Zweibrücken
Wie man seinen Energieverbrauch um ein Viertel reduziert
Wer mit Rainer Ringeisen spricht, spart Geld. „15 bis 25 Prozent sind drin, bei manchen noch mehr“, sagt der Energieberater der Stadtwerke auf die Frage, wie viel die Leute sparen, wenn sie seine Tipps umsetzen. Er erzählt von Hausbesitzern, die jetzt pro Jahr 900 Euro weniger bezahlen. Und von solchen, denen er sagt: „Wenn Sie vor zehn Jahren zu mir gekommen wären, hätten Sie die Hälfte gespart.“
Wobei viele Leute nicht zu Rainer Ringeisen kommen, sondern er zu ihnen. Dann schaut er sich das Haus an, vom Keller bis zum Dach. Und findet meistens sofort etwas. „30 Prozent der Dachschrägen sind nicht gedämmt“, sagt er. Oder die Dachschräge ist gedämmt, aber weil der Speicher gar nicht genutzt wird, sollte es eigentlich die Geschossdecke sein. Oder die Leute lassen neue Fenster einbauen, aber die Kälte zieht weiter durch die alten Rollladenkästen.
„Wo hab’ ich den größten Nutzen?“
Fragt man Rainer Ringeisen nach seinem besten Tipp, dann sagt er ganz klar: das Haus als Einheit betrachten. „Sie können installieren, was Sie wollen – wenn Sie Ihr Haus nicht dämmern, nutzt die beste Heizung nichts.“ Ringeisen plädiert dafür zu fragen: „Wo hab’ ich den größten Nutzen?“ Manche Hausbesitzer würden sich Photovoltaikanlagen auf Dächer bauen, die nicht gedämmt sind. Das Ende vom Lied: Hätten sie das Geld in die Dämmung investiert, hätten sie mehr Geld gespart als ihnen der Sonnenstrom einbringt. Da die PV-Anlage aber neu ist, würden sie auf Jahrzehnte hinaus nichts am Dach machen. „Jede Firma sieht nur ihren Teil, ich versuch’s im Ganzen“, erklärt Ringeisen.
Immer wieder bringt er Vergleiche aus dem Alltag. Etwa wenn er erklärt, warum eine ordentliche Dämmung wichtig ist: „Wenn ich die Pelzmütze nicht auf den Kopf ziehe, geht die Wärme fort.“ Oder die Sache mit der Thermoskanne, auf die man den Deckel nur drauflegt: „Da ist der Kaffee in fünf Minuten kalt. Wenn ich die aber richtig zuschraube, hält er stundenlang. Selber Deckel, selbe Kanne.“
Oberstes Gebot: Energieverbrauch vermeiden
„Mein oberstes Gebot ist: Energieverbrauch vermeiden. Das macht mich unabhängiger“, sagt der Energieberater. „Wenn die Nachfrage nach Pellets steigt, werden die Pellets teurer. Es gibt keine preiswerte Energie mehr. Nur die, die ich nicht verbrauche.“ Und um Energie zu sparen, gibt es viele Stellschrauben. Die Zirkulationspumpe zum Beispiel. Die sorgt dafür, dass schnell warmes Wasser aus dem Hahn kommt. Den größten Teil des Tages braucht man aber gar kein warmes Wasser. Es fließt zurück, kühlt sich ab und muss wieder erhitzt werden. Die Folge: „Wenn die Pumpe endlos trillert, schieß’ ich mir die Energie fort.“ Ringeisens Empfehlung: die Pumpe nur laufen lassen, wenn man sie braucht. Das gehe schon mit einer einfachen Zeitschaltuhr.
Und während in Mietshäusern bestimmte Werte vorgeschrieben sind, gilt für Privathäuser: Anstatt 60 Grad tun’s auch 45 bis 50 Grad. Und man könne das Wasser auch etwas länger laufen lassen, anstatt sofort warmes zu haben. Die Zirkulation ganz ausschalten, davon hält der Energieberater aber nichts: Eine Stunde am Tag sollte man sie laufen lassen, damit das Wasser nicht steht und sich keine Keime bilden.
Wie viel Energie der Energieberater verbraucht
Ringeisen kommt aus Dellfeld, ist 57 Jahre alt und seit 30 Jahren Energieberater. Für Strom und Heizen verbrauche er etwa halb so viel Energie wie die meisten, sagt er. Die Kunden, die ihn um Rat fragen, sind sehr gemischt, aber meist seien es Privathaushalte, überwiegend Ein- und Zweifamilienhäuser. Eine Statistik führt er nicht, aber er hat festgestellt, dass sich die Beratung verlagert hat. Kamen früher ganz viele Neubaukunden, so sind es nun die, die ihren Altbau sanieren oder umstellen möchten. Wobei ein Altbau schon ein Haus aus den 90ern ist.
Wer eine Beratung möchte, muss Kunde der Stadtwerke sein. Zwar fragen auch immer wieder Leute aus den Nachbardörfern an, aber die Verbandsgemeinde hat einen eigenen Energieberater. Um die zwei Stunden dauert ein Vor-Ort-Termin, die Beratung ist kostenlos. Computersimulationen und Aufnahmen mit der Wärmebildkamera macht Ringeisen nicht. Braucht er auch nicht. Ob ein Speicher schlecht gedämmt ist, sieht er oft schon am Staub, der sich im Kondenswasser festsetzt. „Die Nachfrage hat sich locker verdoppelt“, sagt Ringeisen. Früher bekam man innerhalb von ein bis zwei Wochen einen Termin, heute muss man vier bis sechs Wochen warten.
Was der Energieberater empfiehlt
Weil jedes Grad mehr auch sechs Prozent mehr Energie verbrauche, könne man die Raumtemperatur senken. Die 3 auf dem Thermostat entspreche 20 Grad, jeder Strich auf der Skala sei ein Grad. Man solle die Raumtemperatur immer mit einem Thermometer kontrollieren, empfiehlt Ringeisen. Und: höchstens um drei bis vier Grad runterdrehen. Denn auch wenn in einem Zimmer die Heizung aus ist, koste das Energie: Die warme Luft ziehe dorthin, wo es kalt ist. Dan heize man das kalte Nebenzimmer trotzdem unbewusst mit.
Damit die Feuchtigkeit abziehen kann, sollte man regelmäßig lüften, und zwar stoßweise und am besten dreimal am Tag. Wie lange? Als Faustregel gelte: Außentemperatur plus fünf Minuten. Das gekippte Fenster im Schlafzimmer brauche man dagegen nicht, sagt Ringeisen. Wer vor dem Schlafengehen lüftet, habe genug frische Luft für die Nacht. Im Schlafzimmer genügten 15 bis 16 Grad.
„Haben wir gestunken?“
„Klar darf man warm duschen“, sagt der Energieberater. Aber man solle sich überlegen, ob man es reduziert, empfiehlt er. „Wir haben uns, was die Körperhygiene anbelangt, Luxus angewöhnt“, findet er. Zum Tipp des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann, sich zu waschen statt zu duschen, sagt er: „Die Waschlappengeschichte von Herrn Kretschmann ist gar nicht so verkehrt. Früher war Samstag Badetag. Und? Haben wir gestunken?“
Beim Strom gibt es mittlerweile sehr sparsame Waschmaschinen, Trockner und Geschirrspülmaschinen. Aber dafür würden die Spiele-PCs immer leistungsstärker. Weil deren Grafikkarten Stromfresser sind, empfiehlt der Energieberater, sie nicht zum Streamen zu benutzen. Dann lieber den Laptop oder den Fernseher – sofern es kein Plasma-TV ist. Besser: die neuen OLED-Fernseher. „Wenn man viel guckt, kann sich das ganz gravierend auswirken“, sagt Ringeisen. Er berichtet von einer Kundin, die bei der Stromrechnung von einer hohen Nachzahlungsforderung überrascht wurde. Es stellte sich heraus, dass ihr Fernseher zehn Stunden am Tag lief und sie das Plasma-Gerät ihres Sohnes bekommen hatte. Wer ein ganz neues energiesparendes Gerät hat, der könne es auch auf Standby lassen. Das mache 1,30 Euro im Jahr aus, rechnet er vor. Wer den Stromverbrauch testen möchte: Die Stadtwerke verleihen Messgeräte an ihre Kunden.
„Das braucht definitiv zu viel Energie“
Als „Unsitte“ bezeichnet Ringeisen die großen Kühl- und Gefrierschränke, die auch noch kaltes Wasser und Eiswürfel machen. „Das braucht definitiv zu viel Energie.“ Er selbst hat einen separaten Gefrierschrank für Tiefkühlkost.
Wo das Licht viel brennt, empfiehlt Ringeisen LED-Lampen. Bei alten Lampenschirmen machen sogenannte Filamentlampen schönes Licht: „Die strahlen fast 360 Grad ab, und vor allem haben Sie warmes Licht, das ist wesentlich angenehmer.“ Eine solche Birne koste 3,50 bis 4,50 Euro, halte aber 15.000 Stunden, 15-mal so lange wie eine Glühbirne.
Kann man mit Kerzen heizen?
Und kann man Kerzen zum Heizen benutzen? Davon rät Ringeisen ab, auch weil sie Sauerstoff verbrennen. Dass kleine Stromöfen, die man in die Steckdose steckt, etwas taugen, glaubt er nicht, ohne dass er sie getestet habe: „Wenn dem so wäre, könnte man alle Heizungen in die Tonne treten. Die Physik können Sie nicht auf den Kopf stellen.“
Info
Die Energieberater der Stadtwerke, Rainer Ringeisen und Jens Metzger, erreicht man unter Telefon 06332 874-410 oder -411 und per E-Mail an energieberatung@stadtwerke-zw.de.
Bei der Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land bietet Klaus Danner im Auftrag der Verbraucherzentrale eine Energieberatung an, jeden zweiten und vierten Donnerstag von 13.30 bis 18 Uhr nach telefonischer Terminvereinbarung unter 06332 8062-307.