Zweibrücken „Wir kriegen nicht mal einen voll“

Zwei Frauen mit eigenem Haushalt in einem Haus brauchen zwei Mülleimer. So ist die Regel bei der Kreisverwaltung, was die Reifenbergerin Kunigunde Ketzer jedoch nicht verstehen kann, da sie zusammen mit ihrer Schwester nicht mal einen Mülleimer voll kriegt.
„Wir haben extrem wenig Müll und auch einen Komposthaufen“, meint Ketzer und moniert, dass sie zweimal Müllgebühren zahlen müssten. Das sei Geldmacherei, während sich die Bürger in anderen Regionen sogar mit dem Nachbarn eine Mülltonne teilen könnten, ohne verwandt zu sein. Ketzer verweist darauf, dass dies nicht allein ihr Problem sei, sondern andere Reifenberger auch zu viel Müllvolumen bezahlen müssten. Die Reifenbergerin befürchtet eine erneute Verteuerung mit dem neuen Müllkonzept, zumal dann noch weitere Tonnen dazukommen. Aktuell hat sie fünf Mülltonnen im Hof stehen, nachdem die Tonnen für das neue Abfallwirtschaftssystem ausgeteilt wurden. Eine 120-Liter-Restmülltonne für sie und ihre Schwester zusammen, zwei 240-Liter-Tonnen für das Papier und zwei Biotonnen. „Das geht so nicht. Wo soll ich den Kram denn hinstellen?!“, ärgert sich die Reifenbergerin. Aber vor allem die Verteuerung ärgert Ketzer. Dabei lebe sie mit ihrer Schwester wie in einem Haushalt, wenn auch in zwei Wohnungen. „Wir kochen zusammen und alles. Das sind doch keine zwei Haushalte.“ Ein Mitarbeiter von der Verwaltung habe zugesichert, mal vorbei zu schauen und eine Einstufung als Zweipersonenhaushalt zu prüfen, sei aber bisher nicht dagewesen. Die Reifenbergerin kann sich erinnern, dass vor vielen Jahren der Müll nur pro Grundstück gewertet wurde, womit sie mit ihrer Schwester billiger wegkäme. „Wieso geht das hier nicht mehr?“ Bei der Kreisverwaltung gibt sich deren Sprecherin, Ulla Eder, hoffnungsvoll für eine gemeinsame Biotonne und Papiertonne im Fall von Ketzer und ihrer Schwester. Grundsätzlich bekomme eben jeder Haushalt erst mal eine eigene Tonne. Kunigunde Ketzer könne eine gemeinsame Tonne beantragen, würde aber dadurch nichts sparen. Solchen Anträgen würde in der Regel auch immer entsprochen. Falls jedoch zwei Haushalte müllgebührentechnisch zusammengelegt werden wollen, müsse ein Mitarbeiter vor Ort nachsehen, ob dem zugestimmt werden kann, so Eder. Mit dem neuen Müllgebührensystem würde das ähnlich für die Reifenberger Schwestern. Auch dann würden die Reifenbergerinnen nichts sparen. Und selbst gesetzt den Fall, die Schwestern würden im neuen Jahr mit dem neuen System tatsächlich extrem wenig Müll haben und nur die vier Mindestleerungen beanspruchen, könne Ketzer nicht auf weniger Gebühren hoffen. Bisher zahlt ein Einpersonenhaushalt 91,20 Euro im Jahr bei Eigenkompostierern wie Ketzer und ihrer Schwester. Im neuen Jahr wären es allein für die vier Mindestleerungen je Einpersonenhaushalt 113,60 Euro. (kka)