Homburg RHEINPFALZ Plus Artikel Unterwegs in der Transitzone

„Transit 1“. Das Werk von Andrea Armbrüster (Ausschnitt) ist in der aktuellen Ausstellung in Homburg-Schwarzenacker zu sehen.
»Transit 1«. Das Werk von Andrea Armbrüster (Ausschnitt) ist in der aktuellen Ausstellung in Homburg-Schwarzenacker zu sehen.

„Dynamics of Life“ heißt eine Ausstellung von Andrea Armbrüster, die noch bis Monatsmitte in der Homburger Galerie Beck zu sehen ist. Die Künstlerin thematisiert Aspekte des Stadtlebens und Grenzräume zwischen Bekanntem und Unbekanntem.

Andrea Armbrüster wurde 1962 in St. Wendel geboren und lebt heute in Blieskastel. Sie war lange als Medizinisch-technische Assistentin in der Forschung in Homburg tätig. „Für Kunst habe ich mich schon in meiner Kindheit interessiert“, sagt sie. Doch erst 2005 hat sie beim „Badwater Ultramarathon“ in den USA angefangen zu fotografieren. 2013 hat sie eine fotografische Ausbildung absolviert, seit 2016 besucht sie die Abendkurse für Fotografie an der Hochschule für Bildende Kunst in Saarbrücken.

„Man belichtet ein Bild für einen kurzen Augenblick, aber das resultierende Werk kann lange mit einem sprechen“, bringt sie ihre Faszination auf den Punkt. „Für mich entsteht hier ein spannender Kontrast zwischen der Herstellung und der Wirkung eines Bildes.“

In ihrer Ausstellung „Dynamics of Life“ vereint die Künstlerin Aspekte der dokumentarischen und der abstrakten Fotografie. Ihre Serie „Transit“ beschäftigt sich mit dem Phänomen des Übergangs zwischen zwei Zuständen: dem, das man kennt, und etwas Unbekanntem, das noch vor einem liegt. „Wenn man sich im Transitbereich bewegt, ist man auch selbst im Übergang und nimmt Dinge anders wahr“, sagt sie. „Es entsteht eine Wechselwirkung, man kommt ins Reflektieren.“

Die Reihe ist auf einer Reise von Los Angeles nach San Francisco entstanden, die Landschaften gehen ineinander über. Die Fotografien sind in Schwarzweiß gehalten. „Durch das Weglassen der Farbe wird das Ganze universaler“, meint Andrea Armbrüster. „Die Konzentration fokussiert sich aufs Wesentliche und verdichtet sich, es gibt weniger Ablenkung. Das hebt den Ausnahmezustand deutlicher hervor, in dem man sich als Betrachter in einem solchen Übergangsbereich befindet.“

„Transit I“ zeigt diesen Übergang aus der Perspektive des Durchreisenden. Das Tempo der Bewegung verschiebt die Konturen der Landschaft ebenso wie die Perspektive. Winzige Bäume stehen einer großflächigen, in faltenartigen Fragmenten verworfenen Landschaft gegenüber, die auf den ersten Blick abweisend wirkt und fast an ein „zerrissenes Labyrinth“ denken lässt, das den forschenden Blick des Betrachters zurückweist.

Gedanken der Spannung zwischen der Gefühlsebene eines Menschen und der ihn umgebenden Umwelt greift auch die Serie „City Life“ auf. Hier dominiert die Abstraktion die Wahrnehmung. Es präsentiert sich eine zersplitterte, vielfach gebrochene und reflektierte Sicht aufs Stadtleben, das seine Anonymität unterstreicht und „der Stadt“ eine unvermutet harte Fassade verleiht, in der sich die schemenhaft kleinen menschlichen Gestalten wie Schattenwesen zu verlieren drohen.

Das macht die Farben, Motive und Gefühle einer Großstadt sichtbar, den Balanceakt zwischen ihrer Dynamik und der Herausforderung, die ebendiese Wirkungskraft an die Menschen stellt. Nicht das Erkennen eines konkreten Bilds ist das Ziel dieser Fotografie, sondern das Erfassen von Stimmungen in Momentaufnahmen, um so das nicht Sichtbare fühlbar werden zu lassen.

In einer visuellen Gratwanderung versucht die Künstlerin, den Gegensatz zwischen Pulsschlag und Innehalten aufzuheben; eine Verbindung anzudeuten zwischen dem Menschen und seiner bunt schillernden Umwelt in einer prismenartigen Brechung.

Buntes Treiben zwischen Hochhausschluchten ist hier zu ahnen, obwohl das Licht es kaum schafft, immer bis in die Tiefe der Straße durchzudringen. Teilweise lassen die prismenartigen Fragmentierungen die Stadt auch wie eine moderne Kathedrale wirken. Das betont die Rituale, die das urbane Leben bestimmen, ihm seinen Takt vorgeben. Brennende Sonnenglut und nächtliche Schatten finden hier ihren Raum, der sich immer wieder aufs Neue für Begegnungen öffnen kann. Die einzelnen Werke des vielfältigen und doch in seiner Grundstruktur wieder frappierend ähnlichen Stadtpanoramas lassen die Facetten des urbanen Lebensgefühls aufblitzen.

Info

Andrea Armbrüster: „Dynamics of Life. Fotos“, Galerie Beck, Homburg-Schwarzenacker, bis 16. August.
Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 11 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung unter Telefon 06848 701190, E-Mail: ger@comebeck.com.

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