Hornbach
Vanessa Novak beweist im Konzert enorme Vielseitigkeit
Die Singer-Songwriterin Vanessa Nowak lebt zwar seit über 25 Jahren in Darmstadt, doch ihre Kindheit und Jugend hat sie in der Pfalz verbracht, in Contwig. Neben einigen Coversongs spielte sie am Freitagabend zumeist eigene Lieder, zu denen sie sich auf der Gitarre begleitete. Ihre klare, kühle Stimme, die jedoch auch soulig aufblühen konnte, zog die Zuhörer bereits in dem ersten Titel „One big Lie“ in ihren Bann. Zu kraftvoll-präludierenden Akkorden sang sie in dieser Strophenballade über Enttäuschungen. Den spontanen Applaus kommentierte sie gut gelaunt: „Mir hat jetzt jemand zugewunken, aber ich hab’ meine Brille nicht auf, ich weiß nicht, wer das war.“ Und bewies dabei, dass sie die Pfälzer Mundart nicht verlernt hat.
In ihrem nächsten Titel ging es um enttäuschte Liebeserwartungen. In ihrem lebhaften, nuancenreichen Gesang wurden die Schmetterlinge im Bauch über einem federleichten Klangteppich hörbar, der brennende Wunsch nach Zweisamkeit brach sich von Strophe zu Strophe in ihrer klaren, hellen, leicht kehligen Stimme über schnellen, kurzgliedrigen Gitarrenakkorden Bahn. Doch der Traum sollte sich zunehmend als Alptraum entpuppen: „Das ist nicht das, was ich mir gewünscht habe“, war das Fazit von „Surely meant“. Der emotionale Vortrag lotete feinste Stimmungsschwankungen aus, mit dezenten Zwischentönen ebenso wie mit wildem Aufbegehren.
Gespräch mit dem Hochzeitskleid
Und noch eine Überraschung: Auch soulig-rockige Klänge hatte die vielseitige Sängerin im Repertoire. Hektisch-pochende Gitarrenakkorde stimmten die Zuhörer in das forcierte Tempo von „Bright white Dress“ ein, einem Song über die Hochzeit einer guten Freundin in Contwig, deren immer wiederkehrende Wiederholung an ein „Auf dem Fleck Treten“ denken ließ, während man gleichzeitig unter Strom steht. Kühl, fast rau wirkte Vanessa Nowaks Stimme hier, als sie in einem Zwiegespräch mit diesem Kleid die Entfremdung von ihrer Freundin thematisierte.
Eine Bergbau-Ballade aus Kentucky von Jean Ritchie, die Nowak mit ihrer frischen Stimme wie ein Barde aus alter Zeit über die Nöte der Kumpels nach der Schließung der Stollen erzählte, riss die Zuhörer zu spontanem Applaus hin. Sehr ausdrucksstark interpretierte Nowak auch ihre Version des Songs „Ain’t no little Girl“ der australischen Country- und Folksängerin Kasey Chambers, den sie vor einigen Jahren bei einem Szenefestival in Nordrhein-Westfalen zum ersten Mal gehört hatte.
Die Liebe gehört dazu
Immer wieder streute Nowak auch Bemerkungen über ihre Beziehung zu ihren Songs in ihrer Moderation ein, was ihrem Konzert eine sehr persönliche Note verlieh. Man fühlte sich in der intimen Atmosphäre des Fabianstifts fast wie im Wohnzimmer. Das Thema „Liebe“ griff Nowak in ihrem Titel „Three Words“ wieder auf. „Wenn man diese drei Wörter öfter aussprechen würde, würde sich so manche Beziehung sicher anders entwickeln“, zeigte sie sich überzeugt. „I love you“ und „I miss you“ sang sie dafür desto sehnsuchtsvoller, mit schwärmerischer Kraft. „Denn die Liebe gehört unausgesprochen zum Leben dazu, von dem Moment an, an dem man morgens die Augen öffnet.“
In „Farewell“ griff sie zu schnell vorwärtsdrängenden Gitarrenakkorden die Abschiedsstimmung auf, wenn ein nahestehender Mensch ganz weit weg zieht, zum Beispiel nach Australien. Trennung kann aber auch ein Gefängnisaufenthalt bedeuten, darüber sang Vanessa Nowak mit rockig-rauen Untertönen in ihrer Version des Johnny-Cash-Hits „Folsom Prison“, mit dem sie ihr stimmungsvolles und berührendes Konzert vor etwa 60 Besuchern ausklingen ließ. Der Erlös ist für den Sozialfonds der evangelischen Gemeinde Hornbach-Brenschelbach bestimmt.