Handball
Vierköpfige Techniker-Crew des SV 64 Zweibrücken bringt Spiele live ins Internet
Damit die Fans mit ihrem SV 64 mitfiebern können, sind neben Köhler „Handball-Veteran“ Jürgen Stalter, wie Köhler seinen Fachberater am zweiten Mikrofon nennt, Stefan Krug, der die Technik verwaltet und beherrscht, und Youngster Jan Gräber an der Kamera im Einsatz. „Da geht der Puls schon hoch“, gesteht Stefan Krug, Lampenfieber durchaus zu kennen. Der Zweibrücker ist der technische Koordinator, hat Regler und Knöpfe im Blick und muss diese zur richtigen Zeit drücken oder ziehen. „Ich war jahrelang Zeitnehmer in der Oberliga“, sagt Krug schmunzelnd zu einer wichtigen Voraussetzung für seinen Job.
Der Puls steigt bis zum Anpfiff
Noch können die Informationen, die vom Zeitnehmertisch an den Liveticker weitergeleitet werden, nicht in die TV-Übertragung integriert werden. „Eine meiner Aufgaben ist es, Spielstand, Zeit, Strafen, all diese Informationen zu aktualisieren“, erklärt Krug. Der Software-Techniker hat von den Ausflügen der SV-Fahrradgruppe schon mal Videos zusammengeschnitten, sie mit Musik unterlegt. „Da dachte wohl einer, der kann das“, verrät Krug augenzwinkernd, wie er zu seinem Nebenjob kam.
Die Technik für die Übertragungen der Heimspiele stellt weitgehend Sportdeutschland.TV. Es gibt, falls benötigt, technische Hilfe während der Übertragung. „Das funktioniert super“, lobt Krug die Zusammenarbeit. So professionell wie möglich zu übertragen „ist der Anspruch, den wir an uns selbst stellen“, da sind sich die vier „SV-Techniker“ einig. Es gibt viele Ideen. Ans neue Mischpult ließen sich theoretisch bis zu vier Kameras anschließen. „Wir wollen noch besser werden, was die Einspieler anbelangt. Dazu muss der Trainings- und Spielbetrieb bei der Jugend wieder starten“, schaut Krug voraus.
Die Bilder, die Krug am Mischpult verarbeitet, fängt Jan Gräber mit der Kamera ein. Der 16-Jährige aus Bexbach, begann vor einigen Jahren als „Kamerakind“ beim SV 64. Zunächst fertigte er Videos für die Spielanalyse. Dass seine Bilder später sogar mal live ins Netz gehen, „damit hatte ich damals nicht gerechnet“, gesteht er. Vor dem Anpfiff „geht auch bei mir der Puls hoch“, bekennt der Schüler. Wenn angepfiffen ist, „werde ich ruhiger. Dann versuche ich einfach dem Spiel und dem Ball zu folgen“.
Neutrale Kommentare sind gefragt
Immer auf Spielhöhe müssen auch Kommentator Köhler-Wolf und Fachkommentator Stalter sein. „Ich habe im Handball schon viel gemacht, aber das ist für mich auch Neuland“, bekennt Stalter. Seit 2005 ist der Niederwürzbacher, der dort spielte und Trainer war, beim SV 64, arbeitete lange als Jugendtrainer. Er geht mit Respekt an die neue Aufgabe. „Wir versuchen so neutral wie möglich zu bleiben“, sagen Stalter und Köhler-Wolf unisono. „Aber natürlich ist da die Verbundenheit mit dem Verein, das ist daher nicht immer leicht“, verrät Stalter.
Vor dem Spiel machen sich Köhler-Wolf und er über die aktuelle Lage bei den Zweibrücker Löwen und beim Gegner schlau. Uninformiert ans Mikrofon? „Geht nicht“, findet Köhler-Wolf . Von Kindesbeinen an hatte der St. Ingberter, der bei einer Krankenkasse arbeitet, Spaß am Kommentieren und Moderieren. Als er mal ein Bundesliga-Spiel des TV Niederwürzbach in der Sprecherkabine erleben durfte, „war klar: Das will ich auch“, sagt Köhler-Wolf. Deshalb sagte er gleich ja, als die Zweibrücker ihn fragten, ob er denn kommentieren wolle.
Lernen von den Gegnern
Seine Stimme kennen Handball-Fans ohnehin von großen Turnieren im Saarland – egal ob Final-Four im Saar-Pokal, Girl’s Cup, Sparkassen-Cup. Köhler-Wolf ist der Mann, der Handball-Informationen mit lockerem Plauderton paart. „Wir ergänzen uns gut“, sagt Köhler über die Zusammenarbeit mit Stalter, mit dem gesamten Team. Wenn der SV 64 heute in Nieder-Roden spielt, hat das Technikteam frei. Aber alle schauen sich die Übertragungen der anderen an. „Um etwas zu lernen“, verraten sie.
Der SV 64 Zweibrücken vor dem Top-Spiel am Samstag bei der HSG Rodgau Nieder-Roden
Es gibt sie noch: Spitzen-Spiele im Handball. Eines wird am heutigen Samstag um 18 Uhr im hessischen Nieder-Roden, 30 Kilometer vor den Toren Frankfurts, angepfiffen: Der ungeschlagene Spitzenreiter der Drittliga-Gruppe Mitte im Ligapokal, die HSG Rodgau Nieder-Roden, empfängt den punktgleichen Tabellenzweiten SV 64 Zweibrücken (7:1 Punkte). Mindestens eines dieser beiden Teams hat nach der Partie das Ticket für den DHB-Pokal in der Tasche.
„Wir werden am letzten August-Wochenende Handball spielen, entweder ein DHB-Pokal-Spiel oder ein Vorbereitungsspiel bestreiten“, sagt SV-Trainer Stefan Bullacher lachend und macht deutlich, „dass wir uns zwar eine hervorragende Ausgangslage geschaffen haben, aber die Qualifikation für den DHB-Pokal hat keine Priorität“. Viel entscheidender ist für ihn, dass seine Mannschaft bisher sehr gut die Chance nutzt, sich für die kommende Saison einzuspielen.
Die Ausgangslage: Gibt es einen Sieger, ist dieser für den DHB-Pokal qualifiziert. Endet die Partie remis, sind beide Klubs dabei. „Wir können mit breiter Brust hinfahren“, sagt Bullacher, der am Freitag, nach dem Heimsieg am Donnerstag, zu einer Taktikeinheit bat. Auch Nieder-Roden, vor Rundenstart Top-Favorit auf Platz eins, hat Selbstvertrauen getankt, unter anderem durch den 35:20-Erfolg gegen die HG Saarlouis.