Basketball
Wie die VT Zweibrücken zum ersten Saisonsieg in der Oberliga kommt
Eine Minute vor Spielende der Oberliga-Begegnung gegen Eintracht Lambsheim am Sonntagnachmittag war Leon Gilles echt bedient. Gar nicht wegen einer Spielsituation oder wegen des Spielstandes eine Minute vor Schluss. Da lag nämlich seine VTZ mit 71:65 vorne. Aber der 29-jährige Center musste nach seinem fünften Foul runter vom Feld, durfte nicht mehr eingesetzt werden, zog das Trikot aus und feuerte es genervt hinter die Auswechselbank der Zweibrücker.
Knapp 60 Sekunden später konnte Gilles aber schon wieder lachen und mit den eigenen Fans unter den rund 50 Zuschauern beim ersten Heimspiel der Spielzeit gut gelaunt das Match analysieren. Denn die Zweibrücker hatten nach der knappen Niederlage in Herrensohr und der deutlichen Klatsche beim BBC Horchheim in Koblenz endlich den ersten Saisonsieg gelandet – und über weite Strecken der Partie beim 77:68 (14:15, 40:33, 57:49) auch überzeugt.
Gilles: Rebounds waren ein wichtiger Faktor
„Ich hätte schon gerne fertig gespielt“, sagte Leon Gilles im Nachklapp zu besagter Szene kurz vor Schluss. „Wir hatten deutlich mehr Rebounds und haben dafür offensiv auch schwer und viel gearbeitet“, befand der Zerspanungsmechaniker der Firma Bosch in Homburg, der am Ende selbst auf 14 Punkte kam, in seiner Spielanalyse. Vor zwei Jahren hat der junge Mann seinen Industriemeister gemacht, Ende des Monats absolviert er seine Abschlussprüfung zum technischen Betriebswirt.
Die Zweibrücker drückten, mit Gilles in der Fünfer-Startformation, gegen die Gäste aus dem Rhein-Pfalz-Kreis vom Sprungball weg auch aufs Tempo. Und Gilles sorgte mit seinem erfolgreichen Fastbreak gleich für die erste Zweibrücker Führung im Spiel – 2:0. Die Partie war aber im ersten zehnminütigen Viertel ziemlich zerfahren, beide Mannschaften mussten sich noch warmwerfen, leisteten sich etliche Fehlwürfe, auch von jenseits der Dreierlinie. Wichtig: Die Gastgeber ließen sich nach eigener 8:2-Führung auch nicht abschütteln, als Lambsheim die Partie bis zur Viertelpause erst mal drehte.
VTZ dreht im zweiten Viertel mächtig auf
Im zweiten Spielabschnitt drehten die Zweibrücker dann nach fünf Minuten mächtig auf. Die Top-Phase der VTZ nach 22:23-Rückstand begann mit einem Dreier von Tim Burkholder und einem erneuten Fastbreak von Leon Gilles. 18 Punkte erzielte die VTZ da noch bis zur Halbzeit, die Gäste kamen gerade mal auf zehn. Kein Wunder, dass die VTZ-Trommler auf der Tribüne der Ignaz-Roth-Halle aufwachten und ihr Team lautstärker unterstützten. Zwei Szenen waren hier sinnbildlich für die Spielanalyse von Gilles am Ende. Einmal schnappte er sich selbst den Rebound und versenkte den Korbleger zum 34:27 (17.). Und sein Center-Kollege Milomir Mihailovic traf im dritten Versuch zum 38:29, nachdem er sich vorher zweimal den Ball unterm Korb wieder geholt hatte. Die VTZ war auf der Siegerstraße. Auch weil die Lambsheimer (am Ende nur eine Freiwurfquote von 57 Prozent) zunehmend Probleme bei ihren Würfen von der Linie bekamen.
Leon Gilles hatte auch im dritten Viertel noch zwei gute Szenen: Erst traf er zum 47:38, dann beantwortete er den Dunk von Lambsheims Daniel Vidovic postwendend mit einem wunderschönen Zug zum Korb (25.). Der Zweibrücker Center war am Ende zufrieden mit der Leistung seiner Mannschaft: „Stellenweise war das ganz gut“, versetzte er lachend.
Coach Bozdemir: Mismatches besser ausnutzen
„Wir haben gewonnen, also haben wir viel richtig gemacht“, urteilte auch VTZ-Spielertrainer Aykut Bozdemir nach dem Spiel. Seine Vorhersage in der Halbzeit, dass die Gäste das VTZ-Tempo nicht bis zum Ende würden mitgehen können, bewahrheitete sich. Er hätte sich aber gewünscht, dass seine Spieler die bestehenden Mismatches (ein Größenunterschied zwischen Angreifer und Verteidiger) noch besser ausnützen.
Dass es während des Freiwurffestivals drei Minuten vor Schluss beim 67:65 dann doch mal spannend wurde, schob Bozdemir auf die Müdigkeit seines Teams gegen Ende und dass seine Jungs „da zu viel gewollt haben“. Zufrieden war er damit, dass alle eingesetzten Spieler auch zu Punkten kamen. Am erfolgreichsten waren am Sonntag für die VTZ Luca Höchst (19 Punkte), Tim Burkholder (14), Milomir Mihailovic (13) – und eben Leon Gilles.