Meine Meinung RHEINPFALZ Plus Artikel Zweibrücken darf sich über die guten Corona-Zahlen ruhig freuen

Georg Altherr
Georg Altherr

Das ist mal eine sehr gute Nachricht: Zweibrücken ist Deutscher Meister in puncto Corona! Nirgendwo sonst in Deutschland gibt es – auf 100 000 Einwohner gerechnet – weniger Infizierte. Klar: Das ist eine Momentaufnahme. Vielleicht verhält es sich nur 48 Stunden so, und am Montag sieht die Welt schon wieder anders aus. Aber immerhin. Darüber darf sich Zweibrücken ruhig mal freuen. Kollegen von Presse, Funk und Fernsehen aus ganz Deutschland haben bei Oberbürgermeister Marold Wosnitza angerufen und wollten von ihm wissen, warum Zweibrücken so gut da steht. Er konnte sich schlecht selbst loben.

Warum sind die Corona-Zahlen in Zweibrücken so niedrig? Der wesentliche Grund ist dieser: In Zweibrücken ist es gelungen, das Virus von den Alten- und Behindertenheimen fern zu halten. Dass dies gelungen ist, das ist zwar nicht das Verdienst des Oberbürgermeisters, aber das Rathaus hat in Zusammenarbeit mit einem Corona-Team aus Rotem Kreuz, Krankenhaus und engagierten Ärzten schon dafür gesorgt, dass die Rahmenbedingungen stimmen: Dass die Altersheime beizeiten Besucher und Mitarbeiter regelmäßig testen konnten. Und vor allem dafür, dass die Zweibrücker Altersheime und zudem das in Contwig ihre Bewohner und ihre Mitarbeiter am frühesten und am schnellsten in ganz Rheinland-Pfalz durchgeimpft hatten.

Das Corona-Team hätte indes noch so gut sein können: Wenn die Altersheime nicht mitgezogen hätten, wäre das Ergebnis niemals so gut gewesen. Die Heimleiter Raphael Baumann (Wichern-Haus), Andrea Schantz (Awo), Hans Prager (Mörsbach) und Anja Sonntag mit Tanja Moosbauer (Sarepta Contwig) haben sich das Hemd zerrissen, um das Virus vor der Tür ihrer Häuser zu halten und um beizeiten alle Papiere fürs Impfen beisammen zu haben. Es ist ihnen gelungen. Darauf können sie stolz sein.

Denn das Coronavirus wütet und verbreitet sich in ganz Deutschland vor allem in den Altersheimen. In Zweibrücken war das nicht so. Hinzu kommt: In Zweibrücken gab es keine Corona-Demos, keine Riesenpartys oder Hochzeiten, bei denen gegen die Regeln verstoßen wurde. Die Leute haben sich sehr vernünftig verhalten. Deshalb weist Zweibrücken so gute Zahlen aus. Ganz Zweibrücken mit Umgebung kann darauf stolz sein.

Ich bin außerdem der Meinung, dass der Stadtrat über die Belüftung kritisch diskutieren sollte.

Ja, was war denn nun das? Sowohl die SPD als auch die CDU hatten vor der Sitzung des Stadtrats Anträge gestellt, die darauf abzielten, in den Zweibrücker Schulen als Corona-Schutz Entlüftungsanlagen in Klassenräumen einzubauen. Und als es so weit war und das Thema im Stadtrat aufgerufen wurde, da wollte sich weder bei der SPD noch bei der CDU so recht jemand finden, der mit Vehemenz für den Einbau dieser Anlagen kämpfte. Hatte Oberbürgermeister Marold Wosnitza den Sozial- und Christdemokraten den Wind aus den Segeln genommen? Oder war es Isolde Seibert? Die Ortsvorsteherin von Rimschweiler hatte argumentiert, es genüge völlig, die Fenster regelmäßig zu öffnen und gut zu lüften. Das war im Winter nicht immer angenehm. Und Abitur schreiben mit klammen Fingern und in langer Unterhose und Thermopulli, das war sicher nicht so einfach. Aber in der Tat: Es wird draußen schön warm sein, bis die Entlüftungsanlagen eingebaut wären. Das Argument, das Geld könnte zum Fenster rausgeworfen sein, ist da nicht ganz von der Hand zu weisen.

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