Zweibrücken Wer zählt die Künstler, nennt die Namen

Es gibt viele Möglichkeiten, sich die Zeit zu vertreiben. Die einen werkeln im Garten, andere gehen wandern, und dann gibt es noch die Sammler. Günter Scharwath gehörte zu ihnen. Statt Briefmarken sammelte er Künstler aus dem Saarland und angrenzenden Gebieten. Daraus entstand ein Lexikon, das jetzt im Saarbrücker Geistkirch-Verlag erschienen ist.
Leider hat der Kunsthistoriker und Autor des Bandes die Fertigstellung nicht mehr erlebt. Günter Scharwath, geboren 1934 in Saarlouis, starb am Karfreitag 2017. In Zusammenarbeit mit der Witwe Helga Scharwath-Meiser hat Verleger Florian Brunner die Arbeit vollendet. 6330 bildende Künstler finden sich auf den fast 1200 Seiten des bisher einmaligen Lexikons. Natürlich sind bekannte Namen zu finden. Etwa Edgar Jené, Albert Weisgerber, Mia Münster oder Max Ophüls. Doch für die bräuchte man kein neues Buch. Interessant sind vielmehr die kreativen Menschen, die nicht ganz so populär geworden sind. Auch aus der Region Zweibrücken stammen zahlreiche Beispiele. Etwa Jürgen Rinck, dessen Kunststraßenprojekt besondere Erwähnung findet. Auch Gerda Grunder, Mitglied im Zweibrücker Kunstverein, findet sich in einem Eintrag. Überraschende Dinge gibt es auch. Etwa, dass Galerist Mathias Beck gelernter Künstler ist und eine Ausbildung zum Bildhauer im Studio Corsanini im italienischen Carrara absolviert hat. Zwei seiner Skulpturen stehen übrigens im Garten des saarländischen Landtags. Trotz des Umfangs des Lexikons darf man in der Regel keine ausführlichen Biografien erwarten. Es sind meist Informationen, die Günter Scharwath aus der saarländischen Presselandschaft entnommen und gesammelt hat. Bekannte Künstler aus der Historie werden ausführlicher behandelt. Etwa Christian von Mannlich, dem fast eine ganze Seite gewidmet ist. Andere wie der Glaskünstler Eugen Waßmann, ebenfalls Mitglied im Zweibrücker Kunstverein, werden nur mit wenigen Zeilen erwähnt. Bei den künstlerischen Ausdrucksformen bietet das Lexikon eine große Bandbreite. Natürlich sind Maler wie Hermann Theophil Juncker aus Homburg und Max Slevogt genannt. Und Bildhauer wie der Saarbrücker Paul Schneider. Hinzu kommen Fotografen, und sogar Filmemacher und Regisseure wie der Neunkircher Günter Rohrbach finden ihren Eintrag. Nicht zu vergessen Kostümkünstler wie Margarete Palz und Jochen Maas. Auch der Comic-Zeichner Bernd Kissel, durch seine gezeichneten „Saarlegenden“ bekannt, hat einen Eintrag. Einen Anspruch auf Vollständigkeit kann das „Große Künstlerlexikon der Saar-Region“ sicherlich nicht erheben, trotz der eindrucksvollen Zahl der Einträge. Wichtiges Kriterium für die Aufnahme war der Einfluss der Künstler im saarländischen Raum. Entweder durch ihre Herkunft oder durch ihr Wirken. Daher findet man nicht alle Mitglieder des Zweibrücker Kunstvereins. Auch von der Künstlergruppe Prisma gibt es nur den Eintrag von Raymond David. Und nicht alle Daten sind auf dem neuesten Stand, so wird vermeldet, dass Pirmin Roos 1927 geboren wurde, aber nicht, dass er in Contwig geboren wurde und auch nicht, dass er 2008 starb. Dennoch lohnt sich die Lektüre, findet man immer noch zahlreiche in der Region Zweibrücker bekannte Namen wie Hedda und Susanne Wilms und das Ehepaar Monika und Artur Bozem. Nicht zu vergessen Sepp Semar (1901-1971), der besonders durch seine grafische Gebrauchskunst zur Zeit des Nationalsozialismus überregionale Bekanntheit erreichte und von dem noch heute künstlerische Spuren in der Rosenstadt zu finden sind. Lesezeichen Günter Scharwath: „Das große Künstlerlexikon der Saar-Region – Biografisches Verzeichnis von Bildenden Künstlerinnen und Künstlern der Saar-Region aus allen Fachrichtungen und Zeiten“. Geistkirch-Verlag Saarbrücken 2017, 1180 Seiten, 68 Euro.