Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Wie die Amerikaner in Zweibrücken Kultur, Architektur und Wirtschaft prägten

Die feierliche Verabschiedung der Amerikaner auf dem Schlossplatz Zweibrücken fand am 23. Mai 1993 statt.
Die feierliche Verabschiedung der Amerikaner auf dem Schlossplatz Zweibrücken fand am 23. Mai 1993 statt.

Von der Besatzung zum Bauboom: In Zweibrücken gab es wichtige Einrichtungen der US-Streitkräfte. „Die Amis“ haben die Stadt geprägt und Spuren hinterlassen.

Die US-Streitkräfte kamen am 20. März 1945 nach Zweibrücken: Sie marschierten ein und übernahmen das Kommando. Die meisten Amerikaner gingen am 31. Juli 1991. Sie waren in der Kreuzbergkaserne, auf der Air Base, in der Canada-Siedlung und in der weißen Kaserne stationiert – allerdings nicht überall gleichzeitig, die Standorte wechselten im Laufe der fast 50 Jahre. Die Amerikaner waren in Zweibrücken präsent und haben die Stadt geprägt. Sie beeinflussten die Architektur, die lokale Kultur und sicherlich auch die Mentalität der Zweibrücker.

Bis zu 69.000 Soldaten waren zeitweise in Rheinland-Pfalz stationiert. Dazu kamen noch deren Angehörige. Im Jahr 1989 waren es 142.000 in unserem Bundesland, berichtet die Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz. Wie viele davon in Zweibrücken waren, ist nicht bekannt.

Als die französischen Soldaten im Jahr 1953 in die Niederauerbach-Kaserne umsiedelten, übernahmen die Amerikaner die Kreuzbergkaserne, bauten sie aus und vergrößerten sie. Sie war bis 1993 das Personalersatzzentrum für die US-Army in Europa. Ankommende US-Soldaten wurden von Bremerhaven mit dem Zug und Militärbussen nach Zweibrücken gebracht und nach wenigen Tagen auf ihre Einheiten verteilt.

Sonderwährung soll Schwarzmarkt eindämmen

Der 89-jährige Heinrich Natter aus Bubenhausen hat von 1953 bis 1956 in der deutschen Poststelle auf dem Kreuzberg „bei den Amis“ gearbeitet. Er erinnert sich: „Die US-amerikanischen Streitkräfte und ihre Angehörigen hatten nicht nur eigene Geschäfte, eigene Banken, Kindergärten und Schulen, sondern sogar eigene Banknoten.“ Mit dieser Sonderwährung MPC (Military Payment Certificates) wurden die amerikanischen Soldaten in Deutschland und anderen Staaten von 1946 bis 1973 entlohnt. Die Amerikaner wollten damit ursprünglich den ausufernden Schwarzmarkt, vor allem mit amerikanischen Zigaretten und Wertsachen, bekämpfen und die erheblichen Defizite in der Bilanz der US-Streitkräfte reduzieren.

Der Zweibrücker Heinrich Natter erinnert sich gerne an die Zeit mit den Amerikanern auf dem Kreuzberg.
Der Zweibrücker Heinrich Natter erinnert sich gerne an die Zeit mit den Amerikanern auf dem Kreuzberg.

„Sofort nach ihrer Ankunft auf dem Kreuzberg kamen die Soldaten zur Poststelle und telegrafierten an ihre Angehörigen in den USA, um ihnen mitzuteilen, dass sie gut angekommen seien.“ Um Geld zu sparen, benutzten sie Telegrammcodes – Listen mit Zahlen, denen kurze Texte zugeordnet waren. Auch die amerikanischen Poststellen besaßen diese Zahlenlisten, und der Empfänger konnte den Text auf der Poststelle lesen.

Neu: Weiße und Schwarze wohnen in einer Kaserne

Zweibrücken war die erste deutsche Stadt, die die 3. US-Infanteriedivision einnahm. Die Zivilbevölkerung hatte zurückhaltend und eher besorgt reagiert, wusste man doch nicht, was geschehen würde. Viele Zweibrücker sahen zum ersten Mal schwarze Menschen. Sie erfuhren bald, dass die Amerikaner die schwarzen Soldaten nicht als gleichberechtigt ansahen. Denn während des Zweiten Weltkrieges bestand in der amerikanischen Armee das Prinzip der Rassentrennung. Deshalb wurden die 100.000 Afroamerikaner, die in den amerikanischen Streitkräften dienten, getrennt von den Weißen untergebracht.

Das änderte sich in den Nachkriegsjahren allmählich. So wohnten in Deutschland und auch in Zweibrücken alle GIs gemeinsam in einer Kaserne. Damit verschwanden allerdings nicht die Diskriminierung und die Vorurteile. Die zeigten sich auch darin, dass die Offiziere fast immer Weiße waren.

Wenige Jahre nach dem Krieg, als klar wurde, dass die Amerikaner länger im Land bleiben würden, entstanden zivile Wohnsiedlungen, Housings genannt. Auf dem Kreuzberg wurde neben den Wohnhäusern für die Soldaten eine amerikanische Schule gebaut. Dort wurden die Kinder der amerikanischen Militärangehörigen auf Englisch unterrichtet und konnten amerikanische Schulabschlüsse erlangen.

Das amerikanische Eis war etwas ganz Besonderes

Im Einkaufszentrum Post Exchange (PX) konnte man amerikanische Waren zu günstigen Preisen erwerben, allerdings nur mit dem US-Militärausweis, denn die Waren wurden subventioniert. Der Zutritt wurde streng kontrolliert. Heinrich Natter freute sich immer, wenn er mit Hilfe amerikanischer Bekannter das begehrte Schokoladeneis kaufen konnte. „Dieses amerikanische Eis war für uns Jugendliche etwas ganz Besonderes“, erinnert er sich.

Zum Areal der Kreuzbergkaserne gehörte neben den Versorgungs- und Freizeiteinrichtungen eine Kapelle, die vor allem von amerikanischen Soldaten und ihren Angehörigen besucht wurde. Sie ist heute als Campuskapelle bekannt.

Bald heißt es nicht mehr „Ami, go Home“

Als die US-Soldaten nach 1945 nach Deutschland kamen, bestand ein bedingungsloses Fraternisierungsverbot, Kontakte mit den besiegten Deutschen waren unerwünscht. Das änderte sich Ende der 40er Jahre mit der Verschlechterung der weltpolitischen Lage, dem Kalten Krieg zwischen dem Westen und der kommunistischen Sowjetunion. Die Amerikaner wurden zum Schutz gebraucht, so die Meinung vieler.

Im Mai 1993 wurde im Rosengarten die Tafel zur Erinnerung an das amerikanische Militär in Zweibrücken übereignet.
Im Mai 1993 wurde im Rosengarten die Tafel zur Erinnerung an das amerikanische Militär in Zweibrücken übereignet.

Die rechtlichen Grundlagen der Stationierung änderten sich: Aus Besatzern wurden allmählich Freunde, die Deutschland beschützen sollten. Der Ausruf „Ami, go Home“ verschwand allmählich bei den meisten Menschen im Westen, auch mit Hilfe massiver Werbemaßnahmen vonseiten der Amerikaner.

Gelände für Flugplatz wird beschlagnahmt

Stattdessen wurde gebaut. Zuerst gab es geheime Absprachen zwischen französischen und amerikanischen Militärs. Munitionsdepots sollten errichtet werden. Erst im Herbst 1950 wurden die Bemühungen offiziell: Amerikanisch-französische Militärkommissionen suchten in Rheinland-Pfalz geeignete Standorte für den Bau von düsenjägertauglichen Flugplätzen.

Zu den sieben ausgesuchten Standorten gehörte Zweibrücken – genauer: der Schmalenscheid in der Nähe von Rimschweiler, wo es einen Segelflug- und früheren Exerzierplatz gab. Überall wurde Gelände für die zukünftigen Flugplätze in Rheinland-Pfalz beschlagnahmt, oft war es wertvolles Ackerland. Das erzürnte die Eigentümer auch in Zweibrücken. Sie wurden danach von der Bundesregierung entschädigt.

Wichtiges Treibstofflager in Zweibrücken

Ein Bauboom setzte in Rheinland-Pfalz und vor allem in der Westpfalz ein. Am 19. September 1951 war in der RHEINPFALZ zu lesen: „Die Westpfalz ist die vermutlich größte Baustelle der Bundesrepublik.“ Eine Nachschubzone mit vielen kleineren und größeren Depots sollte im westlichen Befehlsbereich der Amerikaner eingerichtet werden. In Zweibrücken wurde ein wichtiges Treibstofflager eingerichtet.

Eine Öl-Pipeline wurde vom französischen St. Nazaire an der Loire quer durch Frankreich nach Zweibrücken verlegt. Dort wurde ein Großtanklager eingerichtet. Drei Pipelines führten in die Eifel, nach Bellheim und nach Mainz. Somit bildete Zweibrücken einen Knotenpunkt im Nato-Pipeline-System, wie Karl-Heinz Rothenberger in seinem Buch über die Amerikaner in der Pfalz und in Rheinhessen schreibt.

Als die Kanadier Zweibrücken verlassen

Noch eine wichtige Einrichtung war in Zweibrücken: Von der Kreuzbergkaserne aus wurden das englischsprachige Fernsehen und die Radioprogramme technisch betreut. Denn auf dem Kreuzberg befand sich das Computer System Command, das die technischen Computerdienste in Europa bereitstellte und betreute.

Als die Kanadier im Jahr 1969 überraschend schnell den Zweibrücker Flugplatz verließen, herrschte große Aufregung in der Stadt. Wer würde folgen? Oberbürgermeister Oskar Munzinger und Ministerpräsident Peter Altmeier wurden aktiv. Schließlich übernahm die US-Air-Force 1969 mit einem Geschwader die Air Base, den Flugplatz Zweibrücken.

Zweibrücken wird „Modellprojekt Konversion“

Die Gefühlslagen der Zweibrücker zu ihren US-Streitkräften und deren Angehörigen wechselten im Laufe der 50 Jahre mehrfach: von Ängsten über Ablehnung bis zu Akzeptanz und bei manchen sogar Begeisterung. Aus „Besatzern wurden Botschafter einer anderen Welt“ heißt es in einer Studie über GIs im Nachkriegsdeutschland von Maria Höhn. Für die Jugendlichen spielten nicht nur das amerikanische Eis, sondern auch die Musik, besonders der Jazz, die Filme und die Kleidung eine große Rolle. Die meisten von ihnen hatten nichts gegen die „Amerikanisierung“. Auch für sie bedeutete der Abzug der Amerikaner im Jahr 1993 einen Einschnitt.

Was der Abzug der Amerikaner für Zweibrücken bedeutete, formulierte Bürgermeister Jürgen Lambert: „375 deutsche Zivilbeschäftigte müssen sich einen neuen Job suchen. Rund 500 bis 1000 Vermieter verlieren ihre Mieteinnahmen, wenn die Air-Force-Familien Zweibrücken verlassen.“ Die rheinland-pfälzische Landesregierung erklärte die Stadt zum „Modellprojekt Konversion“.

Nach dem Abzug der ausländischen Truppen sollte für die wirtschaftlichen Einbußen ein Ausgleich geschaffen werden. Mittlerweile arbeiten auf dem Flugplatz mehr Menschen als zu Zeiten der Amerikaner. Der Hochschulstandort Zweibrücken, 1994 auf dem Gelände der ehemaligen Kaserne der US-Army auf dem Kreuzberg eröffnet, und das Outlet auf dem ehemaligen Flugplatzgelände sind weitere erfolgreiche Konversionsobjekte des Landes.

[Im ursprünglichen Artikel war zu lesen, die Transport- und Aufklärungsstaffeln seien bis Jahresende 1993 in Zweibrücken geblieben. Wir haben diesen Satz aufgrund enes Leserhinweises entfernt, da wir den Termin Ende 1993 nicht zweifelsfrei belegen konnten.]

x