Zweibrücken
Weg von Öl und Gas – stattdessen Wärme aus der Erdkruste holen
Anfang 2024 ist in Deutschland das Wärmeplanungsgesetz in Kraft getreten. Es verpflichtet die Städte und Gemeinden, sich Gedanken zu machen, wie sie es schaffen, dass ihre Einwohner künftig möglichst mit erneuerbaren Energien heizen. Dabei geht es auch darum, ob gemeinsame Lösungen wie Wärmenetze eine Möglichkeit sind. Dabei haben die Häuser selbst keine eigene Heizquelle, sondern bekommen die Wärme über Leitungen von einer zentralen Stelle geliefert. Bis 2045 müssen alle Wärmenetze klimaneutral sein – es muss dann 100 Prozent erneuerbare Energie eingeleitet werden. Ziel ist es, deutschlandweit eine „zukunftsfeste und bezahlbare Wärmeversorgung“ zu schaffen. Dafür stellt der Bund 500 Millionen Euro zur Verfügung.
„Das wird noch ganz viel Geld kosten“
Zweibrücken habe den Förderantrag bereits im Juli 2023 gestellt, „und nur Eineinvierteljahre nach Antragsstellung“, sei er bewilligt worden, teilte Oberbürgermeister (OB) Marold Wosnitza leicht ironisch am Dienstag dem Bauausschuss mit. Dadurch, dass Zweibrücken so früh dran gewesen sei, habe man „die Top-Förderung“ für die Planungskosten bekommen, freute sich der OB, der aber warnte, dass die Umsetzung teuer wird: „Das wird uns noch ganz viel Geld kosten.“
Mittlerweile sei der Auftrag an ein Planungsbüro vergeben, nun laufe die Bestandsanalyse, bei der man den Wärmebedarf und die Struktur aller Wohn-, Gewerbe- und Industriegebäude betrachte. „Alles, was Wärme macht und was Wärme braucht, wird im Vorfeld ermittelt“, erläuterte der OB. Für Ende Mai sei ein interner Auftakt mit der Stadtverwaltung und den Tochterfirmen Stadtwerke, Wärme-Service GmbH und UBZ geplant. Auch die Gewobau sei betroffen. Nach den Sommerferien sollen Workshops starten. Es folgt eine Analyse, was überhaupt möglich ist. Dann wird ein Ziel formuliert, und am Ende soll eine Strategie feststehen, die geplante Maßnahmen nennt und Fördermittel berücksichtigt. Im Frühjahr 2026 soll ein Ergebnis vorliegen.
„Zwei bis drei Millionen mit ungewissem Ausgang“
Wosnitza deutete an, dass Zweibrücken die sogenannte Geothermie ins Auge fassen könnte. Dabei wird die Wärme aus der Erdkruste genutzt. Das sei aber „ohne größere Fördermittel nicht möglich“, sagte der OB. Alleine die ersten Untersuchungen seien sehr teuer: „So ein Bohrloch kostet mal zwei bis drei Millionen.“ Und zwar „zwei bis drei Millionen mit relativ ungewissem Ausgang“, wie Bauamtsleiter Christian Michels betonte. Er ergänzte: „Warm isses do unne immer, aber es muss rentabel sein.“ Derzeit werde bundesweit untersucht, wo sich Geothermie rentieren könnte. Ulrich Schüler (FWG) war von der Idee angetan: „Ich verspreche mir sehr, sehr viel davon.“
Neben der Frage, wo die Wärme herkommt, wird es auch darum gehen, wie sie verteilt wird. Neben Wärmenetzen kommen laut dem OB auch Lösungen für einzelne Hausbesitzer in Frage. Norbert Pohlmann (Grüne) bat darum, die Hausbesitzer rechtzeitig zu informieren, wenn bei ihnen ein Wärmenetz möglich sein sollte, und sie nicht in der Luft hängen zu lassen. Thorsten Gries (SPD) hatte „etwas Bauchweh“, weil das Ergebnis bereits 2026 feststehen soll. Er befürchtete, dass man sich festlege und es später weitere Innovationen geben könnte, die die Stadt dann verpassen würde. Bauamtsleiter Michels teilte diese Sorge nicht. Die Wärmeplanung habe „mehr Empfehlungscharakter“.
Elisabeth Metzger: Sehr großer Nachholbedarf
Elisabeth Metzger (CDU) kritisierte, dass Zweibrücken bisher nicht genug getan habe, um erneuerbare Energien zu fördern: „Ich denke nicht, dass wir früh dran sind.“ Der Ausbau von PV-Anlangen gehe zu langsam, und immer noch gebe es kein Windrad auf Zweibrücker Gemarkung. Die Stadt sei lediglich beim Fördergeld schnell gewesen, aber nicht beim Ausbau. Das stritt der OB nicht ab: „Dass wir an einigen Stellen noch Nachholbedarf haben, ist klar.“ Elisabeth Metzger rief dazwischen: „Sehr großen.“