Eishockey
Vom Lehramtstudium aufs Eis nach Zweibrücken: Adam Spurny startet bei den „Hornets“ durch
Adam Spurny lacht. „So sehe ich normal nicht aus“, sagt der Verteidiger des EHC Zweibrücken in der Baden-Württemberg-Liga beim Fototermin ohne Eishockey-Montur. Im „Movember“ trägt er gerade Schnurrbart, um im Monat November auf die Männergesundheit aufmerksam zu machen. Sonst ziert den Tschechen nämlich eher ein Vollbart.
Am Sonntag (18.30 Uhr, Ice-Arena) trifft Adam Spurny mit seinen „Hornets“ auf den ESC Hügelsheim – und freut sich nach drei Auswärtspartien riesig auf das Heimspiel. „Ich liebe es, wenn wir zu Hause spielen. Unsere Zuschauer sind super“, hat sich der 22-Jährige längst in die Zweibrücker Eishalle verliebt. Seit 1. September ist Spurny erst beim EHC. Woher kommt es, dass er so prima deutsch spricht? „Ich hatte das in der Schule und habe meiner Mutter oft in Füssen besucht, als sie dort mal gearbeitet hat. Und in der Saison 2020/21 hab’ ich dann auch in der U20 für den EV Füssen gespielt“, berichtet der junge Mann.
Nach dem Studium in die weite Welt hinaus
In der vergangenen Spielzeit stand der in Prag geborene Spurny noch für den tschechischen Drittligisten HC Koprivnice auf dem Eis. Auch weil er gerade seinen Bachelor-Abschluss als Lehrer für die Fächer Erdkunde und Sport an Gymnasien machte. Den hat er inzwischen in der Tasche – und wollte vor dem weiteren Studium die Zeit nutzen „irgendwohin in die weite Welt zu gehen, Neues zu suchen und neue Menschen kennenzulernen“.
Weil sein Onkel Pavel Mojtek, der ihn maßgeblich auf die Eishockeyschiene gesetzt und unterstützt hatte, mal mit dem früheren EHC-Spieler Vladimir Zvonik zusammen auf dem Eis gestanden hatte, war der Weg nach Zweibrücken irgendwie ganz kurz. Und der aus Frydek-Mistek stammende Spurny fragte gleich mal noch seinen Kumpel Alex Kotasek, der gerade in Island spielte: „Willst du nicht auch mitkommen?“
Zusammen mit Kotasek in Dietrichingen gelandet
Kotasek wollte. Die beiden hatten früher in der Jugend in Tschechien mit zwölf, 13 Jahren zusammengespielt, standen sich später als Aktive auch mal auf dem Eis gegenüber. Nun wohnen sie gemeinsam in einer WG in Dietrichingen. „Das erste Mal so richtig alleine auf mich gestellt“, verdeutlicht Spurny. Das Kochen teilen sie sich „etwa halbe-halbe“. Samstags gönnen sie sich als kleines Ritual immer ein Mittagessen beim Chinesen. Daneben wollen sie sich – neben ihrem eigenen Eishockey – hier vor allem viel Sport anschauen. Am liebsten Eishockey in Mannheim, Fußball eigentlich egal wo.
Wobei die Zeit ein limitierender Faktor ist: Denn acht Stunden täglich arbeitet Adam Spurny in der Eishalle, macht mit der Maschine frisches Eis und auch „sonst alles, was anfällt“. Das Gewöhnen an einen vollen Arbeitstag war nach der Studienzeit zu Beginn anstrengend, gibt er zu. „Aber jetzt ist es schon Routine“, sagt er. Daneben hilft er noch Trainer Tomas Vodicka im Training der U13/U15-Jugend der „Hornets“ bei den Übungen und dem Eishockey-Nachwuchs mit vielen Tipps.
Spurny ist ein körperlich starker Verteidiger
„Die Jungs sind super zu mir und Alex“, fühlt sich Adam Spurny in Zweibrücken gut aufgehoben. Früher hat er mal als Stürmer, mal als Verteidiger gespielt, beim EHC wird er in der Defensive eingesetzt. Zunächst in der Reihe mit Matthew Genest-Schön, inzwischen mit Sascha Göth. „Klappt beides gut“, stellt er fest. Sein Trainer Ralf Wolf attestiert dem 1,88 Meter großen und 87 Kilogramm schweren Spieler ein körperlich starker Verteidiger und ein richtiger Fighter mit Winner-Mentalität zu sein.
Letzteres ist am Sonntag gegen die „Baden Rhinos“ nach den beiden Niederlagen in Reutlingen und Heilbronn wieder stark gefragt. „Lieber jetzt die Fehler als in den Play-offs“, sagt Adam Spurny trocken. „Wir haben da gesehen, was wir verbessern müssen, und wo wir nach Weihnachten Gas geben müssen.“ Beim guten Saisonstart hätte sein Team aggressiver gespielt, viel häufiger aufs Tor geschossen und auf dem Eis auch besser kommuniziert. Vor dem Spiel gegen Hügelsheim schaut er sich, wie immer, keine Statistiken des Gegners an. „Das ist mir egal. Es muss in den 60 Minuten auf dem Eis funktionieren“, weiß er.