Leichtathletik
Was die Top-Athleten und Talente beim Stabhochsprung-Meeting in Zweibrücken erleben
Holger Seib war beeindruckt. Seit 1. Juli ist der 52-Jährige als Nachfolger von Thomas Deller Leiter des Schulverwaltungs- und Sportamtes in Zweibrücken. Insofern fiel das, was am Freitag (dem „Saarländertag“) auf dem Herzogplatz direkt vor dem Rathaus über die Bühne ging, in seinen Zuständigkeitsbereich. „Das ist wirklich eine tolle Sache“, sagte der aus Lambsborn stammende, mit seiner Familie in Stambach wohnende Seib zu seinem ersten Meeting „Sky’s the Limit“ des LAZ Zweibrücken in neuer Funktion.
Gleich auf zwei Anlagen wurde gesprungen. Diesmal am letzten Ferientag nicht mehr in Richtung Rathausbalkon, sondern zur Fußgängerzone hin. „So konnten wir die dreifache Anzahl an Athleten in sechs Wettkämpfen springen lassen“, erklärte LAZ-Vorsitzender Alexander Vieweg den erhöhten Aufwand beim Meeting, bei dem mit neuem Konzept vor allem die Jugend im Fokus stand.
Mancher Springer kommt direkt aus dem Urlaub
Eine davon war an dem mit 32 Grad superheißen Tag die 13-jährige LAZ-Springerin Zoe Bernhard aus Dietrichingen. Ihre übersprungenen 2,30 Meter fand die 13-jährige Tochter von VG-Bürgermeister Björn Bernhard okay, trotz ihrer Bestleistung von 2,50 Meter. Schließlich sei sie erst tags zuvor aus dem Urlaub zurückgekommen und habe daher lange nicht trainieren können, sagte die Schülerin der achten Klasse des Helmholtz-Gymnasiums.
Nachdem die Jugend tagsüber vor allem Schatten und Kühlung benötigte, suchten die Elite-Felder der Frauen und Männer am frühen Abend aus einem anderen Grund unter den Zelten Schutz: Ein heftiges Gewitter samt ergiebigem Platzregen zog über Zweibrücken, die beiden letzten Wettkämpfe des Tages verzögerten sich ein wenig. Aber der Platz und die Stege trockneten bei der schwülen Hitze schnell wieder weg, auch weil unter anderem Bundestrainer Andrei Tivontchik half, das Wasser von den beiden Anlaufbahnen zu fegen.
Unerwarteter Familienbesuch
LAZ-Springerin Tamineh Steinmeyer sagte zu den noch rund 400 bis 500 Zuschauern am Abend auf dem Herzogplatz: „Das ist richtig cool hier.“ Sie freute sich auch riesig über den unerwarteten Besuch ihrer Eltern und ihres Bruders aus dem schwäbischen Rosengarten, samt Freund, Groß- und Pateneltern aus dem Saarland. Mit ihrer Höhe 4,08 Meter (Platz vier) war die Sportstudentin dagegen nicht ganz zufrieden. „Es ist gefühlt immer dasselbe, in niedrigen Höhen arbeite ich anscheinend einfach mehr“, sagte sie dazu.
Der 21-jährige Jura-Student Jakob Legner (ebenfalls LAZ) wollte vor allem Spaß haben. Er war gerade erst leicht erkältet nach einem Seychellen-Urlaub aus dem Flugzeug gestiegen, und der Aufbau tags zuvor bei großer Hitze steckte ihm auch in den Knochen. Mit seinen 4,90 Metern konnte er daher gut leben.
Kleine Traumata durch groben Logistik-Fehler
Seine Schwester Paula und Vereinskollege Lars Urich hatten dagegen noch ein Trauma zu verarbeiten: Bei den U20-Europameisterschaften im finnischen Tampere eine Woche zuvor waren ihre Stäbe in Frankfurt liegen geblieben. Tage zwischen Hoffen und Bangen folgten, ein anstrengendes Wechselbad. „Drei Stunden vor der Qualifikation habe ich mir dann zwei Stäbe von Spaniern und einen von einem Österreicher geliehen“, berichtet der 18-jährige Haßlocher, der ab Herbst in Saarbrücken Sportwissenschaft studiert. „Sehr schade, Lars und Paula hätten es mit eigenen Stäben auf jeden Fall ins Finale geschafft und wären wohl um Medaillen mitgesprungen“, sagte LAZ-Trainer Alexander Gakstädter zu dem mehr als ärgerlichen Logistik-Fehler.
Für beide lief’s dann auch in Zweibrücken nicht so gut: Lars Urich rutschte gegen Ende einmal am Stab ab und haute ihn sich dabei ans Knie. „Ist wohl nur ein Eisbein“, sagte er, machte tapfer noch zwei weitere Versuche und beendete den Wettkampf mit übersprungenen 5,05 Meter als Sechster. „Der Anlauf war sehr schlecht“, analysierte für sich im Nachklapp.
„Dass sowas ausgerechnet beim ersten internationalen Wettkampf passieren muss ...“, sagte auch Paula Legner und schüttelte immer noch den Kopf über die U20-EM. Die 18-jährige Schülerin des Helmholtz-Schülerin lag nach dem Wettkampf (3,85 m/Platz neun) lange auf der Massage-Bank. Sie hatte vorher schon Probleme mit Rücken und Bein. „Jetzt hat es komplett reingehauen. Das ärgert mich so, weil ich mit einem guten Wettkampf aus der Saison gehen wollte“, sagte sie. Und hofft nun, dass sie den am Samstag beim Meeting in Landau abliefern kann.
Sieger Robin Emig hofft noch auf WM-Teilnahme
Vorjahressieger Robin Emig aus Frankreich gewann schließlich den Wettbewerb der Männer mit 5,70 Meter erneut, vor dem Mannheimer Louis Pröbstle (5,40 m) und dem Spanier Juan Luis Bravo (5,30 m). „Es war ein toller Wettkampf hier“, sagte der sehr motivierte, sich in guter Form wissende 24-Jährige aus Gap in den französischen Alpen, der bisher noch nicht für die Weltmeisterschaften im September in Japan qualifiziert ist. An der WM-Norm 5,82 Meter scheiterte er (Bestleistung: 5,80 m) in Zweibrücken dreimal knapp, „ich bin schon ein bisschen enttäuscht“, sagte er daher.
Schweizerin Bachmann ist gerne in Zweibrücken
Ein wenig wie ihm erging es auch der Frauen-Siegerin Lea Bachmann aus der Schweiz. Die 29-Jährige hatte gerade am vergangenen Sonntag in Düsseldorf mit 4,58 Meter eine neue Bestmarke aufgestellt. Die Juristin, die mit einem Stipendium an ihrer Promotion arbeitet und bis 2027 fertig sein will, ist öfter in Zweibrücken, zum Training mit Andrei Tivontchik. Für die Weltmeisterschaft ist sie in der Schweiz derzeit auf Nachrückposition drei, hält die Wahrscheinlichkeit aber für groß, dass sie in Japan dabei ist. „Die Höhe war da, 4,60 Meter hab’ ich drauf“, sagte die junge Frau aus Basel, für die demnächst unter anderem noch die Schweizer Meisterschaften anstehen.
In Zweibrücken war sie zum zweiten Mal zum Wettkampf und scheiterte nach 4,45 Meter knapp an 4,61 Meter. „Ich finde es toll, dass der Verein hier bei der Super-Stimmung dem Nachwuchs eine Plattform bietet“, sagte sie. LAZ-Chef Alexander Vieweg zog am Ende ein zufriedenes Fazit nach dem „Spagat“ mit dem Hauptaugenmerk auf dem Nachwuchs einerseits und dem Elitefeld andererseits (ohne ein Level für Punkte anzumelden). „Es hat gut funktioniert. Das wird auch die Herausforderung für die nächsten Jahre sein“, sagte er.