American Football
Wie ein Deutsch-Amerikaner aus Zweibrücken auf den 60. Super Bowl blickt
American Football – manche sagen, es ist Schach auf dem Rasen. Andere sagen, es ist ein kompliziertes „Smashmouth“-Spiel (aggressiv, mit roher Gewalt ohne Finesse), das nur wenige verstehen. Und für wieder andere ist es ein Kampf der Gladiatoren – wie im antiken Rom.
Keine Frage: Für die Fans ist es immer ein Fest, bei dem man schon auf den Stadionparkplätzen, den sogenannten „Tailgate Partys“ vor und nach dem Spiel, zusammentrifft, um gegrilltes Fleisch und Würstchen zu genießen. In der Nacht zum Montag (ab 0.30 MESZ bei RTL) steigt im Levi’s Stadium im kalifornischen Santa Clara das absolute Nonplusultra im American Football: der 60. Super Bowl, diesmal zwischen den New England Patriots und den Seattle Seahawks.
Nationalhymne und Überflug der Air Force
Der Super Bowl im Februar ist das größte Sportereignis des Jahres in den USA. Ins Stadion pilgern die Fans dann friedlich zusammen – ein schriller Mix von Fans der verschiedenen Teams, von knallbunt bis lässig und abgeklärt. Die Vorstellung der Spieler und Coaches der Endspiel-Teilnehmer übernehmen meist bekannte Schauspieler wie Sam Elliott, Michael Douglas oder Dwayne „The Rock“ Johnson. Das Ganze wird komplettiert durch den patriotischen Gesang des „Star-Spangled Banner“. Die US-Nationalhymne wurde schon von vielen Stars gesungen, unter anderem von Whitney Houston, Mariah Carey und Country-Superstar Chris Stapleton – eine große Ehre. Dieses Jahr wird der Grammy-nominierte Sänger Charlie Puth die Hymne singen, begleitet von Vertretern der sechs Säulen des US-Militärs (Army, Navy, Air Force, Marines, National Guard und der US Space Force). Nachdem die Flugshow von der Air Force direkt über das Stadion gezischt ist, kann’s dann losgehen.
Für die Spieler und Coaches ist der Super Bowl weitaus mehr als irgendein Big Game. Für viele Spieler ist es schlicht das Größte in ihrem Leben – etwa vergleichbar dem WM-Finale im Fußball. Für den Fan, der zu Hause vor dem Fernseher sitzt und eine Super-Bowl-Party mit Freunden macht, ist dieser Super Sunday eine Art Nationalfeiertag – mit viel Chicken Wings, Chips, Burger oder Chili und genügend Getränken.
Wie immer eine ganz große Halftime-Show
Elf Spieler der Patriots und elf der Seahawks stehen sich dann auf dem Feld gegenüber, die einen in der Offense (Angriff), die anderen in der Verteidigung (Defense). Ein kompletter Kader besteht aus 53 Spielern, da während des Matchs ständig ausgewechselt wird. Der Schlüsselspieler ist der Quarterbacks, der verlängerte Arm des Chefcoachs. Seine Aufgabe besteht darin, den eiförmigen Ball zu werfen oder ihn an einen seiner Mitspieler an der Angriffslinie zu übergeben. Der Runningback ist derjenige, der den Ball, dann eingeklemmt unterm Arm, im Laufspiel nach vorne bringt. Der Wide Receiver besitzt wie ein Runningback schnelle Beine, seine Spezialität besteht darin, weiter nach vorn geworfene Bälle zu fangen. Auf einem Spielfeld, das mit Yards (etwas weniger als ein Meter) und Inches (2,5 Zentimeter) gemessen wird.
Ziel des Spiels ist es, übers Feld in die Endzone zu marschieren oder zu werfen und so zu punkten. In jeder Angriffsserie („Drive“) haben die Angreifer vier Versuche, um zehn Yards Raumgewinn zu erreichen. Schaffen sie das, bekommen sie vier neue Versuche. Wenn nicht, wechselt der Ballbesitz. Die meisten Punkte gibt es für einen geworfenen oder erlaufenen Touchdown in der Endzone (sechs Punkte), drei Punkte für ein zwischen die Torpfosten geschossenes Field Goal. Und es gibt noch weitere Möglichkeiten, Punkte zu erzielen.
Eine ganz große Nummer sind beim Super Bowl die musikalischen Auftritte in der Halbzeit. Die Halftime-Show ist als Family-Entertainment gedacht und gilt als Höhepunkt des Events. In der Vergangenheit traten Musiker auf wie Tom Petty and the Heartbreakers, die Rolling Stones, Michael Jackson, Coldplay, Bruno Mars, Rihanna oder U2, um alle bei Laune zu halten.
Buchmacher sagen: Seattle Seahawks gewinnen
Diesmal soll der puerto-ricanische Rapper und mehrfache Grammy-Gewinner Bad Bunny – auch bekannt durch seine Gastauftritte in der Wrestling-Liga WWE – den Zuschauern im Levi’s Stadium einheizen, sowie die Rockband Green Day – vielen bekannt durch politische Songs wie „American Idiot“ und „Wake Me up When September Ends“. Nachdem US-Präsident Donald Trump Bad Bunnys Auftritt als „lächerlich“ bezeichnete, legte die National Football League mit Green Day nach. Gerüchten zufolge wird der Song „American Idiot“, der ursprünglich Präsident George W. Bush, dessen Politik sowie die Medien und die Gesellschaft nach den Terroranschlägen des 11. September 2001 und nach dem Irak-Krieg kritisierte, nun neu und zeitgemäß umgeschrieben. Trump entschied sich, möglicher Kritik in Kalifornien aus dem Weg zu gehen und sagte seinen geplanten Trip nach Santa Clara ab.
Laut den Buchmachern gelten im Super Bowl LV die Seattle Seahawks als Favorit gegen die New England Patriots, die angeführt werden vom jungen Quarterback Drake Maye – der als MVP-Kandidat (Most Valuable Player, wertvollster Spieler) gilt. Maye führte sein Team im Mile High Stadium von Denver vor 14 Tagen gegen die heimischen Broncos – erst auf grünem Rasen, dann über eine verschneite Fläche zu einem 10:7-Erfolg im Halbfinale. Der 23-Jährige aus North Carolina hat gute Aussichten, Nachfolger der legendären Tom Brady zu werden. Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg: Brady hat in seiner knapp 19-jährigen Karriere allein sechs seiner sieben Super-Bowl-Titel mit den Patriots gewonnen.
Quarterback Darnold und die neue Heimat Seattle
Mayes Gegenüber Sam Darnold, der Quarterback der Seahawks, weist ebenfalls eine beachtliche Laufbahn auf. Der 28-jährige Kalifornier hat nach Stationen bei den New York Jets (2018 bis 2020), Carolina Panthers (2021/22), San Francisco 49ers (2023) und den Minnesota Vikings (2024) in Seattle diese Saison endlich seine sportliche Heimat gefunden. Er führte die Seahawks in dieser Saison mit 14 Siegen bei nur drei Niederlagen aus der zurzeit stärksten Division der gesamten Liga – der NFC West – bis in den Super Bowl. Im Halbfinale schlugen Darnold und Co. zu Hause die Los Angels Rams mit 31:27.
Für die Seahawks, die im Jahr 2014 gegen Denver ihren ersten und bisher einzigen Titel gewannen, ist diese Begegnung mit den Patriots auch die Neuauflage des Super-Bowls XLIX (49) ein Jahr später. Damals gewann New England knapp mit Ikone Tom Brady 28:24.
Zur Person
Unser Autor Patrick Smith ist 50 Jahre alt und in den US-Bundesstaaten Louisiana und Georgia aufgewachsen. Seine große Football-Liebe gehört den Atlanta Falcons. Von Geburt ist er wegen einer Kinderlähmung schwer gehbehindert, auf einen Rollator und spezielle orthopädische Schuhe angewiesen. 1989, mit 14 Jahren, kam er mit seiner Mutter, einer Zweibrückerin, und der Schwester nach Deutschland. In Homburg machte der Deutsch-Amerikaner später eine Ausbildung zur Bürofachkraft. Seit fast 15 Jahren arbeitet er beim Cap-Markt, dem Supermarkt der Hallplatz-Galerie, an der Kasse.