Zweibrücken
Termine ab Heiligabend: Ina Dhingra eröffnet Hausarztpraxis am Rosengarten in Zweibrücken
Die Räume in der Rosengartenstraße 1–3 wurden komplett neu gestaltet. Die ausgebildete Notfallmedizinerin machte aus einer Not eine Tugend und baute die ehemalige Praxis von Walter Lauer nach eigenen Vorstellungen um. Neu ist auch das Team, das bislang ausschließlich aus Frauen besteht und bei Bedarf die Kinder mit zur Arbeit bringen kann.
Ungewohnt für manche Patienten: Die Telefonanlage wird vollständig von Künstlicher Intelligenz gesteuert. Eine Spracherkennung namens Klaus vergibt eigenständig Termine und fragt Details ab. „Klaus kann bis zu 50 Anrufe gleichzeitig annehmen und versteht nicht nur Hochdeutsch, sondern auch tiefstes Pälzisch. Ich habe es selbst ausprobiert“, sagt die Zweibrückerin lächelnd. Terminvereinbarungen sind voraussichtlich ab 24. Dezember telefonisch und über die Webseite möglich.
„Wollte immer Dr. Brinkmann werden“
Dhingra ist in Zweibrücken bekannt („Ich bin e Zweebrigger Mädche“). Ihr Vater war bis zur Pensionierung 2015 Leitender Oberstaatsanwalt, ihre Mutter Lehrerin am Helmholtz-Gymnasium. Ina Dhingra arbeitete jahrelang in Kliniken und Arztpraxen, zuletzt als angestellte Ärztin beim betriebsmedizinischen Dienst AMD Reimann auf dem Flughafengelände und zuvor in Ixheim bei Johannes Staab.
Die 41-Jährige ist Fachärztin für Allgemeinmedizin und Anästhesie, Notärztin, Palliativmedizinerin, tätig in psychosomatischer Grundversorgung und derzeit in Weiterbildung zur Betriebsärztin. Von 2014 bis 2023 war sie an der Uniklinik Homburg beschäftigt. „Als kleines Kind wollte ich immer Dr. Brinkmann aus der Schwarzwaldklinik werden“, erzählt sie.
Sechsstellige Summe investiert
Die leerstehenden Räume in der Rosengartenstraße hat Dhingra gekauft und so umgebaut, dass sie zu ihrer Praxis passen. Sie plante Details selbst und beaufsichtigte die Umbauarbeiten – neben Beruf und Familie. Dhingra hat zwei Kinder und ist mit einem Arzt verheiratet, der im lothringischen St. Avold selbstständig arbeitet, im Nardini-Klinikum als Anästhesist tätig ist und in Zweibrücken als Notarzt aktiv ist. Ob er in die Praxis einsteigen wird, ist offen.
In Erwerb und Umbau hat sie eine mittlere sechsstellige Summe investiert. „Die Räume waren nicht so angelegt, wie es für mich passt.“ Das beginnt beim Empfangstresen und reicht bis zu einem eigenen Sozialraum im hinteren Bereich, wo Kinder der Mitarbeiterinnen spielen oder nachmittags Hausaufgaben machen können.
Überflüssige Tür führt zu Idee
Eine ursprünglich überflüssig wirkende zweite Eingangstür im Treppenhaus wurde zur Idee für einen separaten Notfallraum. Notfallpatienten können direkt aus dem Aufzug dorthin gebracht werden, ohne den Blicken wartender Patienten ausgesetzt zu sein.
Das Praxiskonzept sieht zunächst fünf Mitarbeiterinnen vor, alle mit Familie und Kindern. „Ich würde auch Männer einstellen“, sagt Dhingra, „es hat sich nur nicht ergeben.“ Viele Mitarbeiterinnen fand sie über frühere Kontakte. So stellte sie eine ehemalige Mitarbeiterin von Walter Lauer und deren Tochter ein, beide medizinische Fachangestellte.
Für gesetzlich und privat Versicherte
„Wir wollen modern sein und versuchen, komplett digital ohne Papier zu arbeiten“, betont Dhingra. Eine Mitarbeiterin kümmert sich ausschließlich um eingehende Anrufe, theoretisch auch im Homeoffice. Die Vereinbarkeit von Arbeit und Familie ist der Medizinerin wichtig. In der neuen Hausarztpraxis werden gesetzlich und privat Versicherte aufgenommen.
Im Gegensatz zu Facharztpraxen gebe es in Zweibrücken zu wenige niedergelassene Hausärzte. Die Beantragung der Praxiseröffnung bei der Kassenärztlichen Vereinigung sei denn auch problemlos gewesen. Voraussichtlich ab Heiligabend ist die Hausarztpraxis am Rosengarten telefonisch unter 06332 9873060 erreichbar. Vor Klaus, der Künstlichen Intelligenz, müsse sich niemand fürchten: „Einfach mal ausprobieren“, rät Dhingra. Die Internetseite par-dhingra.de ist noch nicht online.