Was halten die Fans aus der Region davon, dass Fußball-Zweitligist 1. FC Kaiserslautern kurz vor Saisonende seinen Trainer freigestellt hat? Wir haben uns umgehört.
Torsten Lieberknecht, der neue Mann auf der FCK-Kommandobrücke, ist bereits der sechste Trainer unter der Ägide des seit März 2021 amtierenden FCK-Geschäftsführers Thomas Hengen. „Das war überflüssig“, schildert Johann Somers vom FCK-Fanclub „Lautrer Jungs“aus Ixheim seine erste Reaktion auf die Trainerentlassung von Markus Anfang. „Bleiben wir realistisch: Der FCK hat mit dieser Mannschaft keine Chance in der ersten Liga, da bist du nur Kanonenfutter“, argumentiert der Belgier. „Die jetzige Träumerei ist übertrieben und erinnert an die Geschichten, die wir alle vor Jahren schon erlebt haben und die den FCK an den Abgrund gebracht haben.“
Für Somers spielt der Trainername grundsätzlich weniger eine Rolle, „sondern der Verein ist das Wichtigste. Spieler und Trainer kommen und gehen, es ist wichtiger, den FCK weiter voranzubringen, mit Konstanz und Ruhe“. Diese fehlende Ruhe kommt seiner Ansicht nach von ganz innen im Verein. „Es muss schon länger etwas rumort haben hinter den Kulissen. Möglicherweise können die Investoren es nicht abwarten aufzusteigen“, mutmaßt er.
„Mannschaft positiv entwickelt“
Markus Schwarz, einer der drei Vorsitzenden der „Treuen Jungs“ aus Niederauerbach, war ebenfalls überrascht vom Trainerwechsel. „Es hat sich zwar den ganzen Tag etwas abgezeichnet. Ich wollte es aber nicht glauben; dachte, man wolle die Ruhe und Kontinuität dieser Runde weiter verfolgen.“ Auch die von den FCK-Verantwortlichen in den Medien als Trennungsgrund skizzierte fehlende Energie und die schlechte Phase haben den 39-Jährigen nicht dazu bewogen, Trainer Anfang infrage zu stellen. „Jede Mannschaft hat mal eine schlechte Phase. Jetzt hat es uns halt in der Schlussphase der Saison getroffen, aber das gehört beim Fußball dazu.“ Unabhängig vom Ausgang und Tabellenplatz hätte Markus Schwarz nicht nur bis zum Saisonende an Anfang festgehalten, sondern wäre auch in die neue Runde mit ihm gegangen. „Trotz der drei Rückschläge zuletzt hat er, wie angekündigt, die Mannschaft positiv entwickelt.“
Torsten Lieberknecht war zwar in der Vergangenheit öfter einer seiner Wunschtrainer. Der Verein gäbe mit den vielen Entlassungen in kurzer Zeit aber kein gutes Bild ab, wodurch er sich fragt: „Welcher Trainer möchte in Zukunft überhaupt noch zum FCK? Zu einem Verein, bei dem der Trainerstuhl mit dem Arbeitsantritt schon wackelt, bei dem kaum Zeit eingeräumt wird, ein Mannschaftsgebilde zu entwickeln.“
„Jeder war froh“
Vorsitzender Andreas Brill vom Fanclub „Höllenfeuer Contwig“ tut sich schwer, die Entlassung einzuordnen. „Ich war beim Auswärtsspiel in Braunschweig. Trotz der Nicht-Leistung dort kam von den Fans kein böser Ruf an Spieler oder Trainer. Jeder war froh, dass wir gesichert sind und mal wieder eine erfolgreiche Saison spielen. Allerdings war es wohl noch nie so leicht aufzusteigen wie in diesem Jahr, und das sehen Hengen und die Investoren anscheinend auch so“, sagte Brill. Unruhe kam für ihn auch durch Wechselgedanken einzelner Spieler hinzu und dass Markus Anfang ein Trainerkandidat auf Schalke ist. „Die letzten fünf Spiele waren schlecht gewesen. Es stagnierte, und mit dem Trainerwechsel wird ein neuer Impuls gesetzt“, stellt Brill fest. Er war mit der Saison bislang zufrieden und empfindet die Entlassung trotz der bereits vielen Trainerwechsel beim FCK als eine der ungewöhnlichsten. „Denn es gab von den Fans keine Unmutsäußerungen, die waren glücklich. Und das hätte sich auch mit Platz fünf, sechs, sieben nicht geändert.“
Auch Ralf Weinmann vom FCK-Fan-Club Rimschweiler war überrascht und zeigt Unverständnis für die Hengen-Entscheidung. „Markus Anfang hat mit dieser Truppe sehr gute Arbeit gemacht. Ich hätte mir mal gewünscht, einen Trainer länger zu behalten, um Kontinuität reinzubekommen.“ Trotz allem müsse natürlich über die drei letzten Niederlagen gesprochen werden. „Da waren sie richtig schlecht. In Braunschweig wirkte der FCK leblos auf mich, da kam in mir schon das Gefühl hoch, dass tatsächlich was passieren kann.“ Weinmann glaubt, dass Hengen dem ganzen internen Theater mit unterschiedlichen Zielsetzungen der zukünftigen Trainerbesetzung bei Schalke 04 einfach zuvorgekommen ist.
Wie Dirk Schuster?
„Ich war immer ein Anhänger von Lieberknecht als Coach, allerdings ist er eher ein defensiv denkender Trainer. Und das ist ja eigentlich genau das Umgekehrte von dem, was die Verantwortlichen mit der Verpflichtung von Markus Anfang unbedingt wollten. Der neue Trainer erinnert von der Spielweise mehr an Dirk Schuster, dessen Stil aber keiner mehr wollte. Von daher bin ich das unentschlossen, ob das eine gute Entscheidung war“, sagt Weinmann abschließend.