde Vater bestimmt gefallen und vielleicht mit seinem „Lob“ ergänzen: „Jedzd hammer doch selwer unser Idalje!“

1619_Pfalzgefühl_digital

Hast du die Pfalz im Blut?

Liebst du die Pfalz genauso wie wir? Gehst du gerne auf Weinfeste? Kennst du dieses Pfalzgefühl, das sich nicht beschreiben lässt, weil man es einfach erleben muss? Hier gibt es Artikel für alle Pfälzer, die die Pfalz im Herzen tragen. Für alle, die wissen, wo Hettrum, Hääschde und Harschem liegen. Und für alle, die warme Sommerabende am liebsten mit ihren Freunden und Dubbeglas in der Hand verbringen.

An dieser Stelle finden Sie Umfragen von Opinary.

Um Inhalte von Drittdiensten darzustellen und Ihnen die Interaktion mit diesen zu ermöglichen, benötigen wir Ihre Zustimmung.

Mit Betätigung des Buttons "Fremdinhalte aktivieren" geben Sie Ihre Einwilligung, dass Ihnen Inhalte von Drittanbietern (Soziale Netzwerke, Videos und andere Einbindungen) angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an die entsprechenden Anbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät notwendig. Mehr Informationen und eine Widerrufsmöglichkeit finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

x