Zweibrücken
Vernissage: Orgel-Miniaturen von Lützel
Zur Eröffnung der Ausstellung „Kunst und Kirche“ in Mimbach spielte Christoph Jakobi Miniaturen für Orgel des Zweibrücker Komponisten Jakob Heinrich Lützel (1823-1899), nach dem der neue Gemeindesaal benannt werden soll.
Seine Orgelminiaturen sind in der gefühlsbetonten Welt der Romantik beheimatet, daran ließen die farbigen Klänge bereits nach den ersten Akkorden keinen Zweifel.
Der Zweibrücker Kirchen- und Volksliedkomponist, Organist und Volksschullehrer Lützel, der für sein Lebenswerk vom Kulturministerium in München mit dem Titel „Königlicher Professor der Musik“ ausgezeichnet wurde, schrieb neben Gesangbüchern und Chorwerken auch Liederbücher und Miniaturen für Orgel.
„Ich beschäftige mich seit 20 Jahren mit regionaler Musikgeschichte und bin dabei auf diese kleinen Stücke für Orgel, diese Miniaturen von Lützel gestoßen“, erzählte Organist Christoph Jakobi. „Und die Walckerorgel mit ihren ausgesprochen flächigen Klängen eignet sich gut für diese Klangreise in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts. Da gibt es nichts Spritziges.“
Die warme Innigkeit der weichen, volltönenden Klänge, die Jakobi sehr feinfühlig ausdifferenzierte und in weit gespannten Klangbögen verband, erinnerte an Volkslieder. Im Wechsel mit machtvollen choralartigen Weisen gestaltete der Organist in einer der Miniaturen ein nuancenreiches Klangbild, in dem er die Verbindung von Choral-und Volksliedtraditionen in Lützels Kompositionsstil deutlich hervortreten ließ.
Eine andere Miniatur setzte mit einem glasklar intonierten Präludium in der aus dem Barock übernommenen Choraltradition ein. Daraus hob sich dann in einem sehr plastischen Klangbild eine helle, liedhafte Weise von überraschender Frische und Leichtigkeit hervor, während die Choralweise sich in dunklen, bordunartigen Liegeklängen verlor.
Bewusst einfache, liedhaft-innige Einstimmigkeit und kunstvoll verschlungene kontrapunktische Techniken verband Lützel in einem anderen Stück. Die Stimmen fächerten sich dabei aber nicht nur im Tonumfang, sondern vor allem auch in der Klangfarbe aus – ein Kontrast, den Organist Jakobi mit viel Fingerspitzengefühl und Spielfreude zur Geltung brachte und so barocke und romantische Klangsprachen verband.
Zwei kurze Choralvorspiele Lützels wirken wie Frage und Antwort. „Ach, was soll ich Sünder machen?“ zeichnete sich in Jakobis Interpretation durch eine frappierende Schwerelosigkeit der Klänge aus, die bange Frage steigerte sich immer mehr in obere Tonlagen. Das ging dann über in die Antwort: „Schwing’ dich auf zu deinem Gott“, die die Melodie in unaufdringlicher Ruhe und Zuversicht in immer höhere Register führte. Konstanze Führlbeck