Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Warum Teenager kein Instrument mehr lernen

Walter Theisohn macht sich große Sorgen, weil die älteren Schüler wegbleiben.
Walter Theisohn macht sich große Sorgen, weil die älteren Schüler wegbleiben.

Fast 500 Schüler lernen an der Zweibrücker Musikschule ein Instrument. Das sind sogar mehr als im Jahr zuvor. Doch eine Sache bereitet dem Schulleiter nach wie vor Sorgen.

An der städtischen Musikschule wurden im vergangenen Jahr 492 Schüler unterrichtet, etwas mehr als die 475 im Jahr davor. Die sogenannte Belegzahl ist von 513 auf 554 gestiegen. Sie liegt höher als die Schülerzahl, weil manche Schüler mehrere Kurse besuchen. Die Anzahl der Lehrer bleibt bei 18. Die Zahlen seien zwar stabil, sagte Schulleiter Walter Theisohn am Donnerstag im Kulturausschuss, dennoch sei „etwas ins Wanken geraten“. Wie schon vor einem Jahr bereitet ihm große Sorge, dass die älteren Schüler wegbleiben. Die Anzahl der Schüler im Vorschul- und im Grundschulalter sei relativ hoch. Ab der fünften Klasse werde es weniger und ab 16 Jahren „dramatisch“, wie er es ausdrückte.

Konzerte wie 2019 im Rosengarten, als Ensembles der Musikschule in voller sinfonischer Besetzung Filmmusik spielten, seien „in weite, weite Ferne gerückt“, bedauert Theisohn und ergänzte: „Das ist undenkbar im Moment.“ Dabei geht es ihm nicht nur um die Musikschule, sondern auch um Orchester wie die Stadtkapelle, denen dadurch Musiker fehlten. Und um die Ausbildung an sich: „Wenn keiner Musik macht, gibt’s auch keine Musiklehrer mehr.“

Schulleiter nimmt auch Eltern in die Pflicht

Die Gründe für den Einbruch bei den Teenagern seien „sehr mannigfaltig“. Ein Grund seien die Ganztagsschulen: „Die Schüler können nicht mehr so früh raus.“ Zwar gäben Lehrer der Musikschule auch Kurse in den Schulen, aber in manchen Klassen gebe es drei Betreuungsformen. Das sei gut für die Eltern, aber „daraus eine Gruppe zu formieren, das ist sehr schwierig“. Die Eltern nahm Theisohn ebenso in die Pflicht: „Die Kinder brauchen auch Hilfe von den Eltern.“ Die sollten sie „auch mal zum Üben schieben“. An der Mannlich-Realschule werde es künftig keine Bläserklasse mehr geben, bedauert Theisohn.

In der Hitliste der beliebtesten Instrumente liegt die Gitarre mit 86 Schülern vorne – dazu kommen sechs E-Gitarren-Schüler. Es folgen Klavier (69 Schüler), Violine (57), Schlagzeug (38) und Violoncello (33). Die Musikschule bietet Unterricht in 18 weiteren Instrumenten an, darunter auch Dudelsack (8 Teilnehmer) und Ukulele (1 Teilnehmer). Sechs Schüler haben Gesangsunterricht.

x