Althornbach
Warum Chorleiterin Julia Neumann Proben im Internet für Quatsch hält
Es gibt Chorleiter, die für Chorproben auf Online-Konferenzen ausweichen. Das war für Julia Neumann keine Lösung: „Es ist aber dann so, dass den Chorleiter niemand hört. Ich habe bei solchen Proben nicht die Möglichkeit, meinen Chor zu verbessern. Da war es mir lieber, etwas anderes zu machen. Wie unser Videoprojekt.“
Dass Zoom oder andere virtuelle Probemöglichkeiten Chören eine neue Zukunft eröffnen, hält Neumann für Quatsch: „Ein Chor ist etwas Analoges.“ Chöre lebten vom menschlichen Miteinander. Neumann ärgert sich, dass man Chöre mit Blick auf die Möglichkeiten des Internets über Probenverbote hinwegtrösten wollte: „Da wird immer wieder gesagt, wir haben doch eine Möglichkeit zu proben. Ich antworte: Nein, das haben wir einfach nicht.“
Ein anderes Problem hat Neumann schon im Vorjahres-Sommer ausgemacht. „Wir durften proben, weil unser Raum groß genug war. Aber dann sitzt du da während der ersten Proben mit fünf Leuten. Weil drei Monate lang keine Probe mehr war. Die Leute sind es jetzt einfach nicht mehr gewohnt, am Freitagabend zu ihrer Probe zu gehen.“ Corona habe den Chören und den Sängern enorm geschadet, weil die Pandemie die Menschen aus ihrem Alltag gerissen habe.
Zwar sind seit Freitag neue Regeln in Kraft, und größere Gruppen dürfen auch in geschlossenen Räumen proben, aber wer nicht vollständig geimpft oder genesen ist, muss einen aktuellen negativen Corona-Test mitbringen. Da stellt Neumann sich die Frage, wer sich am Nachmittag zuvor diesem Aufwand unterzieht.
Sie hält das auch nicht für notwendig: „Wir haben in Althornbach genügend Abstand zu einander. Und es ist auch im Sommer nichts schiefgegangen. Und sind wir mal ehrlich: Es waren nicht die Chöre, die die Krankheit verbreitet haben. Da habe ich kein Verständnis, wenn wir jetzt nicht wie im vergangenen Sommer weiter ohne Test proben dürfen.“
