Die Wochenend-Meinung
Uns geht das Mehl nicht aus
In der Ukraine ist Krieg, und bei uns kaufen sie Mehl wie wild. Ich dachte zuerst, ich höre nicht recht, als ein Kunde im Edeka seiner Begleitung empfahl, sich mit Nudeln einzudecken, weil die bald knapp würden. Aber dann unterhielten sich zwei Frauen im Cap-Markt, dass es wohl bald kein Mehl mehr gibt. Und eine Kassiererin erzählte mir halb ungläubig, halb genervt, dass die Leute offenbar denken, der Dritte Weltkrieg stehe kurz bevor.
Es gibt tatsächlich Supermärkte, die Mehl, Speiseöl, Nudeln und wasweißich nur noch in haushaltsüblichen Mengen abgeben. Aber doch nicht, weil wir sonst bald keins mehr haben. Sondern nur weil manche das meinen. So erfüllt sich die Prophezeiung selbst: Jemand hat Angst, dass die Nudeln ausgehen. Er kauft extra mehr. Der Supermarkt weist darauf hin, dass ein einzelner Kunde keine Palette Nudeln kaufen darf. Der nächste sieht das und glaubt, die Nudeln werden knapp. Deshalb taugen die Schilder „Abgabe nur in haushaltsüblichen Mengen“ auch nicht als Warnung, dass man jetzt dringend vorsorgen muss. Klar sollte man ein paar Batterien, Kerzen, Streichhölzer und Grundnahrungsmittel zuhause haben, falls mal abends der Strom ausfällt oder man wegen des Wetters nicht wegkommt. Aber jetzt die Regale leerzukaufen, aus Angst in Deutschland würden Grundnahrungsmittel knapp – das ist völlig übertrieben.