Homburg Theaterstücke werden unterhaltsamer

Die turbulente Italienkomödie „Basta e Pasta“ kommt in den Homburger Saalbau.
Die turbulente Italienkomödie »Basta e Pasta« kommt in den Homburger Saalbau.

Ein Künstler, der den Verstand verliert, eine Pizzeria, die im Chaos versinkt, und hochkarätige klassische Konzerte: So könnte man die neue Kultursaison in Homburg zusammenfassen. Im Saalbau erwartet die Besucher sechs Theatergastspiele und sieben Meisterkonzerte. Und neue Wege.

Der Regen fällt jetzt öfter, es wird abends kühler: Mit dem Ende der Open-Air-Saison schnuppern viele Theater- und Konzertsäle Morgenluft. So auch in Homburg. Die Homburger Kulturgesellschaft gibt Theatergastspielen und hochkarätigen Meisterkonzerten eine Bühne.

Berühmte Namen waren es, die die Besucher im Frühjahr nach Homburg locken sollten: Sebastian Fitzeks Theater-Adaption des „Pakets“, bekannte Darsteller. Aber so richtig klappen wollte das nicht – oft waren nur rund 50 Besucher da. Warum hält das Kulturamt trotzdem an den Theatergastspielen fest? Die Theatersparte sei einfach Teil der Saison, erzählt Gime Zejnullahi von der Homburger Kulturgesellschaft. Sie arbeitet seit Juni für die Stadt und suchte die Theatergastspiele ab 2024 aus – für dieses Jahr war noch Jochen Schiestel zuständig.

Mehr Positives

Zejnullahi hat die restlichen vier Theaterstücke innerhalb von zwei, drei Wochen geplant. Sie holte mehr Agenturen ins Boot und ist bei der Auswahl der Stücke neue Wege gegangen. „Ich bin mehr ins Unterhaltsame gegangen, in dieses Positive“, sagt sie. Blickt man zurück ins Frühjahr, herrschte bei Stefan Zweigs Romanadaption „Ungeduld des Herzens“ eher eine ernste Stimmung.

Das soll sich mit dem Stück „Gemeinsam ist Alzheimer schöner“, das am 7. März 2024 im Saalbau zu sehen ist, ändern. „Es gibt ja einige, die sagen, dieses Stück ist mir zu fremd, da geh ich gar nicht erst hin.“ Deshalb ist sei bei den Stücken, die nächstes Jahr zwischen März und Mai gespielt werden, „in eine komplett andere Richtung gegangen“.

Gutes Gefühl

Das Stück vom A.Gon Theater München erinnert laut Gime Zejnullahi an den Kinofilm „Ziemlich beste Freunde“. „Das Stück hat was Herzliches, man nimmt aber auch was mit – ein Fazit, wo man noch mal kurz zum Nachdenken kommt, wo man aber trotzdem ein gutes Gefühl hat, wenn man rausgeht. Wo man sich an schöne Dinge erinnert“, erzählt sie. Die Besucher könnten „an den kleinen, schönen Dingen festhalten“. Es geht um ein Paar, das sein ganzes Leben miteinander verbracht hat. Wegen ihrer Alzheimer-Erkrankung sind die beiden nun im Seniorenheim „und erinnern sich an bestimme Szenen von ihrem Leben, an die Höhen und Tiefen“. Dieses Erinnern wird nur schwierig, wenn man das gar nicht mehr so richtig kann. Humor und Emotion treffen sich laut der Organisatorin im Stück: „Man muss teilweise auch schmunzeln, aber man ist auch mal vor Tränen gerührt.“

Am 11. April 2024 um 20 Uhr geht das Musiktheater „Pasta e Basta“ von den Hamburger Kammerspielen über die Bühne. Das Stück, das schon in Zweibrücken gastierte, punktet mit Tanzelementen, Humor und einer großen Prise liebevollem Chaos. „Irgendwie macht jeder, was er will“, meint Zejnullahi. Das Stück, das von den Mitarbeitern einer Pizzeria erzählt, kam schon in Zweibrücken vor anderthalb Jahren sehr gut an.

Nur 450 Stühle

Man merkt, was Zejnullahi mit den neuen Wegen meint – die Stücke, die sie ausgesucht hat, haben Charme, sind greifbar und publikumsfreundlich. Auch exzentrisch – während des Stücks „Ein Kuss“ am 4. April 2024 schlüpft Marco Michel vom Münchener A.Gon Theater in die Rolle des Künstlers Antonio Ligabue. Das Stück beruht auf wahren Begebenheiten; Michel alias Ligabue hält seine Emotionen auf riesigen Plakaten fest. „Es geht um Themen wie Ausgrenzung, Wahnsinn und Isolation“, beschreibt es Zejnullahi. Der Künstler verliert allmählich den Verstand und verpackt das in seiner Kunst. In Österreich und Italien sei das Stück sehr beliebt, meint die Organisatorin.

Der Saalbau bietet Platz für rund 650 Personen. Bestuhlt hat die Kulturmitarbeiterin bei den Veranstaltungen für 450. Wäre bei dieser Größe nicht auch ein Musical denkbar? „Natürlich ist es mal ein Wunsch, Gospel oder ein Musical spielen zu lassen.“ Das gestalte sich aber laut Zejnullahi wegen Lichttechnik und Lüftungsanlage eher schwierig.

Zwei Pianisten

Es gibt zwar keine Musicals – dafür aber qualitativ hochkarätige klassische Konzerte. Die Meisterkonzerte, sieben an der Zahl, rücken am 30. November 2023 das Berliner Vision String Quartett in den Fokus. Die vier jungen Musiker spielen dieses Jahr noch in Australien oder Österreich und haben kürzlich ihr zweites Album „Spectrum“ herausgebracht.

Am 7. Dezember könnte es sehr schlagreich zugehen – dann spielen Christoph Sietzen (Marimba) und Bogdan Bacanu (Percussion). Zwei Solokonzerte für Klavier, gespielt von Roman Borisov am 28. März 2024, und von Arcadi Volodos am 25. April sind auch dabei.

Markus Korselt ist seit 2011 künstlerischer Leiter der Meisterkonzerte und wählt aus, wer spielt. Früher war er Leiter des Homburger Sinfonieorchesters, wechselte dann aber nach Stuttgart.

Info

Karten zu allen Veranstaltungen gibt es online unter ticket-regional.de oder bei der Homburger Tourist-Info. Man kann auch ein Schnupper-Abo abschließen: Man sucht sich drei Theaterstücke seiner Wahl aus und bekommt auf das Haupt-Abo 20 Prozent Rabatt.

Übersicht Theater

19. Oktober, 19 Uhr
„Der Tag, an dem der Papst gekidnappt wurde“, Komödie
9. Dezember, 19 Uhr, 10. Dezember, 16 Uhr
„Der kleine Lord“, Kindermusical
7. März 2024, 20 Uhr
„Gemeinsam ist Alzheimer schöner“, Liebesgeschichte
4. April 2024, 20 Uhr
„Ein Kuss“, Solo Marco Michel, der den Künstler Antonio Ligabue spielt
11. April 2024, 20 Uhr
„Pasta e Basta“, italienischer Liederabend/Komödie
16. Mai 2024, 20 Uhr
„Mr. President First“, politisches Schauspiel

Übersicht Meisterkonzerte

30. November, 19.30 Uhr
Vision String Quartett
7. Dezember, 19.30 Uhr
Christoph Sietzen (Marimba), Bogdan Bacanu (Percussion)
18. Januar 2024, 19.30 Uhr
Schuhmann-Quartett, Streicher
29. Februar 2024, 19.30 Uhr
Noa Wildschut (Violine), Elisabeth Brauß (Klavier)
28. März 2024, 19.30 Uhr
Roman Borisov, Klavier
25. April 2024, 19.30 Uhr
Arcadi Volodos, Klavier
30. Mai 2024, 19.30 Uhr
New Piano Triogöpa

Meisterkonzert: Pianist Pierre-Laurent Aimard
Meisterkonzert: Pianist Pierre-Laurent Aimard
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