Zweibrücken Wie Ferien vor der Haustür

Auf Tour: Flickinger (rechts) sorgt vor einem Auswärtsspiel auf dem Bahnsteig mit dem Megafon für Stimmung bei den Fans.
Auf Tour: Flickinger (rechts) sorgt vor einem Auswärtsspiel auf dem Bahnsteig mit dem Megafon für Stimmung bei den Fans.

«LEIPZIG.» Wenn am morgigen Pfingstsonntag um 15 Uhr in der Arena Leipzig das letzte Spiel der Saison 2018/19 zwischen Handball-Bundesligist SC DHfK Leipzig und den Rhein-Neckar Löwen angepfiffen wird, hat Malte Flickinger schon etliche Stunden Arbeit hinter sich. Der gebürtige Zweibrücker arbeitet seit dem Sommer 2016 in der Geschäftsstelle der Leipziger – und ist unter anderem für einen reibungslosen Ablauf der Heimspiele zuständig. „An Heimspieltagen bin ich der Erste in der Halle – und der Letzte, der gegen 23 Uhr geht“, verrät der 25-Jährige lachend. Wenn nachmittags gespielt wird, ist er schon gegen 8, 9 Uhr vor Ort. „Unsere Arena ist ja keine reine Sporthalle. Da geht’s von einem zum anderen Tag vom Helene-Fischer-Konzert zum Handball“, sagt er über die Halle, die bei den Top-Spielen 7213 Zuschauer fasst. Mit dem Dienstleister in der Arena bespricht er daher ein paar Tage vor dem Spiel den Auflaufplan. „Wie muss der Vip-Bereich hergerichtet werden? Brauchen wir noch extra Stuhlreihen? Solche Sachen“, erklärt der ehemalige Handballer der VTZ Saarpfalz und des SV 64 Zweibrücken, was da besprochen wird. Höhepunkte waren für ihn bisher zwei Länderspiele und zwei All-Star-Games in der Leipziger Arena. Nach Praktikum hängen geblieben Von 2012 bis 2015 hat Malte Flickinger Sportmanagement in Heilbronn studiert. „Dabei müssen wir ein einsemestriges Pflichtpraktikum machen. Ich hab’ mich damals flächendeckend im Handball beworben.“ Geklappt hat es in Leipzig, was ihm von Anfang an gut gefiel. „Ich wollte gar nicht unbedingt zu einem etablierten Verein. In Leipzig kam ich im Jahr nach dem Erstliga-Aufstieg. Da war hier alles noch im Wandel und am Wachsen, es herrschte Aufbruchstimmung.“ Ans Praktikum hängte er gleich noch ein halbes Jahr dran. „Und ich hab’ mich wohl nicht so doof angestellt, weil die Leipziger mir dann einen festen Job angeboten haben“, meint er lachend. Seine Handball-Vergangenheit in Zweibrücken war dafür aber gar nicht ausschlaggebend. Seit Sommer 2016 arbeitet er nun unbefristet auf der Geschäftsstelle der SC DHfK Handball Verwaltung GmbH, in die auch die Profiabteilung ausgegliedert ist. „Ich bin extrem glücklich hier. Ein bisschen habe ich mein Hobby zum Beruf gemacht“, freut sich Flickinger. „Heimspiele, Fan & Teambetreuung“ sind seine Aufgaben kaut der Homepage des Vereins. „Ich bin ein Bindeglied zwischen der Geschäftsstelle und der Profimannschaft samt Trainerstab.“ Mehrmals pro Woche schaut er nachmittags im Training vorbei. „Die Spieler und ich stimmen auch die Anfragen für öffentliche Termine miteinander ab.“ Ein weiterer, Teil seiner Jobanforderung betrifft das Outfit der Profis: „Die Einkleidung mit allen Trikots, Trainingsklamotten und Präsentationsanzügen läuft über mich.“ Dazu gehört es, Größen und mögliche Textilunverträglichkeiten zu erfragen bei Neuzugängen, die Anproben und das Bestellen. Um 4.30 Uhr von Fan-Tour zurück Groß geworden ist Malte Flickinger handballerisch bis zur C-Jugend bei der VTZ Saarpfalz, dann wechselte er zum SV 64 Zweibrücken. „C-Jugend Stefan Bullacher, B- und A-Jugend Timo Steinbach, zweite Mannschaft Björn Stoll“, hat er in der Aufzählung noch alle Trainer im Kopf. In Leipzig mischt er noch in der dritten Mannschaft in der Verbandsliga mit. „Wir haben sechs Herrenteams, die Dritte ist die erste richtige Amateurtruppe“, erklärt er. Er versucht, montags und mittwochs ins Training zu gehen, wegen des Jobs klappt das aber nicht immer. Diese Saison hat es auch nur zu zwei Spielen gereicht. Immer mal wieder fährt er zu Auswärtsspielen des Erstliga-Teams mit den Fans mit. Wie in der Saison 2017/18 zum Pokal-Viertelfinale bei den Löwen. 350 Fans machten sich auf den Weg, „und wir waren erst um 4.30 Uhr zu Hause. Aber das war von der Stimmung her mega-cool“. Das war sie auch beim Final-Four-Turnier in Hamburg 2017, als die ganze Kurve grün war – und er das Hotel für die Fans organisierte. Flickinger fühlt sich in Leipzig pudelwohl, von einem Ost-West-Konflikt spürt er nichts. „Die Leute hier haben mich supernett und sehr offen empfangen. Leipzig ist eine sehr coole, junge Stadt.“ Er wohnt mit zwei Freunden in einer WG mitten in der Stadt, fünf Minuten weg von der Arena, zehn Minuten mit dem Fahrrad bis zur Geschäftsstelle. „Leipzig ist für eine Stadt mit 600 000 Einwohnern extrem grün, finde ich. Es gibt ganz viele Kanäle, das ist ein bisschen wie Ferien vor der Haustür.“ Und die drei bis vier Seen in der Umgebung sind für ihn Lebensqualität pur, die auch der gemeinsame WG-Hund „Caruso“ sehr schätzt. Zuhause in Zweibrücken ist er nicht mehr so oft, da sind 560 Kilometer einfacher Weg doch viel. „Das lohnt sich für ein Wochenende kaum“, sagt er. So bleibt’s meist bei Stippvisiten zu den Feiertagen wie Weihnachten. Zum Stadtfest Ende Juli zu kommen, versucht er aber immer, und hat auch schon einige Leipziger Kumpels davon überzeugt. „Denen hat’s so gut gefallen, die wollen wieder mitkommen“, berichtet er freudig. Bei der B-Jugend hilft er aus Vorher ist noch mal seine Expertise in Sachen Arena Leipzig gefragt. Die B-Jugend-Jungs des SC DHfK Leipzig haben sich nämlich mit Siegen im Halbfinale gegen den THW Kiel für die Endspiele um die deutsche Meisterschaft qualifiziert. Und das Rückspiel gegen die MJSG Melsungen/Körle/ Guxhagen spielen die Leipziger Jungs am Samstag, 15. Juni, vor großer Kulisse in der Arena. „Da bin ich selbstverständlich unterstützend tätig“, freut sich Flickinger mit.

Am Schreibtisch: Malte Flickinger in der Geschäftsstelle des Handball-Bundesligisten SC DHfK Leipzig.
Am Schreibtisch: Malte Flickinger in der Geschäftsstelle des Handball-Bundesligisten SC DHfK Leipzig.
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