Leichtathletik
Wie Trainer Alexander Gakstädter den Stabhochsprung-Nachwuchs in der Pfalz fördert
Nein, einen Kuchen mit zehn Kerzen darauf wird es wohl nicht geben. „Aber wir gehen demnächst mal zusammen essen“, verspricht Vorstandskollege Alexander Vieweg vom LAZ Zweibrücken bezüglich des kleinen Dienstjubiläums seines Namensvetters Alexander Gakstädter. „Alex ist als Trainer wirklich ein Glücksfall für uns“, sagt Vieweg. Dass zum Beispiel mit Tamineh Steinmeyer, Lars Urich, Ben Silas Kribelbauer und Paula Legner LAZ-Nachwuchssportler inzwischen auch wieder an internationalen Meisterschaften teilnehmen, liegt maßgeblich an Gakstädter.
1992, mit damals sechs Jahren, kam der heute 39-Jährige, der in Frankreich lebt, mit seiner Familie nach Zweibrücken. Hier wuchs er auf, hat sportlich aber erstmal beim 1. JC Zweibrücken mit Judo begonnen. „Das hab’ ich auch noch gemacht, bis ich 15 Jahre alt war“, erinnert sich Gakstädter.
Von Dieter Kruber zum Stabhochspringer erkoren
Mit elf Jahren war er aber auch schon bei einem der früheren Talentcups des LAZ Zweibrücken als Leichtathlet gesichtet worden. Und der im Jahr 2005 verstorbene Professor Dieter Kruber nahm ihn dann gleich als Stabhochspringer unter seine Fittiche. Dieser Leidenschaft ist Gakstädter bis heute treu geblieben. Damals konnte er aber noch nicht ahnen, dass es irgendwann sogar mal sein Beruf werden wird.
Denn nachdem er erst bei Vladimir Ryzih, dann bei Andrei Tivonchtik trainiert hatte, es zur Bestleistung von 5,20 Meter, zu einem dritten DM-Platz und 2003 zu Rang elf bei den U18-Weltmeisterschaften im kanadischen Sherbrooke gebracht hatte, war im Jahr 2011 Schluss als aktiver Stabhochspringer. Nachdem er an der Achillessehne operiert worden war, konnte Gakstädter nicht mehr richtig Tritt fassen.
2015 zurück als Trainer nach Zweibrücken
Er ging nach Marburg („Ich wollte unbedingt mal weiter weg“), studierte Geografie und Sport fürs Lehramt ans Gymnasien. Aber auch da kam er nicht ganz von der „Stabhochsprung-Bubble“ los, wie er sagt. Er arbeitete ehrenamtlich gleich bei zwei verschiedenen Vereinen. „Das hat sich wohl rumgesprochen, die Kollegen in Zweibrücken haben das mitbekommen“, erzählt er, wie es dann im Jahr 2015 zum Engagement in Zweibrücken kam.
„Mir wurde damals die Stelle als Bundesstützpunkttrainer angeboten, und eine Entscheidung musste relativ schnell fallen. Da dachte ich mir: Ich probiere das aus“, berichtet Gakstädter. Bundesstützpunkttrainer blieb er bis 2020, mischfinanziert von Bund und Land. Dann gab es einen Strukturwandel im Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV), die Stelle wurde gestrichen – unter anderem auch, weil zu diesem Zeitpunkt nicht mehr genügend Kaderathleten vorhanden waren. Hinter den Top-Athleten des LAZ Zweibrücken wie Raphael Holzdeppe, Daniel Clemens und Kristina Gadschiew hatte sich ein kleines „Talentloch“ aufgetan.
„Loch“ beim LAZ-Nachwuchs ist abgearbeitet
Alexander Gakstädter hatte Glück: Er wurde der erste Landestrainer Sprung im Leichtathletik-Verband Pfalz. In den Jahren von 2018 bis 2024 kam eine weitere Aufgabe hinzu: Er war auf Honorarbasis Bundestrainer für den weiblichen Stabhochsprungnachwuchs. Mit der Jugend zu arbeiten, „das liegt mir, das mache ich gerne“, sagt Gakstädter. Damals auf Bundesebene und auch im eigenen Verein, zu dessen Vorstand er seit 2020 auch gehört. Die „Delle“ beim Nachwuchs ist mittlerweile abgearbeitet. „Ben Silas Kribelbauer habe ich zum Beispiel vor sieben Jahren gesichtet, Paula Legner ein halbes Jahr später“, verweist er auf den langen Atem, den es braucht. „Jetzt haben wir wieder mehr Athleten, ein erarbeitetes Luxusproblem“, sagt er dazu, dass er allen gerecht werden will und muss. „Bei den Zwölf- bis 13-Jährigen haben wir sieben, acht Stabhochspringer, bei den Zehn- bis Elfjährigen viele Kinder, die sich allgemein auffällig gut bewegen“, stellt er fest.
2021 setzte sich Alexander Gakstädter dann noch mal in den Hörsaal, erwarb in drei Jahren die Lizenz als Diplomtrainer. Es war eine harte Zeit: einmal im Monat für eine ganze Woche nach Köln an die DOSB-Akademie und viel Lernerei. „Das war sehr interessant, weil es im Gegensatz zum Sportstudium komplett auf den Trainerberuf ausgelegt war“, sagt er rückblickend.
Mit Mentor Andrei Tivontchik zusammenarbeiten
Erlebt hat er als Coach schon einiges. So habe ihn einmal eine Athletin bei einem internationalen Wettkampf angeschrien: „Ich weiß nicht, was du von mir willst?“ Da habe er die Contenance bewahren und seine Ansprache überdenken müssen. Das klappte: Die Springerin stellte noch eine neue Bestleistung auf und wurde Vierte. Mordsmäßig geärgert hat er sich im Sommer 2025 bei den U20-Europameisterschaften in Finnland über den deutschen Verband, der aus seiner Sicht zu wenig getan hatte, um die Stäbe der Athleten rechtzeitig zum Wettkampf beizuschaffen.
Nach dem erfolgreichen Studienabschluss hatte Gakstädter drei bis vier Jobangebote, woanders als Trainer zu arbeiten. „Ich habe da mit mir gerungen, mich aber entschieden, hierzubleiben und den Weg mit meinen Athleten, die gerade die ersten internationalen Schritte machen, weiterzugehen.“ Bis 2028 bleibt er erst mal Landestrainer in der Pfalz. Und darf so auch weiter mit seinem großen Mentor Andrei Tivontchik arbeiten, der seine Athleten übernimmt, wenn sie im DLV-Perspektivkader landen. „Jeden Tag, seit ich da bin, hat mich Andrei in der Arbeit als Trainer begleitet. Wer kann das schon von sich sagen?“, fragt Gakstädter zufrieden.