Zweibrücken
Warum die Stadt Zweibrücken ein säumiger Schuldner ist
Eine „unfassbare Situation“ musste Monika Urbatsch, die Chefin der Zweibrücker Kämmerei, am Mittwochabend vor dem Stadtrat einräumen. Zwischenzeitlich habe die Verwaltung seit der Vorweihnachtszeit „zirka 1600 Rechnungen auf Halde“ liegen gehabt. Inzwischen habe man diesen Stapel immerhin auf 950 unbearbeitete Forderungen verkleinern können. Urbatsch hofft, dass die Stadtkasse bis Ende kommender Woche „wieder zu einer normalen Situation“ zurückkehrt.
Ursache des Problems sei die Umstellung der EDV, mit der die Stadt ihr Rechnungswesen führt. Im Dezember, so Urbatsch, sei im Rathaus die Computersoftware eines anderen Anbieters aufgespielt worden. Rechnungen, die die Stadt vor dem 18. Dezember erreichten, habe man noch über das alte System begleichen können. „Und in den Tagen, an denen die Verwaltung wegen Weihnachten geschlossen war, haben wir uns bemüht, noch möglichst viele weitere Rechnungen mit der bisherigen Methode abzuarbeiten.“
Zusätzliches Personal aus anderen Abteilungen
Das Zeitfenster beim Übergang zwischen den beiden Programmen, so Urbatsch, sei „sehr unglücklich“ gewesen. „Auch ich bin entsetzt.“ Die letzten Teile der neuen Software seien erst in der zweiten Kalenderwoche des neuen Jahres aufgespielt worden.
Bürgermeister Christian Gauf, Zweibrückens Finanzdezernent, beteuerte, die Stadt wolle jetzt nicht nur ihre Gläubiger „besänftigen, sondern die ausstehenden Rechnungen aus Dezember und Januar vorziehen und forciert aufarbeiten“. Die Verwaltung habe eigens drei Mitarbeiter aus anderen Abteilungen des Rathauses abgezogen, um mitzuhelfen, die Forderungen zu erfassen und „auf den Weg zu bringen“. Bis Ende kommender Woche, versprach Monika Urbatsch, würden die Rechnungen „zügig weiter abgearbeitet“. Die Schulung der Rathausmitarbeiter am neuen System mache „gute Fortschritte“.
CDU-Stadtrat und Schreinermeister Thomas Eckerlein fragte, warum man die Rechnungen nicht einfach abfotografiert und dann bezahlt habe. „So einfach geht es leider nicht“, bedauerte Urbatsch: „Jede Rechnung muss eingehend auf ihre sachliche Richtigkeit geprüft werden. Dazu sind wir gesetzlich verpflichtet. Wenn die dabei eingesetzte EDV funktioniert, geht das ganz schnell. Im vorliegenden Fall war’s eben leider nicht so.“
Auf die Stadt kommen Mahnungen zu
Stéphane Moulin (SPD) hatte das Problem im Stadtrat zur Sprache gebracht. Seine Frage, welche Kosten durch Mahngebühren, Verzugszinsen oder entgangenes Skonto jetzt noch zusätzlich auf die Stadtkasse zukommen, vermochte die Kämmerin nicht zu beantworten. „Das können wir noch nicht sagen. Es kann sein, dass da noch einige Mahnungen nachkommen.“ Moulin warnte davor, dass einige Firmen, die städtische Aufträge erledigt haben, wegen ihrer Außenstände in existenzielle Nöte geraten könnten. „Wir versuchen, besondere Problemfälle bevorzugt zu bearbeiten“, sagte Christian Gauf zu diesem Thema. „Auch ich hätte mir den Ablauf dieses Verfahrens flüssiger gewünscht. Aber wir sind dran. Das ist eine Riesenaufgabe.“