Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Warum in Wattweiler nicht nur der Kerwesegen schief hängt

Der Kerwestrauß in Wattweiler gibt ein trauriges Bild ab.
Der Kerwestrauß in Wattweiler gibt ein trauriges Bild ab.

Es herrscht dicke Luft zwischen der Wattweiler Straußgenossenschaft und den eigentlich befreundeten Straußhengsten aus Hengstbach. Es geht um den Wattweiler Kerwestrauß, oder das, was davon übrig ist, und um den alten Brauch des Straußklauens.

„Do is Raach in de Kich“, hat am Sonntag bei der Wattweiler Kerwerede auf dem Sportplatz ein Zuschauer formuliert. Und

die Wattweiler Straußjugend schreibt sichtlich sauer am Sonntagmorgen in einem sozialen Netzwerk unter anderem: „Dieses Jahr haben wir keinen Strauß wegen Euch. Straußbuben stehen für Freundschaft.“ Mit dabei ein Foto eines jämmerlichen Gebildes, das aussieht, als wäre es der Kerwestrauß nach einem Taifun.

Dass die Hengstbacher Straußjugend den Wattweiler Strauß entführt und erst nach der Lösegeldzahlung von drei Kasten Bier wieder zurückgegeben hat – übrigens rechtzeitig vor der nachmittäglichen Kerwerede in Wattweiler – bestreitet diese gar nicht. Das Strauß-Entführen ist eine alte Tradition, zu der allerdings auch gehört, dass der Strauß in ordentlichem Zustand zurückgegeben wird. Und genau das werfen die Wattweiler Straußbuben und -mädchen ihren Kameraden aus dem Nachbardorf vor. Diese hätten Äste abgeknickt und Bändchen abgerissen. Und jeder, der selbst einmal in einer Straußjugend aktiv war, weiß, wieviel Arbeit das Bändcheknibbele ist.

War der Strauß bereits in schlechtem Zustand?

Die Beschuldigten aus Hengstbach reagierten ebenfalls noch am Sonntagmorgen in den sozialen Netzwerken. Ebenfalls öffentlich im selben sozialen Netzwerk. „Im Sinne dieser Traditionen war es schon immer (und wird es immer sein) gang und gäbe, ’ungesicherte’ und nicht bewachte Straußbäume mitzunehmen und gegen eine Entlohnung auszuhändigen“, schreiben die Hengstbacher Straußdiebe. Mit etwa einem Dutzend Leute seien die Hengstbacher auf der Wattweiler Kerwe gewesen, hätten friedlich und feuchtfröhlich gefeiert und den Baum mitgenommen. Ebenfalls sei ein Zettel hinterlassen, dass falls etwas kaputt gegangen sein sollte, der Schaden übernommen wird. Aber: „Bereits beim Vorfinden des Kerbebaums der Wattweiler Straußgenossenschaft konnte nicht von einem guten Zustand gesprochen werden“, behaupten jetzt die Hengstbacher und belegen dies mit einem eigenen Foto, auf dem jener Baum ziemlich mitgenommen aussieht.

Die „Diebe“ betonen, dass sie noch nie Straußbäume gestohlen und dann zerstört haben. „Das entspricht nicht der Tradition“, schreiben die Hengstbacher, und kritisieren ihrerseits, dass gegenseitige Kerwebesuche von Wattweiler Seite nicht immer wahrgenommen wurden. Doch es sei nicht die Intention gewesen, dass Unmut aufkommt, die Strauß-Freundschaft sollte nicht verletzt oder gebrochen werden, finden die Hengstbacher Worte der Entschuldigung.

Hengstbacher Friedensangebot wird nicht angenommen

Laut der Fahrerin des Hengstbacher Fluchtautos sei sogar angeboten worden, rechtzeitig vor der Kerwerede am Sonntag mit eigenen Bändchen nach Wattweiler zu kommen und zu helfen, den Strauß schick zu machen. „Aber die Wattweiler Straußjugend wollte das nicht. Wir haben definitiv nichts kaputt gemacht. Der Strauß war nass, stand im Regen. Der wurde nur einmal ins Auto geladen und wieder raus. Natürlich fallen dabei mal zwei, drei Bändchen ab. Hätte der Baum mehr Bändchen gehabt, wäre das auch gar nicht aufgefallen“, sagt Nadja Vonknechten, die bei den Hengstbacher Straußbuben aktiv ist. Eine Einigung gab es bislang nicht: „Die verstehen einfach keinen Spaß“, so die Hengstbacherin.

Ein ziemlich zerrupfter Strauß hängt jedenfalls derzeit am Wattweiler Sportheim. Es ist der vom Vorjahr, der jetzt noch ein weiteres Jahr hängen bleibt. Der starke Regen am Sonntag hat jedoch sein Übriges getan und auch die letzten unversehrten farbigen Papierbänder hinfortgespült und zerrissen. Eine Kerwerede gab es am Sonntag auch noch, und zwar auf dem Sportplatz in Wattweiler bei strömendem Regen. Die Hengstbacher Straußbuben waren zwar nicht da, aber die aus Ernstweiler, die zum ersten mal mit einem gemieteten Bus auf Werbetour waren. Nur rund 60 Zuhörer verfolgten unter Regenschirmen, was Pascal Feß und Thomas Loch in ihrer Kerwerede verlasen. Unterstützt wurden sie von vier Straußbuben und sechs Straußmädchen sowie von den rund 15 Musikern der Pfälzer Rhythmusfetzer aus Steinwenden.

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