Zweibrücken
Wenn das Jahr mit einer Nahtod-Erfahrung in der Badewanne beginnt
Ich bin froh, dass ich Neujahr überlebt habe. Also buchstäblich. Als es draußen richtig kalt geworden ist, hab ich mich auf ein Bad in meiner Wanne gefreut. Ich liebe baden. Das ist was für meine Seele. Ich zünde Kerzen an, nehme ein Glas Wein mit und ein Buch. Und dummerweise, man gewöhnt sich ja so saudämlich daran, dass man immer und überall sein Handy dabei haben muss, nehme ich auch das Mobiltelefon mit und lege es hinter mir auf einen schmalen Sims. Und weil der Akku fast leer war, hab ich es an die Powerbank gehängt zum Aufladen. Es kam eine Nachricht und machte „Ping“ – ich hatte vergessen, es lautlos zu stellen. Also hab ich danach gegriffen. Ohne hinzuschauen. Ich wusste ja wo es liegt. Ich hab es komisch zu fassen bekommen – und dann ist das passiert, was man irgendwie niemandem erzählen will. Denn es ist ein Diensthandy. Wenn es kaputt geht, muss ich das melden und ein neues bestellen.
Ich hatte es mal in meiner hinteren Jeanstasche. Und als ich auf dem Klo war und dann die Hose wieder hochgezogen habe, ist es ins Klo gefallen. Es ist irgendwie eine besondere Stufe der Peinlichkeit, das dem zuständigen Kollegen zu erklären. Ein I-Phone. Für 800 Euro. Ins Klo gefallen. Man kann die Peinlichkeit noch auf die Spitze treiben. Denn ich hab das Telefon nicht weggespült. Ich musste das kaputte Gerät ja abgeben und musste es also rausholen. Also aus dem Klo rausholen. Da drängt sich ja die nächste Frage auf, aber lassen wir das.
Ein guter Tod... wäre es gewesen
Also während ich irgendwie gedankenverloren in der Wanne nach dem Gerät gegriffen hatte, ist es mir aus der Hand gerutscht und in die Wanne gefallen, mit der Powerbank dran. Ich bekam den Schreck meines Lebens und dachte: Jetzt es ist vorbei! Jetzt muss ich sterben. Aus. Ende. Irgendwo in einem Winkel meines Hirns blitzte noch auf: ein guter Tod. In der heißen Wanne, bei Kerzenschein und Wein. Also wenn man sich’s aussuchen könnte – das wäre doch nicht schlecht. Besser jetzt zum Beispiel, als wenn man vom Bus überfahren würde. Was für eine Schweinerei das wäre. Also in der Wanne, das wäre ein sauberes Ende. Dass man sowas noch denken kann, während man drauf wartet, dass einem die Lichter ausgehen.
Ich hatte ja das mit dem Föhn in meiner DNA. Wir hatten, als ich klein war, ein sehr kleines Bad. Meine Mutter föhnte sich oft die Haare, während ich in der Wanne saß. Es war so eng, dass wenn ihr aus Versehen der Föhn aus der Hand gefallen wäre, mein letztes Stündlein geschlagen hätte. Föhn und Badewanne – das hatte sich in meine kindlichen Ängste fest eingebrannt. Der sichere Tod. Ja, ich weiß. Heutzutage sagen immer alle, das würde nicht mehr passieren, weil sofort der FI-Schalter rausfliegen würde. Trotzdem schreibt das „Deutsche Kuratorium für Sicherheit in Heim und Freizeit -DSH“ auf seiner Webseite, dass sich elf Prozent aller tödlichen Stromunfälle in Deutschland in der Badewanne ereignen.
Geräte funktionieren weiter
Jetzt wäre ja wahrscheinlich das Handy alleine einfach nur kaputt gegangen. Aber die Powerbank! Die war komplett geladen. Und weil ich so panisch und hektisch wurde, hab ich mich völlig kopflos verhalten und in aufblitzender Todesangst nach den zwei Geräten gefischt und sie nicht zu fassen bekommen. Und natürlich hab ich dann gemerkt, dass ich wider Erwarten noch am Leben war. Nicht gestorben. Nicht zu den elf Prozent gehört. Puuuhhh… Der FI-Schalter hätte nicht rausfliegen können. Das Handy und die Powerbank hingen ja nicht am Stromkreislauf. Aber es war doch Strom drauf! Also Strom drin. In den Geräten. Aber nicht genug, wie ich jetzt weiß. Trotzdem. Uff.
Danach dachte ich dann, wie sich die Bewertung von Dingen verschiebt. Ein kaputtes Handy und eine kaputte Powerbank sind vergleichsweise banal, wenn man dem Tod von der Schippe gesprungen ist. Das nächste Wunder: beide Geräte funktionieren noch. Das Handy konnte ich ein paar Stunden nicht laden, weil es mir sagte, es habe Feuchtigkeit in dem Anschluss fürs Ladekabel bemerkt, die aber nach ein paar Stunden weg sein würde. Und so war’s auch. Die Powerbank war sofort wieder einsatzbereit. Wie kann das denn sein?
Irgendwie überlege ich jetzt, ob ich mein Glück irgendwie überstrapaziert habe. Und das schon am 1. Januar. Drücken Sie mir die Daumen, das Jahr ist noch lang.