Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Wo man künftig anrufen muss, wenn man nachts oder am Wochenende zum Arzt muss

Die Bereitschaftspraxis im Zweibrücker Nardiniklinikum bleibt erhalten, aber sie wird nicht immer besetzt sein. Es kann auch sei
Die Bereitschaftspraxis im Zweibrücker Nardiniklinikum bleibt erhalten, aber sie wird nicht immer besetzt sein. Es kann auch sein, dass man nach Pirmasens fahren muss. Das Foto stammt aus dem Jahr 2014.

Wer außerhalb der Dienstzeiten einen Arzt braucht, soll künftig nicht mehr direkt zum Bereitschaftsdienst ins Krankenhaus gehen, sondern zuerst die 116 117 wählen. Dort erfährt man, wo man hin muss oder ob der Arzt nach Hause kommt.

Wer zur Unzeit gesundheitliche Probleme hat, soll sich fortan nicht eigenmächtig in die Bereitschaftsdienstzentrale im Zweibrücker Nardiniklinikum begeben, sondern zuerst die 116 117 wählen. Dort wird über die Dringlichkeit der Probleme entschieden, und dort weiß man auch, welche Ärztliche Bereitschaftspraxis gerade geöffnet ist. Das muss nicht zwingend die in Zweibrücken sein.

Immer weniger Ärzte wollen sich in die Bereitschaftspraxen setzen

Die Praxis im Nardiniklinikum bleibe erhalten, im Einzelfall könne man unter der 116 117 aber erfahren, dass Zweibrücken gerade nicht besetzt ist und man nach Pirmasens fahren muss, so Rainer Saurwein, Pressesprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Rheinland-Pfalz in Mainz, auf Anfrage. Laut Saurwein werden in Rheinland-Pfalz ab November die Besetzungszeiten in den Bereitschaftspraxen reduziert und ein Hausbesuchsdienst aufgebaut. Der Grund: Es gibt immer weniger Ärzte, die sich in die Bereitschaftspraxen setzen wollen, und häufig haben sie dort nichts zu tun. Es können folglich Stunden eingespart werden, die man wiederum für mehr Hausbesuche nutzen kann.

Das ganze System funktioniert über den Patientenservice 116 117. „In Zukunft werden auch keine Öffnungszeiten mehr veröffentlicht, sondern nur noch auf die 116 117 verwiesen. Das ist der Dreh- und Angelpunkt des Systems“, so Saurwein. Unter der kostenfreien Nummer wird laut Saurwein auch geklärt, welche Versorgungsebene im Bedarfsfall die richtige ist: Reicht ein Besuch beim Hausarzt am nächsten Tag? Besteht die Notwendigkeit und ist der Patient in der Lage, sich in einer Bereitschaftspraxis vorzustellen, braucht er einen Hausbesuch oder einen Rettungswagen?

Patienten sollen Fahrt- und Wartezeit sparen

Für den Patienten habe dies „viele Vorteile“, sagt Saurwein. Im Vergleich zu früher, als er sich gleich zu einer Praxis aufmachte und dort vielleicht warten musste, spare er Fahrt- und Wartezeit – auch wenn man eventuell eine Viertelstunde in der Warteschleife hänge, bis man jemanden erreicht. Wird der Besuch einer Ärztlichen Bereitschaftspraxis empfohlen, „dann melden wir die Person dort auch gleich an, es kommt also nicht zu Wartezeiten“, betont Saurwein.

Hausbesuche ergänzen den stationären Dienst. Sie werden eingesetzt wie bislang auch „in medizinisch notwendigen Fällen, ersichtlich aus der telefonischen Ersteinschätzung“, erklärt Saurwein. Der diensthabende Arzt komme mit einem Fahrer und werde ebenfalls über die 116 117 disponiert, so Saurwein. In der Vergangenheit hätten gerade diensthabende Ärztinnen um einen Fahrer gebeten, weil ihre Einsätze sie häufig in Regionen führten, die nicht als so sicher galten. Bei den Fahrern sei es wünschenswert, dass sie eine medizinische Grundausbildung haben, aber keine Bedingung, ergänzt Saurwein.

Ärztemangel ein Hauptgrund für die Änderung

Doch was sind die Gründe für die Reform? Saurwein nennt als einen der Hauptgründe den Ärztemangel. Die geburtenstarken Jahrgänge erreichten das Rentenalter, die jungen Ärztinnen und Ärzte möchten Familie und Beruf vereinbaren, weniger arbeiten und auch nachts und am Wochenende nicht so viele Dienste übernehmen. Infolgedessen nehme die zur Verfügung stehende Arztarbeitszeit kontinuierlich ab. „Eine der ersten Fragen von jungen Nachwuchsmedizinern ist, wie denn bei uns der Bereitschaftsdienst geregelt ist. Das kann beim Anwerben junger Ärzte zum Wettbewerbsnachteil werden“, weiß Saurwein.

Es stünde also einerseits weniger Arztarbeitszeit zur Verfügung, andererseits verstreiche viel Arztarbeitszeit ungenutzt in Ärztlichen Bereitschaftspraxen, wenn dort nicht viel los sei, fasst Saurwein das Dilemma zusammen. Deshalb habe man nun die Besetzung der Bereitschaftspraxen dem tatsächlichen Bedarf angepasst und Besetzungszeiten reduziert. Dadurch gewinne man Arztarbeitszeit für Hausbesuche. Die Bevölkerung werde immer älter und entsprechend gebrechlicher, dem müsse Rechnung getragen werden, sagt Saurwein. Die neue Bereitschaftsdienstorganisation funktioniere aber nur, betont Saurwein, wenn die Patienten konsequent den Patientenservice 116 117 nutzen und keine medizinische Einrichtung direkt aufsuchen.

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