Fußball
Wie Nils Strassel aus Rieschweiler Regionalliga in Pirmasens, Abi und Tanzen unter einen Hut bringt
Ende März führte der 19-jährige Nils Strassel beim Abiball des Zweibrücker Helmholtz-Gymnasiums im Stil von Hugh Jackman aus dem Film „Greatest Showman“ in Frack und Zylinder eine zwölfköpfige Truppe von Schulkollegen an, die eine atemberaubende 15-minütige Tanz- und Turn-Performance auf die Bühne der Festhalle legte. Für den großen Auftritt hatten die Jungs um Strassel drei Monate lang einmal wöchentlich trainiert. Mama Bianca, von Beruf Erzieherin, hatte sich die Choreografie ausgedacht, Nils’ jüngere Schwester Pia (12) ebenfalls beim Üben geholfen. Und das alles neben den Vorbereitungen fürs mündliche Abitur. Die schriftlichen Prüfungen in den Leistungsfächern Sport, Englisch und Physik hatte der junge Mann da schon hinter sich.
Und das alles auch neben dem Fußball. Denn der junge Mann spielt erfolgreich bei der U19 des FK Pirmasens in der A-Junioren-Regionalliga. Mit viel Training (viermal pro Woche) kennt er sich unter Trainer Peter Rubeck (früher unter anderem beim SVN Zweibrücken) aus. „Es ist anstrengend und anspruchsvoll bei ihm, aber er will uns voranbringen“, sagt Strassel. Er ist kein Stammspieler, aber als Innen- oder Außenverteidiger, auch mal als Sechser, in jeder Partie dabei und bekommt auch immer Spielzeit. „In der Hinrunde sind wir hinter Gonsenheim nur Zweiter geworden. Die Rückrunde wollen wir jetzt als Erster beenden. Wirges ist uns mit einem Punkt Abstand auf den Fersen, aber wir haben noch ein Spiel weniger.“ Auch im U23-Team hat er bereits ausgeholfen.
Mit der Schwester geübt
Über die Auszeichnung mit der „Coubertin-Medaille“ für sein gutes Sport-Abitur (12 Punkte jeweils schriftlich und praktisch) hat sich Strassel sehr gefreut. Mit Schwester Pia, die Leistungsturnerin bei der VT Contwig ist, ging er zwei-, dreimal üben. „Nur das Schwimmen war meine Angstdisziplin, vor allem das Kraulen.“ Aber auch das hat letztlich gut geklappt. Seit dem fünften Schuljahr kickte er zudem regelmäßig beim Wettbewerb „Jugend trainiert für Olympia“ mit.
Im September/Oktober möchte er gerne ein Bauingenieur-Studium beginnen. „Am liebsten an der Hochschule in Kaiserslautern als duales Studium“, sagt er. Dazu hat er sich bei einer Kaiserslauterer Firma beworben und wartet nun auf eine Zusage. Die Berufsidee wurde ihm ein bisschen in die Wiege gelegt: Papa Steffen ist Bautechniker bei der Bundeswehr in Baumholder. „Wir haben unser Haus zum größten Teil selbst umgebaut. Seit ich klein war, war ich da immer dabei“, sagt Nils Strassel lachend.
Guter Einstieg
Passen würde der Studienplatz auch zu seinen sportlichen Ambitionen. Denn für die nächsten beiden Spielzeiten hat er einen Vertrag für die U23-Mannschaft des FKP unter dem neuen Trainer Stephan Schwarz (früher unter anderem auch Oberliga-Verteidiger beim SVN Zweibrücken) erhalten. „Ich sehe die Verbandsliga als guten Einstieg in den Aktivenbereich an“, begründet Strassel seine Zusage an die Pirmasenser. Zudem sind es von seinem Heimatort Rieschweiler nur 15 Minuten Fahrt mit dem eigenen Auto auf die Husterhöhe.
Das war in seinen beiden C-Jugend-Jahren beim 1. FC Saarbrücken noch anders. Da mussten die Eltern viele Fahrdienste ins Saarland übernehmen. Nachdem ihm das Klima in Saarbrücken aber nicht mehr gefallen hatte, wechselte er im ersten B-Jugend-Jahr zum FKP. Angefangen mit dem Fußball hatte er „mit drei, vier Jahren“ bei seinem Heimatverein SG Rieschweiler. Er erinnert sich noch gut an den Empfang von Weltmeister Erik Durm im Jahr 2014, bei dem er als achtjähriger Knirps quasi in der ersten Reihe stand. „Sein Autogramm habe ich heute noch“, gesteht er schmunzelnd.
„Mal nicht so durchgetaktet“
Nils Strassel freut sich jetzt bereits auf die neue Saison unter Coach Stephan Schwarz, mit drei, vielleicht viermal Training pro Woche. Zusätzliche Einheiten beim Physiotherapeuten legt er nach zwei Bandscheibenvorfällen und einem Bruch des Sprunggelenks für sich selbst immer noch ein.
Gerade genießt er es nach dem Schulabschluss aber auch, mehr Zeit zu haben. „Es ist angenehm, dass der Tag mal nicht so durchgetaktet ist wie in der Schule“, sagt er. Wenn es Zeit und Fußball zulassen, arbeitet er als Aushilfskraft im Service des Fasanerie-Restaurants. Ein Familienurlaub und vielleicht eine Reise mit Schulfreunden stehen auch noch auf dem Plan, bevor im Sommer und Herbst dann wieder der Ernst des Lebens beginnt: im Fußball und im Studium.
STICHWORT Coubertin-Medaille
Der Abiturpreis Sport „Pierre de Coubertin“, in Form einer Medaille und einer Urkunde, wird seit dem Schuljahr 2001/02 vom Landessportbund Rheinland-Pfalz landesweit an rheinland-pfälzische Abiturienten (2025 an 73) verliehen – als Auszeichnung für sportliche Leistungen, gepaart mit sozialem Engagement. Die Medaille wurde vom Mainzer Bildhauer Karlheinz Oswald geschaffen. Auch Fairness und Engagement außerhalb des Sports sind nachzuweisen. Mit der Auszeichnung soll die Bedeutung des Fachs Sport hervorgehoben werden.
Der französische Pädagoge, Historiker und Sportfunktionär Pierre de Coubertin (1863-1937) gilt als Begründer der modernen Olympischen Spiele, die erstmals wieder 1896 in Athen stattfanden. Er gründete 1894 das Internationale Olympische Komitee, dessen zweiter Präsident er von 1896 bis 1925 war. Er entwarf auch die Olympischen Ringe, seit 1920 Symbol der Spiele. Begriffe wie „Fair Play“ und „Olympischer Gedanke“ hat Coubertin entscheidend mitgeprägt.