Zweibrücken Weiche Melodiebögen

Beim Nachmittag der Chöre präsentierten der Chor 2000 aus Contwig, Gospel and Praise aus Mittelbach und Méli Mélodies aus Petit Réderching am Sonntag über 400 Besucher im Rosengarten einen bunten musikalischen Reigen.
Zu dem strahlenden Sonnenschein passten die weißen Blusen und türkisblauen Schals der Gäste aus Lothringen bestens. Ansteckend waren ihre gute Laune und Musizierfreude. Ein inniger und doch in sich ruhender Ausdruck und sicher gehaltene Tempi kennzeichneten die Interpretation des Liedes „Tous les enfants du monde“, bekannt als „Chiquitita“ von Abba. Subtile Nuancen ließen das Lied sehr lebendig wirken, bevor es in die beschwörende Vision eines neuen Lebens mündete. Spontanen Applaus rief auch Leonard Cohens „Halleluja“ hervor. Faszinierend waren der schöne, einheitliche Chorklang und die weichen Melodiebögen dieser emotionalen Interpretation, deren plastisch hervortretende Themen den Balladencharakter des Songs unterstrichen. Packend und souverän war dieser Vortrag nicht zuletzt durch die hörbare Freude am Singen, die der Chor unter Leitung von Bernard Filipiak an den Tag legte. Das zeichnete auch „L’oiseau et l’enfant“ aus, bei dem die erst neunjährige Justine Lang ihren großen Auftritt hatte. Für seine Gastgeber sang der französische Chor in akzentfreiem Deutsch das einzige deutsche Lied des Nachmittags, Nicoles Grand-Prix-Hit von 1982 „Ein bisschen Frieden“. Der Chor 2000 aus Contwig (Leitung: Wolf-Rüdiger Schreiweis) überzeugte nicht nur mit Rock- und Pophits, sondern unternahm auch einen Ausflug in die Welt des Musicals. Swingender Sound und ein Klang wie eine einzige Stimme zeichneten die Gestaltung von Elton Johns „Can You Feel the Love Tonight“ aus dem Broadway-Hit „König der Löwen“ aus. Sicher gehaltene Tempi und ein packender Ausdruck rissen die Zuhörer zu spontanem Applaus hin. Aber auch lateinamerikanische Rhythmen standen auf dem Programm der Sängerinnen und Sänger aus Contwig. Beschwingte Rhythmen, gleitende Melodien und ein voller, dabei aber schlank geführter Chorklang charakterisierten „Agua de Beber“ des brasilianischen Komponisten Antonio Carlos Jobim. Prägnante stockende Rhythmen in Verbindung mit einem strömenden Melodiefluss waren das Markenzeichen des Chors Gospel and Praise. Vor allem die zart-verhaltene Gestaltung des Gospels „My Promise“ berührte zutiefst durch die Eindringlichkeit des Gesangs. Wie eine einzige Stimme, ausdrucksstark und innig, sang der Chor 2000 (Leitung: Wolf-Rüdiger Schreiweis) den Song mit den Worten „till the end of time“ ausklingen. Mitreißend war das hebräische Lied „Hevenu Schalom Alechem“, bei dem Solistin Anja Pless mit ihrer klaren, vollen Stimme begeisterte. Zum Schluss trugen die Chöre gemeinsam „Mon amant de Saint Jean“ vor, wobei Schreiweis kurzerhand unter dem Schmunzeln der Zuschauer seinen französischen Kollegen hochhob, damit der die Schar der Sängerinnen und Sänger besser überblicken konnte.