ZWEIBRÜCKEN
Viele wollen eine neue Heizung: Ansturm auf Handwerker
„Wir merken derzeit einen Ansturm auf Öl- und Gasheizungen“, sagt Frank Theisinger. Die Leute, so Theisinger, hätten Angst, bald nur noch Wärmepumpen und Ähnliches einbauen zu dürfen, daher kaufen sie nun „schnell“ noch eine Heizung mit fossilem Brennstoff. Hauptargument der Leute seien die Kosten. Eine neue Öl- oder Gasheizung kostet zwischen 8000 und 15.000 Euro. „Eine Wärmepumpe im Schnitt 35.000 Euro“, verdeutlicht er. Knackpunkt: Wird eine Wärmepumpe in ein älteres Haus eingebaut, stehen laut Theisinger zahlreiche Folgekosten an: Heizkörper, Dämmung der Fassade, neue Fenster, Dach und so weiter. Schnell betrage die Rechnung über 100.000 Euro. Nach Theisingers Einschätzung ist das für die meisten Privatleute nicht finanzierbar.
„Die Idee ist der größte Schwachsinn der Regierung auf Druck anderer Organisationen“, rechnet Theisinger mit den Gewählten in Berlin ab. Der Heizungsfachmann spricht von derzeit rund 28 Millionen „alten“ Heizungen, die in ganz Deutschland verbaut seien. Alle mittelfristig mit Wärmepumpen-Anlagen zu ersetzen sei nicht möglich. Es fehlten das Material, die Handwerker und Fachkräfte und letztlich bei den meisten Leuten: das Geld. Zudem sei das Stromnetz nicht dafür ausgelegt, in jedem Haus eine Wärmepumpe zu betreiben. Als Folge fürchtet Theisinger Netz-Überlastung und schließlich Stromausfälle.
Wasserstoff-Unterstützung „gute Idee“
Theisinger ist ununterbrochen mit drei Leuten unterwegs, um mögliche Neu-Heizungen in Häusern zu prüfen. „Wenn Sie jetzt einen Termin vereinbaren, dann wird es frühestens Mai, bis wir vorbeikommen können“, sagt er. Der Einbau einer Wärmepumpe dauert ebenfalls länger: vier bis fünf Tage. Zum Vergleich: Ein neuer Öl- oder Gaskessel steht binnen eines Tages. Die Mitarbeiter schule man grundsätzlich auf neue Anlagen, auch er und sein Bruder informierten sich regelmäßig, erzählt der Heizungsbauer.
Theisinger, so wird im Gespräch deutlich, ist sich bewusst, dass etwas gegen den Klimawandel getan werden muss. Als gute Idee der Bundesregierung nennt er, Gasheizungen zu einem bestimmten Anteil mit Wasserstoff zu speisen. Bei relativ neuen Anlagen sei das ohne Probleme möglich, sagt der Fachmann.
Personalmangel und hoher Druck
Andreas Müller, Chef von Haustechnik Müller beim Zweibrücker Flughafen, schließt sich Theisingers Meinung an. „Die Regierung hat einen Schnellschuss gemacht. So sehe ich das“, sagt er im RHEINPFALZ-Telefonat. Seine Firma bekommt vor allem per E-Mail Anfragen für neue Heizungen, allerdings hat sich Müller mehr auf öffentliche Gebäude spezialisiert.
Generell kennt Müller das Problem, dass neue Heizungsanlagen und deren Material derzeit nur schwer lieferbar sind: „Wir haben Liefertermine bis zum Sankt Nimmerleinstag.“ Auch er spricht vom Fachkräftemangel und einer schwierigen Personallage, die verhindere, sofort allen Anfragen gerecht zu werden. „Bei den Aufträgen wird dann auch viel Druck gemacht. Aber ich kann Arbeiter und Handwerker ja schlecht herbeizaubern.“ Gleichzeitig wüssten die Arbeiter, in welch für sie günstiger Lage sie sind. Sprich: Die Fachkräfte können sich ihren Betrieb fast schon aussuchen und entsprechend hohe Forderungen an Arbeitgeber stellen. „Es fehlt das gesunde Mittelmaß, dass es sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer gut geht.“
Wärmepumpen vor allem für öffentliche Gebäude
In öffentlichen Gebäuden verbaut Müller derzeit durchaus vermehrt Wärmepumpen, er nennt als Beispiel ein Bürogebäude. Alle Häuser in Zukunft auf diese Art des Heizens umzustellen, ist laut dem Fachmann aber unrealistisch: „Dafür reicht das Stromnetz gar nicht aus. Und die Versorger können bei drohenden Überlastungen sogar einzelne Wärmepumpen vom Netz nehmen.“ Ebenso hat Müller aus Fachkreisen erfahren, dass die Industrie derzeit wieder mehr Öl- und Gaskessel produziere, um der steigenden Nachfrage gerecht zu werden.