Zweibrücken / Saarbrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Warum Frank Nimsgern froh ist, wenn er mal keine Musik hören muss

Frank Nimsgern arbeitet an drei neuen Shows. Zu einer darf er noch gar nichts verraten, nicht mal den Titel.
Frank Nimsgern arbeitet an drei neuen Shows. Zu einer darf er noch gar nichts verraten, nicht mal den Titel.

Eigentlich hätte Frank Nimsgern am dritten Advent gleich zwei ausverkaufte Konzerte in der Festhalle gegeben. Daraus wird nun nichts, weil der Novemberlockdown verlängert wurde. Nicht nur deshalb nimmt ein schon vorher vereinbartes RHEINPFALZ-Telefonat mit dem Komponisten einen anderen Verlauf, als ursprünglich geplant.

Die RHEINPFALZ erreicht Frank Nimsgern in München. Eigentlich will unsere Zeitung mit dem Musical-Komponisten über unsere Reihe „Kultur zu Hause“ sprechen. Aber der Vielbeschäftigte kommt im Moment gar nicht dazu, sich andere Musik anzuhören. Geschweige denn, Fernsehen zu schauen oder ein Buch zu lesen.

„Ich höre meine eigene Musik. Weil ich das muss. Ich habe glücklicherweise vor Corona Verträge für neue Stücke gemacht. Die müssen alle geschrieben werden. Während ich die ganze Zeit meine eigene Musik schreibe und arrangiere, bin ich froh, wenn ich überhaupt keine Musik höre. Weil ich das Ohr schonen möchte. Das Ohr ist ja letztendlich mein Kapital. Wenn ich jetzt zum Beispiel Auto fahre, muss ich meistens das ganze Material, das ich komponiert habe, abhören. Ich habe zum Beispiel einen Song, von dem habe ich neun Versionen geschrieben. Das dauert dann alleine schon 40 Minuten, bis ich entschieden habe, wir nehmen jetzt diese Version.“ Immerhin bietet Corona in diesem Zusammenhang einen Vorteil: „Man hat Zeit, das Beste auszuwählen.“

2021 und 2022 sollen planmäßig drei neue Werke auf deutschen Bühnen veröffentlicht werden. „Dann ist ganz Deutschland mit Nimsgern verseucht oder beglückt. Das muss jeder selbst für sich entscheiden“, sagt der Musikautor schmunzelnd.

Danach blickt der Komponist ernsthaft auf die Zukunft der Bühnen. „Ich glaube einfach, dass die Leute erst Ende 2021 wieder so richtig in die Theater gehen. Wegen der Pandemie mit ihren Auswirkungen und der Angst der Menschen.“

Eine 80er-Jahre-Show angelehnt an George Michael

Das bedeutet ja eigentlich, dass Nimsgern für das ganze Jahr 2021 nicht an größere Veranstaltungen glaubt. „Doch. Ich habe eine 80er-Jahre-Show geschrieben. Die heißt ,Freedom’. Sie ist dem Leben von George Michael nachempfunden. Die Show für das Theater in Pforzheim wurde jetzt schon zweimal wegen Corona verschoben. Ich denke, die kommt jetzt im kommenden März oder April raus. Oder im Mai.“

Dann kommt Nimsgern auf die Maßnahmen zur Eindämmung der Coronapandemie zu sprechen, die die Kultur seit Monaten ertragen muss. Die ständige Unsicherheit darüber, wann Bühnen endlich wieder spielen dürfen, verunsichere Künstler. Nicht nur wegen der Geldsorgen. Nimsgern beklagt in diesem Zusammenhang, dass die Theater und deren Intendanten wie Kindergärten behandelt würden. „Die kriegen gesagt ,Ihr dürft jetzt spielen, und jetzt dürft ihr das nicht’. Das ist respektlos den Künstlern gegenüber. Weil wir nicht wirklich was planen können. Ich kenne ein Theater, das probte vier Wochen das Musical ,Chicago’. Und dann wird gesagt, jetzt ist wieder Lockdown. Das ist für Künstler absolut demotivierend. Ihre ganze Energie geht flöten. Das ist die Gefahr für unsere Szene. Dass wir so langsam den Mut verlieren.“

2022 ist die Premiere von „Jack the Ripper“

Trotzdem schreibt und arbeitet Nimsgern unbeirrt weiter. Nicht nur an „Freedom“ für das Theater in Pforzheim. Eine weitere Premiere, „Jack The Ripper“, ist für den 7. Mai 2022 am Theater in Hof bei Bayreuth geplant. „Zum dritten Stück darf ich noch nichts sagen. Da ist das Datum der Premiere noch nicht klar. Und solange ich da noch kein Uraufführungsdatum habe, darf ich den Titel noch nicht veröffentlichen.“

Trotzdem endet das Jahr 2020 für Nimsgern erneut mit einer enttäuschenden Nachricht. Zwar sind seine nahezu ausverkauften Shows in der Festhalle am zweiten Advent zum Zeitpunkt des Telefonats noch nicht offiziell abgesagt. Aber wer ging zuletzt schon realistisch davon aus, dass man in Zweibrücken „Christmas on the Rocks“ wie geplant vorweihnachtlich erleben wird?

Weihnachtskonzert in Zweibrücken nachholen

„Ich habe schon einen Ausweichtermin ins Auge gefasst, damit wir die Konzerte nachholen können. Wir halten unser Wort und versuchen das durchzusetzen. Der Lockdown für die Theater- und Konzertbranche steht aber in keinem Verhältnis zu dem, was sonst passiert. Wenn man sieht, dass die Flugzeuge und Züge voll sind. Die Kindergärten sind voll. Die Schulen sind voll. Und wir müssen unter höchsten hygienischen Maßnahmen kontrolliert Konzerte veranstalten. Und bis dato ist kein Infektionsrisiko in Theatern und Konzerten nachgewiesen. Ich halte die Schließungen für übertrieben, Wobei ich immer sage, ich nehme das Virus sehr ernst. Ich versuche, meine Kontakte so gut wie möglich zu beschränken. Das hat absolute Priorität. Auf der anderen Seite sind Kultur, Konzerte und Musik auch Therapie für die Seele und können auch zur Gesundheit beitragen. Ich finde absolut verheerend, was da passiert mit unserer Zunft. Ich kenne so viele Künstler und Sänger, die in Hartz IV gefallen sind.“

Diese Sorgen kann der Saarbrücker für sich immerhin verdrängen. „Wegen meiner Verträge kann ich viele Sachen arrangieren und vorbereiten, sodass ich nicht dauernd daran klebe, dass Konzerte abgesagt sind.“ 50 Konzerte waren für das Jahr 2020 geplant. Drei fanden statt. Solidaritätskonzerte.

Aber wird das verschobene Zweibrücker Konzert überhaupt noch ein Weihnachtskonzert? Nimsgern lacht und antwortet: „Ich habe ja ein paar Arrangements für Weihnachtslieder geschrieben. Die werden wir auch zum Besten geben. Nur den Weihnachtsbaum in der Festhalle wird es nicht geben.“

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