Handball
Warum der Geschmackssinn SV 64-Spieler Philipp Hammann manchmal irritiert
Leer, so beschreibt Philipp Hammann, wie er und viele seiner Mitspieler sich nach der Niederlage zuletzt bei der TGS Pforzheim gefühlt hätten. Und der nächste Brocken wartet schon: Am Samstag gastiert der TuS Dansenberg beim SV 64 Zweibrücken (18 Uhr, Westpfalzhalle). „Es war dieses Gefühl, die bessere Mannschaft gewesen zu sein, geführt zu haben, und dann ohne Zähler dazustehen“, beschreibt Hammann die bitteren Momente nach dem Abpfiff in Pforzheim. Nie habe er das Gefühl gehabt, „dass wir dieses Spiel verlieren“. Es kam anders. Verbunden mit Ärger auf die Referees. „Wir haben am Montag im Training einen Satz darüber verloren. Der besagte schlicht, dass wir es abhaken müssen“, sagt SV-Trainer Stefan Bullacher. Dann wurde gekickt, „und seither schauen wir nach vorne“, sind sich Trainer und Kapitän einig.
Übers Aufhören nachgedacht
Nach vorne schauen, ist für Philipp Hammann ohnehin wichtig. Er verbindet es mit der Hoffnung, wieder der leistungsfähige Akteur auf dem Spielfeld zu werden, der er bis zu seiner Corona-Infektion im Oktober 2020 war. Der Glaube ist da, auch beim Verein. Hammann hat seinen Vertrag um zwei Jahre verlängert. „Ich will unbedingt Handball spielen, will Dritte Liga spielen, aber zum ersten Mal in meinem Leben habe ich vor der Vertragsverlängerung ernsthaft über das Thema Aufhören nachgedacht“, bekennt er. Das Vertrauen von Vereinsseite habe ihm aber Mut gemacht, sagt der Rechtsaußen.
Er arbeitet seit dem Ende seines Maschinenbaustudiums im Sommer als Vertriebsingenieur bei der TLT Turbo GmbH. „Im Moment überwiegend im Homeoffice“, erzählt Hammann. Eine Folge von Corona. Eine andere betrifft den Sportler Hammann. Sein Leistungsvermögen auf dem Handballfeld ist seit seiner Corona-Erkrankung beeinträchtigt. Long Covid, Spätfolgen der Corona-Erkrankung, machen sich bei ihm vor allem im Leistungssport bemerkbar.
Durchgecheckt, aber er fühlt sich nicht richtig fit
Schwierig sei, „dass es dafür keine Beweise gibt“, sagt Hammann. Aber auch keine andere Erklärung. Alles begann mit der Corona-Erkrankung 2020. Er war der Erste beim SV 64, der sich infizierte. Top-fit zum damaligen Zeitpunkt. Eine Impfmöglichkeit gab es noch nicht, und über das Virus wusste man viel weniger als heute. Hammann hatte einen leichten Verlauf. „Wie eine Erkältung“, sagt er. Unterschied: drei Wochen keinen Geruchs- und Geschmackssinn. Das einzige, was ihn im normalen Leben jetzt noch daran erinnert: „Manchmal irritieren mich Geschmäcker, und seit der Erkrankung vertrage ich den Geruch von rohen Zwiebeln nicht mehr“, erzählt er.
Ansonsten ist alles in Ordnung. Fast. Denn im Leistungssport kämpft er mit nicht erklärbaren Einschränkungen. Nicht richtig fit, so fühle er sich, wenn er spiele und trainiere. Er habe alles durchchecken lassen. Lungenfunktion, EKG – „nichts, ich bin kerngesund“, erklärt er. Natürlich sei ihm gesagt worden, dass er zu viele Pfunde auf den Rippen habe für einen Leistungshandballer. „Das stimmt auch. Aber das war schon immer so. Das kann nicht der Grund sein. Ich habe immer Leistung gebracht, meine Tore gemacht“, sagt er. Dass es nach der Saisonunterbrechung im Liga-Pokal nicht richtig lief, dass er sich dort schon kaputt gefühlt habe, sei komisch gewesen. Aber weil er durchgecheckt und gesund war, habe er sich nicht viele Gedanken gemacht. „Spätestens in der Vorbereitung hätte ich dann richtig fit werden müssen“, erzählt er. Wurde er aber nicht. Er habe überlegt, ob es mit dem Alter zu tun hat. Am 1. März wird er 27 Jahre. „Kann auch nicht sein“, findet er.
Dansenberger Gäste kommen mit neuem Trainer
Die Saison verlief für ihn persönlich bisher schwierig. Nicht mehr in der Startformation zu stehen, weil die Leistung nicht stimmt – „das kann ich als Mannschaftsspieler akzeptieren, es geht zu 100 Prozent in Ordnung. Ich freue mich auch für den Teamkollegen. Aber ich spiele Handball, weil ich spielen will“, sagt er. Sein Körper streikt irgendwie. Sein persönlicher Tiefpunkt: das Spiel in Großsachsen Ende Oktober. Er wurde eingewechselt. „Ich bin ja nicht Kapitän, weil ich mich mit Bulli gut verstehe. Ich bin Kapitän, weil ich Vorbild sein will, für die Mannschaft etwas bewegen will.“ Drei glasklare Chancen ließ er da allerdings liegen, der SV 64 verlor. „Ich habe danach in der Kabine gesessen und erst mal geweint“, bekennt er.
Weil ihm körperlich nichts fehlt, „ist es schwierig zu sagen, ich setze da oder da an, um etwas zu ändern“, meint er. Natürlich frage er sich, ob er nach der Infektion zu früh mit Handball begonnen habe. Medizinisch war das damals kein Thema. Er wird alles tun, damit die Zuschauer den Namen des SV-Torschützen Philipp wieder öfter mit dem langgezogenen „Haaaammann“ vollenden können.
Gegen Dansenberg sind nur die SV-Dauerkarten-Inhaber zugelassen. Ein Top-Gegner, da sind sich Coach und Kapitän einig. Der kommt mit neuem Trainer: Kai Christmann, dessen Mission am Saisonende sowieso geendet hätte, hat sein Amt zur Verfügung gestellt, Marco Sliwa hat übernommen.