Schlacht von Zweibrücken
Wie für die Pfalz der Zweite Weltkrieg endete
Vor ihnen lag der von einer SS-Division verteidigte Westwall. Am Abend des 14. März wurde Zweibrücken zerbombt. Unmittelbar danach begann der Angriff am Boden. Nach fünf Tagen erbitterter Kämpfe war der Widerstand gebrochen.
Am Abend des 14. März 1945 flogen britische und kanadische Bomber einen Luftangriff auf Zweibrücken. Sie legten die Stadt in Schutt und Asche. Ungefähr 200 Menschen sollen ums Leben gekommen sein. Internationale Bekanntheit erlangte Zweibrücken damals, weil die Stadt zu 85 Prozent zerstört worden und somit eine der am stärksten zerbombten Städte Deutschlands gewesen sein soll.
Diese Prozentzahl, die auf einer groben Schätzung von damals beruht, und der Mangel an historischer Forschung sorgten dafür, dass das Bombardement lange als isoliertes Ereignis gesehen wurde.
Mit Bombardement beginnt der Großangriff
Tatsächlich erfolgte der Luftangriff weder aus heiterem Himmel noch aus einer Laune heraus. Er war vielmehr Teil eines Großangriffs auf die Pfalz, der schließlich zum Durchbruch der US-Armee durch den Westwall, dann zum schnellen Einmarsch der Amerikaner in die gesamte Pfalz und damit zur Befreiung der Pfalz vom Nationalsozialismus führte.
Zweibrücken fertigte bei Dingler, Lanz und in anderen Werken kriegswichtige Produkte. Strategisch und verkehrsmäßig hatte Zweibrücken damals eine viel größere Bedeutung als heute, zum Beispiel führte die Haupteisenbahnlinie Saarbrücken-München durch Zweibrücken. Hitler hatte die Bevölkerung aus der Stadt und den Dörfern am Westwall, wie schon zu Kriegsbeginn, erneut vertreiben lassen; Zweibrücken galt für die Alliierten als frei von Zivilisten.
Die „Siegfried-Linie“ als Bollwerk
Die Bodentruppen der Alliierten rückten aus Lothringen massiv vor, aber das größte Hindernis stand noch bevor: der Westwall, ein militärisches Bollwerk aus Bunkern, Stollen, Minenfeldern und Panzersperren, das einzig dazu gebaut worden war, eine Eroberung Deutschlands von Westen her zu verhindern. Die Amerikaner nannten den Westwall „Siegfried-Linie“. Die Überwindung dieses Bollwerks hatte eine enorme psychologische Bedeutung. Wenn der Westwall die Alliierten nicht aufhalten konnte, war der Krieg verloren. Vor Zweibrücken wurde also eine der letzten Entscheidungsschlachten des Zweiten Weltkriegs geschlagen.
SS-Division massakrierte Zivilisten bei Tours
Diesen Westwall verteidigte die 17. SS-Panzergrenadier-Division „Götz von Berlichingen“. Diese Truppe gehörte zu den berüchtigtsten Einheiten der Wehrmacht. Sie beging das zweitschlimmste Massaker der Deutschen in Frankreich: In Maillé, südlich von Tours, metzelten deutsche Soldaten im August 1944 der Geschichtforschung zufolge 124 Kinder, Frauen und Männer nieder – als Rache dafür, dass Partisanen zwei deutsche Autos zerstört hatten. Mit dieser deutschen Truppe also hatten es die Amerikaner bei Zweibrücken zu tun.
Die Bombardierung der Stadt am 14. März erfolgte auch, um den Großangriff auf den Westwall vorzubereiten, der wenige Stunden später, am 15. März um 1 Uhr in der Nacht begann und erst fünf Tage später endete.
Die Schlacht war eine der brutalsten und erbittertsten, die im Zweiten Weltkrieg auf deutschem Boden an der Westfront geschlagen wurden. Die Anzahl der auf deutscher und amerikanischer Seite gefallenen Soldaten ist nie ermittelt worden. Allein für die drei Tage vor dem Fall des Westwalls meldete die SS-Division über hundert Gefallene, 300 Verwundete und 1100 Vermisste, von denen die meisten wohl auch gefallen waren. Tausende deutsche Soldaten gerieten bei Zweibrücken in Gefangenschaft oder ließen sich freiwillig gefangen nehmen.
Am 20. März war hier der Krieg vorbei
Erst mit dem Durchbruch der 3. US-Infanteriedivision durch den Westwall bei Zweibrücken war für die Amerikaner der Weg von Südwesten her ins Reich und zur raschen Niederwerfung Deutschlands frei. Am 20. März 1945 hatte die US-Division den Westwall durchbrochen und marschierte ins fast menschenleere Zweibrücken ein.
Südkreis Kusel geht kampflos an die Amerikaner
Danach ging alles ganz schnell: Die US-Division rückte zügig durchs Zweibrücker Land nach Norden und Westen vor, befreite den Süden des heutigen Kreises Kusel kampflos, eroberte am 21. und 22. März fast ohne Widerstand Pirmasens und Kaiserslautern. Zusammen mit anderen US-Einheiten, die von Norden, von Meisenheim und Rockenhausen her, und anderen, die von Westen aus dem Saargebiet in die Pfalz eindrangen, rückte sie zügig bis an den Rhein vor, dann weiter nach Franken und schließlich über München bis in die Alpen.
Bei Rohrbach gesammelt
Die angreifende 3. US-Infanteriedivision gilt in der US-Armee als ruhmreich. Sie war an der Landung der Alliierten in Nordafrika und auf Sizilien beteiligt, marschierte von Süditalien nach Norden, befreite Rom, landete im August 1944 bei St. Tropez in Südfrankreich, marschierte die Rhone hinauf, befreite dann das Elsass und fast ganz Lothringen, bis sie sich am 13. März 1945 etwa 40 Kilometer südlich von Zweibrücken nahe dem lothringischen Dörfchen Rohrbach zum Sturm auf den Westwall sammelte.