Zweibrücken
Warum Jugendliche nicht in Zweibrücken shoppen gehen
Unsere Mitarbeiterin Pauline Burger ist 19, hat Abitur in Zweibrücken gemacht und steht vorm Beginn des Studiums. Sie hat für die RHEINPFALZ mal gleichaltrige Zweibrücker befragt: Welche Bedeutung haben für Euch Outlet, Online, Innenstadt, wenn Ihr shoppen geht? In einem Punkt sind sich die Befragten schon mal einig: Die Zweibrücker Innenstadt braucht sich keine Sorgen zu machen, dass sie durch den Ausbau des Fashion Outlets Kunden verlieren könnte – die hat sie nämlich in dieser Altersgruppe sowieso kaum noch. Das Angebot an Mode ist für sie in der Fußgängerzone komplett irrelevant.
Die 19-jährige Carla Glanemann sagt: „Hier gibt es einfach nichts, was für unser Alter ansprechend ist.“ Nachfrage und Angebot finden bei der durchaus kaufkräftigen jungen Kundschaft (schon eigener Verdienst, Jobben, „Familientransfers“ summieren sich) schon lange nicht mehr zusammen. Elias Pätz aus Contwig scheut sich nicht, das klar auszusprechen. Für ihn ist die Zweibrücker Innenstand in Bezug auf das Mode- und Bekleidungssegment „eigentlich ein großer Witz“.
Shoppingtouren nach Homburg, Saarbrücken, Kaiserslautern
Wenn aber nicht in Zweibrücker (Innenstadt-) Händlerkassen, wohin fließt die Kaufkraft dann ab? Alina Vogt aus Zweibrücken erzählt, dass sie gerne in Läden wie Zara, Stradivarius, Mango und Co. einkauft, da diese Marken „eben genau meinen Stil treffen und immer viele Trends im Sortiment haben“. Dem stimmt Giovanna Lorenz zu. Sie steuert besonders gerne die Filiale von Zara in Saarbrücken an. Vielleicht überraschend: Generell ist Saarbrücken neben Kaiserslautern und Neunkirchen ein beliebtes Shoppingziel bei der Zweibrücker Jugendlichen. „Dort gibt es eine große Auswahl an Marken-Geschäften, Restaurants und sonstigen Läden“, erklärt Lara Schrath aus Homburg.
Der stationäre Handel ist also noch eine Adresse für die Teenager und jungen Erwachsenen – trotz „Generation Online 2.0“. Jugendlichen also, für die es Amazon & Co. immer schon gab. Bei den Befragten indes scheidet das Thema Online-Shopping die Geister. Für die einen ist der Online-Handel die erste Adresse, bei anderen allenfalls zweite Wahl. Lilli Brechtel, 19, bestellt am liebsten, da es „viel einfacher und bequemer ist. Außerdem muss ich mir online keine Gedanken um die Anfahrt und ums Parken machen“. Auch Jeffrey Riffel bezeichnet sich selbst als „richtiger Online-Shopper“. Für ihn ausschlaggebend ist, dass man an jedem Tag und zu jeder Uhrzeit im Internet etwas bestellen kann, was in „richtigen“ Geschäften ja nicht der Fall ist. Dass man das Ausgesuchte nicht sofort in Besitz nehmen kann, nimmt er hin.
Ganz anders die Präferenz von Salome Merten. Die Zweibrückerin bevorzugt es, vor Ort einzukaufen, zugegebenermaßen (siehe oben) aber in größeren Städten. „Ich verbinde das gerne mit anderen Aktivitäten und gucke mir dann die Stadt an“, sagt sie. Außerdem spielt für sie der Umweltaspekt beim Online-Shopping eine Rolle. Das viele Bestellen und auch Zurückschicken unpassender oder ungewollter Waren belaste die Umwelt bekanntlich erheblich. Ein Argument für sie gegen Klick & Kauf.
Luxus & Prestige: Ausbaupläne lassen kalt
Die Erweiterungspläne von Via Outlets sorgen schon mal für Gesprächsstoff bei den Zweibrücker Jugendlichen. Aber kaum für Aufregung. Das Ziel, über das Angebot von mehr Luxus- und Premium-Marken mehr Kundschaft und von weiter her nach Zweibrücken zu ziehen, lässt die Befragten kalt. Für Joel Neumann ist die Erweiterung unwichtig. „Solange da kein Laden mit guten Radsachen öffnet, ändert das für mich persönlich nichts“, meint der Zweibrücker. Fachgeschäfte mit Sortimentstiefe sind Outlets typischerweise nicht.
Andere sind der Meinung, dass sie sich die neuen Läden nach der (Wann-auch-immer-) Eröffnung mit Sicherheit auch mal anschauen werden, aber sie sich nicht vorstellen können, deswegen häufiger das Outlet aufzusuchen. Zumal, wie die 17-jährige Rebecca Knoll zu bedenken gibt: „Ich bin Schülerin, vor allem die Preise lassen da nicht wirklich riesige Shopping-Touren zu.“
Interessant: Die Befragten schätzen selbst, dass sie nur etwa jeden Monat einmal das Outlet zu besuchen. Als Zweibrücker, im Wissen um das Angebot, ganz gezielt. Und dann zu Marken, die Jugendliche adressieren: etwa Abercrombie & Fitch, Hollister, Nike. Im Umkehrschluss gilt aber: Von den insgesamt 120 Stores im Outlet spricht nur ein kleiner Teil die 16- bis 25-Jährigen an. So die Aussagen der befragten, jungen Zweibrücker.
Genug Chancen für Innenstädte – auch die Zweibrücker
Zusammengefasst ergibt sich dieser Eindruck: Umliegende Kommunen, die ob der Ausbaupläne des Outlets die Alarmglocken – oder gar das Totenglöckchen – für ihren Einzelhandel läuten, füllen ihre Kassen auch durch junge Zweibrücker Käufer, und das nicht wenig. Das mag bei Älteren nicht anders sein. Das Kaufverhalten bewegt sich keinesfalls in einer Einbahnstraße nur hin nach Zweibrücken ins Outlet, sondern Pirmasens, Homburg, Neunkirchen, größer noch Saarbrücken und Kaiserslautern, profitieren seit Jahren. Die Erweiterung des Fashion Outlets, so sie genehmigt wird, wird wohl wenig daran ändern. Wer oft und gerne das Outlet besucht, wird dies auch weiterhin tun, aber nicht aufgrund der neuen Geschäfte. Und für wen Outlet und Online-Händler nicht die erste Wahl sind, der wird sich seine Nischen vor Ort suchen. Chancen, die jetzt junge, bald aber schon bestimmende, weil immer kaufkräftigere Zielgruppe einzufangen, scheint es genug zu geben. Nicht zuletzt in der Zweibrücker Innenstadt.