Rimschweiler Wie Physiotherapie, Bäckerei und Friseur die Vollsperrung erleben
Seit Sommer 2021 betreibt Physiotherapeutin Antonia Wolf zusammen mit Janina Müller als gleichberechtigte Geschäftsführerin das Physiowerk in der Vogesenstraße. Patienten kommen in die Praxis, aber die Therapeuten und ihre drei Angestellten machen auch Hausbesuche in Zweibrücken. Und genau dies sei mit der Sperrung wesentlich aufwendiger geworden, sagt Antonia Wolf: „Ist man früher mal schnell zu einem Hausbesuch nach Ixheim mit dem Auto gefahren, geht das jetzt nicht mehr.“
Seit der Vollsperrung hat die Physiotherapie-Praxis nach Wolfs Angaben rund 15 Patienten verloren, sagte sie vergangene Woche, das entspricht durchschnittlich eineinhalb Patienten pro Tag seit der Vollsperrung. „Einige Patienten haben uns gesagt, dass sie die weite Umleitung nicht fahren wollen, weil es ihnen zu teuer ist bei den hohen Benzinpreisen oder sie es generell zeitlich nicht mehr hinbekommen. Und dann gibt es auch solche, die ihre Physiotermine direkt nach der Arbeit einfach nicht mehr schaffen, weil sie teilweise Umwege von mindestens 20 Minuten fahren müssen jetzt“, sagt Antonia Wolf. „Und gestern habe ich bei Facebook gelesen, dass eine unserer Patientinnen der ersten Stunde jetzt einen anderen Physiotherapeuten sucht, weil sie die Strecke nicht mehr fahren möchte“, erklärt Wolf, dass es auch eigentlich treue Stammkundschaft trifft. „Wir merken das“, sagt sie zur Vollsperrung.
Auch die Umstellung von Schichten und Hausbesuchen war für das eigene Personal sehr aufwendig. „Wir mussten die Hausbesuche komplett neu planen, damit wir nicht tausendmal hin- und herfahren müssen. Wenn es wettertechnisch geht, laufen wir oder fahren mit dem Fahrrad beispielsweise zu Hausbesuchen nach Ixheim. Da sparen wir dann auch der Umwelt zuliebe unnötige Fahrtwege. Die Hausbesuche machen wir weiterhin, aber legen jetzt beispielsweise zusammen, das heißt, wenn in zeitlicher Nähe zwei verschiedene Mitarbeiter in Zweibrücken Hausbesuche machen würden, macht das jetzt dieselbe Person, sofern die Patienten einverstanden sind“, so Wolf. Ob sich der hohe Aufwand finanziell auswirkt, kann sie noch nicht abschätzen. „Das sehen wir, wenn die Abrechnung kommt“, erzählt sie.
Ganz anders sieht es in der Bäckereifiliale Bieber, ebenfalls in der Vogesenstraße, aus. Dort berichtet eine Verkäuferin, die nicht namentlich genannt werden möchte, dass zwar die Kundschaft fehle, die morgens auf dem Weg zur Arbeit gehalten habe, dafür aber mehr Rimschweiler und Althornbacher Einwohner bei ihr einkaufen als vor der Sperrung. „Denen ist der Umweg in eine Bäckerei in Ixheim oder Zweibrücken jetzt zu lang“, sagt sie. Was Rimschweilerer Einwohner bestätigen, die noch vor zwei Wochen ihre Brötchen in Zweibrücken gekauft haben und jetzt den kurzen Weg „zum Bieber“ wählen, auch bekannt als „Lotto Müller“. Allerdings hat die Bäckerei ihre Öffnungszeiten verändert. Wie bisher öffnet sie zwar täglich um 5 Uhr, schließt aber jetzt eine Stunde früher, nämlich um 11 Uhr.
Die Ortsdurchfahrt, die Vogesenstraße, liegt morgens wie ausgestorben da. Wo sonnst ein stetiger Durchgangsverkehr herrscht und manchmal ein Lastwagen nach dem anderen durchbrettert, muss man am Donnerstagmorgen schon mal fünf Minuten warten, um überhaupt ein fahrendes Auto zu sehen.
Im Friseurladen Headdesign von Dersim Tugal freut man sich über treue Kundschaft. „Abgesprungen ist bislang noch niemand, aber etliche Kunden von außerhalb haben die Vollsperrung nicht mitbekommen und kamen zu spät zum Termin. Und auch unsere Angestellte aus Zweibrücken ist am Faschingsdienstag zu spät gekommen, weil sie nicht wusste, dass an dem Tag ihr gewohnter Bus nicht fährt“, beschreibt Friseurin Alexandra Tugal die Auswirkungen der Vollsperrung auf den Laden mit drei Mitarbeitern.
Ortsfremde Kundschaft beschwere sich zudem über eine schlechte Beschilderung der Umleitung. „Die wissen nicht, dass die Umleitung über Hornbach führt“, sagt sie. Die Anwohner und Rimschweiler Kunden hingegen ärgerten sich über die längeren Wege und Fahrtzeiten, erzählt sie. Der Friseurladen weist auf seiner Internetseite auf die Sperrung hin, erklärt, wie man die Umleitung fahren muss, und bittet die Kunden, eine knappe Viertelstunde früher loszufahren, um rechtzeitig da zu sein.