Zweibrücken Wie in selbstvergessener Trance

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Ein Kammerkonzert der Extraklasse präsentierten die beiden jungen Musikerinnen Anna Theresa Steckel und Miao Huang mit Sonaten von Ludwig van Beethoven, Johannes Brahms, Maurice Ravel und Edvard Grieg am Sonntagabend im Wintergarten der Festhalle.

Die Geigerin Anna Theresa Steckel und die Pianistin Miao Huang sind Zweibrücken durch ihre Jugendzeit verbunden und kehren immer wieder auf Einladungen der Mozartgesellschaft hierher zurück. Und zwischen den beiden Künstlerinnen stimmt die Chemie, sie bilden ein wunderbares Duo, ein echtes Dream-Team. Das zeigte sich zum Beispiel in ihrer Interpretation der Sonate Nr. 1 G-Dur op. 78 von Johannes Brahms. Auffallend war hier immer wieder der erzählerische Charakter der Geigenthemen von Anna Theresa Steckel. Dieser Ansatz passt aber hervorragend zu dem auch als „Regenliedsonate“ bekannten Werk, das Brahms anlässlich des Todes seines Patenkindes Felix, ein talentierter Geiger und Sohn der mit ihm befreundeten Clara Schumann, schrieb und in dem er zwei Melodien aus seinen „Regenliedern“ op. 59 aufgriff. Sehr plastisch formten die Geigerin und die Pianistin ihre Themen, so dass sie ein tönendes Relief entstehen ließen. Sehr ruhige, breit flutende Themen wechselten sich immer wieder ab mit Passagen voll dramatischer Spannung – Kontraste, die die beiden Künstlerinnen mit großem Feingefühl und meisterlichen Nuancen der Artikulation gestalteten. Spieltechnisches Können und Empfindung gingen hier Hand in Hand. Die weichen Phrasen von Anna Theresa Steckel konnten nahezu unmerklich in leidenschaftlich-empathische Ausbrüche umschlagen, die Klaviermotive von Miao Huang gaben dazu immer wieder Impulse in einem lebendigen musikalischen Dialog. Selbst das Abebben der klangschön und ergreifend gestalteten dramatischen Entwicklung war noch voller Spannung, vor allem durch langgezogene Motive, die nicht nur durch die Intensität des Ausdrucks, sondern auch durch die schnellen, umspielenden Läufe des Klaviers ihre latent immer wieder durchbrechende Energie erhielten. Düster-markante Klavierakkorde leiteten auch den Schlusssatz ein, dem die einfallende Geigenmelodie mit ihrer dunklen Klangfarbe und flutenden Weite einen melancholisch-weichen Charakter verlieh. Wie in selbstvergessener Trance wühlten sich die beiden Musikerinnen in die Sonate Nr. 2 G-Dur von Maurice Ravel hinein. Einem flutenden Geigenthema, sehr klangschön intoniert von Anna Theresa Steckel, gaben wellenförmig gebrochene Klaviermotive, die an lautmalerische Naturklänge erinnerten, einen unirdisch-schwebenden, wie mystisch-entrückten Ausdruck. Immer intensiver steigerten sich Steckel und Huang, bäumten sich geradezu in ihrem Spiel auf, um dann ersterbend zu verebben – nicht völlig freilich. Immer wieder brachten Klavierakkorde ein Moment der Unruhe in das Werk, störten die Idylle des kantablen Violinthemas, das ebenfalls in flirrenden Tremoli von Spannung ergriffen wurde. Sehr plastisch gestalteten Steckel und Huang auch die Sonate Nr. 3 c-Moll op. 45 des norwegischen Komponisten Edvard Grieg. Die dunkel-elegische Violinweise nahm nach und nach einen dramatischen Ausdruck mit stark vorwärts drängendem Akzent an, die dadurch erzeugte Spannung verstärkten die sich immer mehr steigernden Läufe des Klaviers. Die leidenschaftliche Bewegung mündete in ein träumerisches Sinnen, nur ein leises Pochen des Klaviers steuerte ein mahnendes Element bei. Aufwühlende Klavierimpulse in bewundernswertem Wechselspiel mit flirrenden Geigentremoli ließen die Kadenz des Schlusssatzes zu einem Bravourstück der beiden bemerkenswert gut aufeinander eingespielten, souverän interagierenden Interpretinnen werden.

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