Montagsumfrage RHEINPFALZ Plus Artikel Wie sollte man Schwarzfahren bestrafen?

Reicht eine Geldstrafe, wenn jemand ohne Ticket fährt?
Reicht eine Geldstrafe, wenn jemand ohne Ticket fährt?

Soll Schwarzfahren in öffentlichen Verkehrsmitteln eine Straftat bleiben? Oder soll es zur Ordnungswidrigkeit werden? Oder soll das Fahren ohne Ticket künftig nur mit Geldstrafe belegt werden? Wer ist selbst schon einmal schwarzgefahren? Wir haben uns in Zweibrücken umgehört.

Jürgen Hampel: Ich würde Schwarzfahren eher als Straftat ansehen. Das macht man ja nicht unbewusst. Und deshalb sollte es verfolgt und bestraft werden. Daher sollte die Einstufung so bleiben, wie sie ist. Ich selbst bin vor langer Zeit, in meiner Jugend, auch mal schwarzgefahren im Bus. Als ich noch keinen Führerschein hatte, bin ich öfter mit öffentlichen Verkehrsmitteln gefahren, seitdem eigentlich so gut wie gar nicht mehr. Sehr selten.

Jürgen Hampel
Jürgen Hampel

Kai Theobald: Ich denke, wenn man sich Bus- und Bahnfahren leisten will, kann man es sich auch noch leisten. Für mich ist das Schwarzfahren eigentlich eher eine Ordnungswidrigkeit. Dann hätten Gerichte und Behörden nicht so viel Arbeit damit. Eine Bestrafung müsste aber auf jeden Fall folgen, denn wenn keiner bezahlt, funktioniert es nicht mehr, dann steht am Ende bei den Anbietern keine schwarze Null. Ich würde es nicht härter bestrafen als bisher, vielleicht anders bestrafen. Oder man macht den öffentlichen Nahverkehr komplett kostenlos. Das wäre sinnvoll. Zum letzten Mal habe ich den Zug benutzt vor wenigen Wochen für die Fahrt zum Mannheimer Maimarkt. Die 15 Jahre zuvor bin ich aber gar keine öffentlichen Verkehrsmittel gefahren.

Kai Theobald
Kai Theobald

Nina Thiele: Ich finde, das Fahren ohne Ticket ist ein Straftatbestand. Jeder Mensch muss für Mobilität zahlen, jeder Autofahrer muss ja auch Benzin und Versicherung und so weiter bezahlen. Und genauso haben die Deutsche Bahn und die Busbetreiber ihre Kosten. Und wer den Fahrschein nicht bezahlen kann, der sollte sich ein Fahrrad besorgen oder jemanden fragen, ob er ihn oder sie fahren kann. Ich kann mir nicht einfach eine Leistung nehmen, die ich nicht bezahle. Ich bin noch nie schwarzgefahren. Allerdings auch vor rund zehn Jahren das letzte Mal überhaupt mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs gewesen. Ich glaube, dass in unserer Gegend viele Leute schwarzfahren, da es ja nicht besonders stark kontrolliert wird.

Nina Thiele
Nina Thiele

Ilona Wagner: Eine Straftat ist das nicht unbedingt für mich. Denn wenn das schon eine Straftat ist und andere Vergehen, die wirkliche Straftaten darstellen, unter den Teppich gekehrt werden, würde ich schwarzfahren eher als Ordnungswidrigkeit einstufen. Bei Mehrfachtätern würde ich dann aber strengere Maßnahmen ergreifen. Ein Kavaliersdelikt es jetzt aber auch nicht. Das ist den Zahlern gegenüber unfair. Komplett kostenlose Busse und Bahnen würden das Problem lösen, und wir würden etwas für die Umwelt tun. Wir nutzen Fahrrad, Auto oder laufen, aber die Bus-Anbindung von Oberauerbach ist miserabel. Alle paar Stunden mal ein Bus.

Ilona Wagner
Ilona Wagner

Colin Segith: Ich denke, die Strafe sollte heruntergestuft werden zur Ordnungswidrigkeit. Ich komme aus Pirmasens und bekomme mit, dass viele Leute schwarzfahren, weil sie keine Alternative haben. Und dann muss man wohl zu solchen Mitteln greifen. Wenn man von einem Ende der Stadt zum anderen muss, sind Laufen und Radfahren keine Alternativen. Ich selbst bin noch nie schwarzgefahren. Mittlerweile nehmen die Kontrollen auch zu, weil die Menge der Schwarzfahrer eben zugenommen hat.

Colin Segith
Colin Segith

Leona Kaufmann: Ich finde, man muss den Einzelfall betrachten. Hat jemand vergessen, ein Ticket zu kaufen, oder ist es Absicht? Das ist natürlich dann nicht richtig. Ich sehe schwarzfahren eher als Ordnungswidrigkeit. Ich bin noch nie selbst schwarzgefahren. Das kommt auch auf die Erziehung an. Mein Vater war Richter, da war schwarzfahren undenkbar. Ich möchte aber auch nicht mit dem Finger auf jemanden zeigen. Es gibt auch Leute, die verstehen beispielsweise den Fahrscheinautomaten nicht.

Leona Kaufmann
Leona Kaufmann
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