Zweibrücken Vergilbtes Bild vom Flohmarkt: Das tragische Schicksal des Pfälzers Karl Ambos
Der Volkstrauertag soll das Andenken an die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft bewahren, damit sie nicht vergessen werden. Einen Denkanstoß dafür kann auch unvermittelt der Gang über einen Flohmarkt geben: Dort stößt man neben allerlei Nippes mitunter auf gerahmte Fotos von Gefallenen der Weltkriege. Von offenbar längst vergessenen Menschen.
Wer ist die Person auf dem großformatigen Foto, das hier den Blick des Autors auf sich zieht? Die Verkäuferin auf dem Zweibrücker Flohmarkt weiß es nicht. Vermutlich stammt das Bild aus einer Haushaltsauflösung; in der Verwandtschaft des früh Verstorbenen fand es wohl kein Interesse mehr. Erklärt wird dies bei einer schnellen Recherche in Archiven zum Teil damit, dass der abgebildete Karl Ambos schon im Alter von 22 Jahren als lediger Hüttenarbeiter sein Leben verloren und deshalb keine Nachkommen hinterlassen hat.
Ambos wurde am 14. Januar 1894 in Homburg als Sohn des Steinhauers Franz Ambos und dessen Frau Margarethe, geborene Brandstetter, geboren. Geschwister lassen sich bislang nicht nachweisen. Sein Vater starb 1906 mit 53 Jahren, da war Karl erst zwölf Jahre alt. Die „gewerblose“ Mutter, die vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges mit ihrem Sohn in der Unteren Allee 39 in Homburg wohnte, lebte noch bis 1933. Direkte Nachkommen der Familie sind unbekannt.
Verwundung in Polen, dann an die Westfront
Spuren von Karl Ambos finden sich in Militärakten der königlich-bayerischen Armee, den sogenannten Kriegsstammrollen. Mit 20 tritt der schlanke 1,74 Meter große dunkelhaarige Schnurrbartträger („Besondere Kennzeichen: keine [...] Führung: sehr gut, Strafen: keine“) nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges am 1. Oktober 1914 in das 22. Infanterie-Regiment mit Stammsitz in Zweibrücken, Weiße Kaserne, ein (die 22er, nach denen die gleichnamige Straße benannt ist) und kämpft als Infanterist in der 1. Kompanie des Regiments bis Mitte April 1915 an „westlichen Kriegsschauplätzen“ und dann bis Anfang Mai 1915 an „östlichen Kriegsschauplätzen“.
Am 8. Mai 1915 wird Karl Ambos bei Rymanow im südöstlichen Polen durch einen Granatsplitter am Gesäß verwundet und dann einen Monat lang im Reservelazarett Cottbus behandelt. Im Oktober 1915 kehrt er ins Regiment zurück, das nun in Serbien kämpft. Im Februar 1916 zieht das gesamte 22er-Regiment nach Westen in das Gemetzel um Verdun. In den Erinnerungsblättern des Regiments sind die stetigen Angriffe der Franzosen und Gegenangriffe der Deutschen in dieser blutigen Schlacht aufgezeichnet. Für den April heißt es abschließend: „Der ganze Monat wurde mit Ausbau der Stellung und mit Wiederaufbau der durch das fortwährende gegnerische Artilleriefeuer zusammengeschossenen Gräben verbracht. Der Krankenstand bei den in der vordersten Linie verwendeten Bataillonen wurde allmählich ein recht hoher.“ Nicht erwähnt werden die Gefallenen im regnerischen Monat April, darunter Karl Ambos. In dessen Kriegsstammrolle heißt es kurz und knapp: „Am 19.4.16, 5 Uhr bei Höhe 251 bei Haucourt durch Granatschuss gefallen.“
Karl Ambos ruht auf der Kriegsgräberstätte in Consenvoye, wenige Kilometer nordwestlich von Haucourt. Endgrablage: Block 1, Grab 202.
Symbol für Irrsinn der Stellungskriege
Bis heute gilt die zehnmonatige Materialschlacht von Verdun als Symbol für den Irrsinn der Stellungskriege. In dieser Knochenmühle starben über 700.000 Soldaten, explodierten 50 Millionen Artilleriegranaten und Wurfminen. Die Landschaft wurde mehrfach durchpflügt, wovon sie sich bis heute nicht vollständig erholt hat. Immer noch liegen dort ungezählte Blindgänger, Gewehre, Helme, Ausrüstungsstücke und Knochen im Erdreich.
Im Mémorial de Verdun bei Fleury erhält man heute erschütternde Eindrücke von der grausigen Schlacht, in der auch das Zweibrücker 22. Infanterie-Regiment verheizt wurde.
Gedenkstunden zum Volkstrauertag am Sonntag
Althornbach: 13.30 Uhr, Kirche, Kranzniederlegung am Denkmal
Battweiler: 11.15 Uhr, Friedhof, bei schlechtem Wetter Aussegnungshalle
Bottenbach: 10.15 Uhr, Friedhof
Contwig: an den Ehrenmalen Stambach um 10 Uhr, in Contwig um 11 Uhr
Dellfeld: stille Kranzniederlegung
Dietrichingen: 10 Uhr am Kriegerdenkmal
Großbundenbach: 9.15 Uhr, St. Martinskirche
Großsteinhausen: 11 Uhr, Gedenkfeier Ehrenfriedhof mit Musikverein Schwarze Husaren
Hornbach: 9 Uhr, Kranzniederlegung am Denkmal
Käshofen: stille Kranzniederlegung
Kleinbundenbach: stille Kranzniederlegung
Kleinsteinhausen: 13.30 Uhr, Ehrenmal, Gedenkfeier mit Chor und Musikverein Schwarzen Husaren
Mauschbach: stille Kranzniederlegung
Riedelberg: 9.30 Uhr, Friedhof
Rosenkopf: stille Kranzniederlegung
Walshausen: stille Kranzniederlegung
Wiesbach: stille Kranzniederlegung
Zweibrücken: 10.45 Uhr, Ehrenfriedhof 1914/18, Kranzniederlegung
Zweibrücken: 11 Uhr, Ehrenfriedhof 1939/45, Gedenkstunde, Kranzniederlegung, Andacht mit Militärpfarrer Markus Konrad, Sprecher der Jugend: Flavie Adigbli, Paul Goldmann, Josefine Krämer, Lilly Mathieu, Hanna Rebmann (Schüler des Hofenfels-Gymnasiums), Stadtkapelle Zweibrücken (Leitung Bruno Steis), Ehrenwachen der Bundeswehr
Ernstweiler: 11.30 Uhr, Friedhof, Feierstunde, Kranzniederlegung
Hengstbach: 11.30 Uhr, Friedhof Ehrenmal, Kranzniederlegung
Ixheim: 11 Uhr, Friedhof, Ökumenische Andacht, Kranzniederlegung
Mittelbach: 10.15 Uhr, Gedenkgottesdienst in der Kirche, 11 Uhr, Friedhof Ehrenmal, Kranzniederlegung
Niederauerbach: 14 Uhr, Kranzniederlegung, Gedenkrede, um 15 Uhr, Zwinglikirche, Gedenkgottesdienst
Oberauerbach: 11 Uhr, ev. Kirche, Gedenkfeier, Kranzniederlegung am Ehrenmal
Rimschweiler: Gedenkfeier, 11 Uhr, kath. Kirche, Kranzniederlegung
Wattweiler: 9 Uhr, evangelische Kirche, Gottesdienst, 9.45 Uhr, Gedenkfeier mit Kranzniederlegung am Ehrenmal