Zweibrücken Walken ist wie wandern

Lasen im Contwiger Rathaus (von links): Andrea Schnepp, Yvonne Gambert und Nadine Lang.
Lasen im Contwiger Rathaus (von links): Andrea Schnepp, Yvonne Gambert und Nadine Lang.

Wenn Andrea Schnepp, Yvonne Gambert und Nadine Lang ihre drei Landfrauen lebendig werden lassen, lassen sich das viele nicht zweimal sagen: In der Gemeindebücherei Contwig lauschten 70 Besucher am Freitag den witzigen Geschichten um Christa, Biggi und Dörte. In Mundart vorgetragen, sorgte Wortspiel mit seinen Texten für einen vergnüglichen Abend.

„Im Januar nächsten Jahres sind wir seit sechs Jahren als Schreibgruppe Wortspiel zusammen“, erzählt Nadine Lang. Das Trio, das seit fünf Jahren in der Gemeindebücherei Contwig liest, hat sich eine Fangemeinde aufgebaut. „Zuerst haben wir alles Mögliche geschrieben, mal was über Bauern, mal was Zwischenmenschliches.“ Vor drei Jahren hat das Trio die drei Landfrauen erfunden. Vor der eigentlichen Geschichte lesen Lang, Schnepp und Gambert kurze Sketche, die sie Anfang des Jahres bei SR3 eingesprochen haben. Bei ihren Treffen tauschen die drei Freundinnen Neuigkeiten aus. Diesmal ist das Thema eine Blondine: „Sagemol, han ihr das mit dieser Sophia Wollersheim gehert?“, liest Yvonne Gambert alias Biggi. Sie ist die coolste der Drei und nie um einen lässigen Spruch verlegen: „Die hat sich die Rippe rausnemme losse!“ Dörte, gelesen von Nadine Lang, ist entsetzt: „Die hat doch ein völlig gestörtes Energiefeld!“, meint sie. Die Öko-angehauchte Freundin sorgt auf dem Weg zu ihrem gemeinsamen Wellnessurlaub – die eigentliche Geschichte – für den Trubel. Um sich den Urlaub zu verdienen, haben die Drei im Buch „Kaffee, Sekt und Kräutertee“ selbstgebastelte Kunstwerke verkauft. „Nur Dörte hatte mit ihrem Räucherstäbchenverkauf nicht gerade Erfolg“, erinnert Lang an das Buch vom Vorjahr. Daran knüpft der Wellnessurlaub an – ihr sauer verdientes Geld wollen Christa, Biggi und Dörte jetzt in Massagen und Saunagänge verwandeln. Aber sie wären nicht die drei Freundinnen, wenn auf dem Weg zum Wellness-Tempel nicht so einiges schiefgehen würde. Dörte besteht darauf, den Weg zum Hotel zu laufen. Biggi holt ihre Trekkingstöcke raus. „Die hab ich bei Aldi gekauft!“, verkündet sie stolz. Die perfekte Hausfrau Christa kann damit wenig anfangen. „Die benutzt du zum Walken – das ist fast wie wandern“, erklärt Biggi ihr. Im Gegensatz zu der perfekt ausgestatteten Biggi, hat sich Christa die Wanderschuhe von ihrem Mann geliehen. „Mit schön dicken Wollsocken drin!“ Dörte kann nicht an sich halten: „Bei Buddha!“, ruft sie. „Wir sollten Yoga machen. Ich habe da letztens eine Figur gesehen: der kraftvolle Wanderer!“ Viele Lacher begleiten die Drei beim Lesen. Stellenweise müssen die Autorinnen selbst über ihre Charaktere lachen. Am Ende erreichen sie nicht das Hotel, sondern landen auf einem Schlachthof. Was sie sich auch vornehmen: Christa, Biggi und Dörte haben inzwischen Kultcharakter, und ihre Schöpferinnen schaffen es immer wieder, mit den Charakteren ihre Zuhörer zu begeistern. Während bei ihren Kurzgeschichten die Gags Schlag auf Schlag folgen, ist die Fahrt zum Wellnessurlaub eine Geschichte, aus der bald ein Buch werden könnte. „So ein Buch erfordert eine Menge Zeit“, weiß Lang. „Aber wir sind zuversichtlich, dass es dieses Jahrzehnt noch fertig wird!“ Für Essen und Getränke hat Heidrun Hiller, die Leiterin der Gemeindebücherei, gesorgt. Dabei kann man sich nach der Lesung austauschen. Vorzugsweise über die gelungene Lesung: „Ich finde die Geschichten der Drei immer absolut witzig“, meint eine Zuhörerin.

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