Eishockey RHEINPFALZ Plus Artikel US-Boy mit Pfälzer Wurzeln und Betze-Wunsch

US-Amerikaner Michael Morrissey (rechts) ist gut in Zweibrücken angekommen.
US-Amerikaner Michael Morrissey (rechts) ist gut in Zweibrücken angekommen.

Er kannte den Schwarzwald, Straßburg, München, Hamburg. Aber nicht Zweibrücken. Dann führte ihn sein Wunsch, Eishockey in Europa zu spielen, in die Pfalz. Unweit von Kaiserslautern, wo er seine familiären Wurzeln hat. Michael Morrissey kam über den großen Teich. Und das mit den (Reise-)Zielen Betzenberg und SAP-Arena. Und er traut seinem Team vom EHC Zweibrücken sogar das Maximum zu.

Vor dieser Regionalliga-Saison verlor der EHC Zweibrücken seine US-Amerikaner Dan Radke und Joshua Mikes. Ein Ersatz konnte aber recht frühzeitig verpflichtet werden: Bereits seit Ende Mai steht fest, dass der 24-jährige Michael Morrissey aus Bethlehem in Pennsylvania ab Oktober für die „Hornets“ stürmt.

Vier Wochen ist Morrissey hier, aber er fühlt sich irgendwie heimisch. „Die Gegend gleicht total meiner Heimat in Pennsylvania. Die einzigen Unterschiede sind die Sprache, das Essen und das Bier“, fühlt er sich nach wenigen Wochen in Zweibrücken direkt wohl. „Ich will hier viel erleben, so viel wie möglich über die Geschichte Deutschlands und Europa lernen und möglichst viel bereisen“, hat er sich einiges für die Zeit in Zweibrücken vorgenommen. Nach rund vier Wochen spricht er sogar schon einige Brocken Deutsch, Begrüßung und Verabschiedung klappen in der neuen Sprache schon nach der kurzen Zeit recht gut. „Mir gefällt es, ehrlich gesagt, sogar besser als ich es erwartet hatte.“

Hunsickers aus K-Town

Wobei so unbekannt Deutschland und die Pfalz für Morrissey nicht sind: „Die Vorfahren meiner Mutter stammen aus Kaiserslautern, ihr Name war Hunsicker. Ich war auch mit meinen Eltern zuvor schon einige Male in Europa und Deutschland, Zweibrücken kannte ich aber nicht.“ Er berichtet von Besuchen in München, Hamburg, Straßburg und dem Schwarzwald. „Das ist etwa zehn bis zwölf Jahre her. Es hat mir richtig gut gefallen. Vor allem der Schwarzwald war klasse. In den USA gibt es ja nicht so diese Altstädte mit historischen Häusern und Gebäuden. Gerade das finde ich sehr interessant und spannend.“

Im Mai dieses Jahres machte er den Collegeabschluss in der Fachrichtung Ökonomie und Umweltwissenschaft im Colby College im Bundesstaat Maine nahe Kanada. „Nach meiner Studienzeit wollte ich unbedingt für ein oder zwei Jahre zum Eishockeyspielen nach Europa und bestenfalls nach Deutschland kommen. So habe ich mich frühzeitig gekümmert und kam über einen Spielerberater mit dem EHC Zweibrücken in Kontakt. Von diesem Verein und der Gegend habe ich nur Gutes gehört. Also sagte ich zu.“ So stand schon seit Ende Mai fest, dass er ab Oktober die nächsten ein oder zwei Jahre in der Westpfalz verbringt. Wobei er nicht in Zweibrücken, sondern im saarländischen Ommerweiler wohnt. „Fast schon in Frankreich“, weiß er. „Bei netten Vermietern in einer schönen, kleinen Wohnung.“ Neben Training und Spielen für den EHC arbeitet er noch in einem Autohaus in Hornbach sowie bei Eisdiskos in der Eishalle.

Zwei Namen, eine Karriere

Nicht nur die Gegend und die Stadt Zweibrücken gefallen ihm gut, auch von seiner Mannschaft ist er angetan. „Wir werden in dieser Saison viel Spaß haben. Und ich bin mir sicher, dass es eine erfolgreiche Saison wird“, ist er nach vier Spielen mit drei Siegen überzeugt. „Wir haben eine richtig starke Truppe zusammen. Die Kameradschaft stimmt. Mit dieser Mannschaft ist alles drin, auch die Meisterschaft.“ Wo sieht er den Unterschied zwischen Eishockey in den höheren College-Ligen der USA und der vierthöchsten deutschen Klasse, der Regionalliga Südwest? „Die größere Eisfläche ist sicher gewöhnungsbedürftig. Wobei die Zweibrücker Eishalle ja die nordamerikanischen Maße hat. Das Spiel an sich würde ich so beschreiben: In den USA ist es noch intensiver und offensiver.“

Eishockeyfans, die sich im Internet über Spieler und Vereine informieren, haben sich vielleicht schon gefragt, warum der 24-Jährige auf der Internetplattform eliteprospects.com – hier findet man fast alle Eishockeyspieler weltweit mit ihrer Vereinshistorie – gleich zweimal zu finden ist: einmal als „William Morrissey III“ und ein weiteres Mal als „Michael Morrissey“. Unter dem ersten Namen findet man seinen aktuellen Verein EHC Zweibrücken, unter dem zweiten seine bisherige Karriere inklusive der College-Liga. „Das muss irgendwie mit meinem Pass zusammenhängen. Darin habe ich den Namen William III. Aber ich habe keine Ahnung, warum zwei Seiten existieren. Es ist schon eine komische und witzige Geschichte.“ Den Namen William III trägt er als Nachkomme seines Vaters und Großvaters. „Mein Vater hat mich damals zum Eishockey gebracht, er hat mich sozusagen angesteckt“, berichtet der Fan der Pittsburgh Penguins. „Durch die Zeitverschiebung kann ich diese Saison die NHL leider nicht so verfolgen. Aber mich interessiert auch die Deutsche Eishockey-Liga. Ich will unbedingt mal ein Spiel der Mannheimer Adler vor Ort live sehen.“

Stimmung auf dem Betzenberg

Aber nicht nur dieses Sport-Event steht auf seiner „To-do-Liste“: „Ich will auch unbedingt mal auf den Betzenberg zu einem Spiel des 1. FC Kaiserslautern. Viele haben davon erzählt, die Stimmung soll klasse sein.“

Zur Sache: Zwei Heimspiele in 48 Stunden

In zwei Heimspielen innerhalb von 48 Stunden will der EHC Zweibrücken seine am vergangenen Wochenende in Stuttgart eroberte Tabellenführung verteidigen. Zunächst kommen am Sonntag (18.30 Uhr) die Eisbären Heilbronn, am Dienstagabend (Allerheiligen, 17 Uhr) macht der SC Bietigheim-Bissingen 1b seine Aufwartung in Zweibrücken.

Heilbronn ist Titelverteidiger. Die routinierte Truppe schlug im Finale der vergangenen Saison den EC Stuttgart. Auch vor dieser Saison galten die „Eisbären“ als Mitfavorit. Der Saisonstart misslang jedoch total: In vier Spielen gelang lediglich ein Sieg bei drei Niederlagen. Mit nur drei Zählern hat der EHC Heilbronn schon sechs Punkte Rückstand auf Platz vier, den letzten Play-off-Rang.

Ausfälle und Abgänge führen zu Abstürzen

Grund war, dass einige Spieler ausfielen und auch teilweise bei den „Falken“ Heilbronn (mittlerweile sind „Eisbären“ und „Falken“ ein Verein, der EHC lediglich eine Sparte des EC) in der DEL 2 aushelfen mussten. Hier ist vor allem Marco Haas zu nennen. Seine Tore fehlten dem Regionalligisten.

Vor der Saison sollte die Mannschaft weiter verjüngt werden, nun sollen auch wieder erfahrene Spieler dem Trainerduo Kai Sellers und Sascha Bernhardt helfen, um den Rückstand zu den Endrundenrängen nicht zu groß werden zu lassen.

Die Qualifikation zu den Play-offs wird den Bietigheim „Steelers“ vermutlich nicht gelingen. Vor Jahren noch eine Spitzenmannschaft, hat sich das Team mittlerweile am Tabellenende einsortiert. Grund waren die vielen Wechsel von Spielern nach Stuttgart. Den Weg schlugen auch Trainer Jakob Vostarek und Torjägerbruder Mathias Vostarek ein. In allen vier Saisonspielen zog die zweite Mannschaft des Erstligisten SC Bietigheim-Bissingen den Kürzeren. Auch in Zweibrücken wird das Team als krasser Außenseiter auflaufen.

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