Zweibrücken Wo sich Häuser an Hängen stapeln

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Seit ich in La Paz ankam, fasziniert mich diese Anden-Stadt mit 800 000 Einwohnern, die auf einer Höhe von 3600 Metern und doch in einem Tal liegt. In ganz Europa findet man nichts Vergleichbares: Straßen ziehen sich durch unwirkliche, von Erdrutschen geprägte Täler, Häuser stapeln sich an steilen Hängen, und die Wohnviertel wachsen mit der Einwohnerzahl in Richtung der umgebenden Hochebene in die Höhe. Jeder Platz wird genutzt – und wo man es am wenigsten vermutet, leben hier immer noch Menschen. Doch wie kommt man in einer Stadt wie dieser, in der es von Menschen wimmelt und es kaum ebene Straßen gibt, voran? In besonderen Situationen entwickeln sich besondere Maßnahmen; und so hat sich hier ein sehr besonderes System öffentlicher Verkehrsmittel entwickelt. Von unserer beschaulichen Kleinstadt Zweibrücken war ich gewöhnt, dass Strecken, die für einen Fußmarsch zu weit sind, mit dem Fahrrad, dem Stadtbus oder dem Auto zurückgelegt werden. Mit dem Fahrrad fährt in La Paz fast niemand, zu steil sind die Steigungen. Busse gibt es hier. Allerdings funktioniert das Busfahren in Bolivien vollkommen anders als bei uns. Nur eine einzige Buslinie hält sich an reguläre Haltestellen. Ansonsten muss man sich daran gewöhnen, dass die Busse hier auf Zuruf oder auf Handzeichen halten, wenn jemand ein- oder aussteigen will – was bedeuten kann, dass der Bus alle fünf Meter anhält. Auch gibt es meistens einen Festpreis, und die Länge der Strecke spielt kaum eine Rolle. Eher die Wahl des Fahrzeugs: Entscheiden kann man sich zwischen Minibussen, die öfter und schneller unterwegs sind, und den Microbussen, die größer, langsamer, aber auch billiger sind. Alle Busse sind privat unterwegs. Dem Busfahrer gehört das Gefährt, er arbeitet für seinen eigenen Profit. Dann gibt es noch das „Trufi“: Ein Linientaxi – teurer als ein Bus, billiger als ein Taxi–, das auf Strecken fährt, die weniger von Bussen bedient werden. Normale Taxis gibt es schließlich auch noch: Auch wenn man dafür am meisten Geld ausgeben muss, so ist man doch mit umgerechnet zirka drei Euro auch für weite Strecken immer noch gut dabei. Allgemein führt der Umstand, dass jeder, der es sich leisten kann, hier privat einen Minibus oder ein Taxi besitzt und ständig überall Busse anhalten, um Leute ein- und aussteigen zu lassen, zu einem ziemlichen Verkehrschaos mit vielen Staus. An die Verkehrsregeln hält sich kaum jemand. Busfahrpläne gibt es nicht – zeitlich ist keine Planung möglich. Es dauert, bis man sich im Liniensystem zurechtfindet. Wenn ein Bus zu spät oder am falschen Ort ankommt, beschwert sich keiner. Wo und bei wem auch? Es ist abenteuerlich, als Fußgänger unterwegs zu sein. Entlang den Straßen stinkt es, und es herrscht ein Höllenlärm. Abgasfilter sind die Ausnahme, Bus und Laster rußen wie die Schlote im Ruhrgebiet in den 1960er Jahren. Die Hupe ist das Lieblings-Instrument der Autofahrer. Sie wird gern eingesetzt, zum Warnen, Grüßen, Angeben und um Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Will man es einmal etwas ruhiger haben, dann gibt es hier die weltweit einmalige Möglichkeit, mit der Gondel durch die Stadt zu touren. Der „Teleferrico“ schwebt in drei Linien über La Paz, das Netz wird gerade ausgebaut. Bei vollkommener Ruhe kann man von der Gondel aus das Gewusel in der Stadt von oben betrachten.

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