Zweibrücken Terex: 150 Mitarbeiter vor Umschulungen

„Ich wurde heute häufig gefragt, was wir nun geben müssen, ob doch noch eine Kröte versteckt ist. Nein ist die Antwort, insofern rechne ich dem Betriebsrat, unseren Beratern und uns von der Gewerkschaft das jetzt Vereinbarte als großen Erfolg an. Ich hänge nicht an Hallen, ich hänge an Arbeitsplätzen“, sagte Ralf Cavelius von der IG Metall gestern. Am Morgen waren 1100 Terex-Mitarbeiter über die Details von Betriebsvereinbarungen und eines Tarifvertrags, der betriebsbedingte Kündigungen bis 31. Dezember 2021 ausschließt, informiert worden.
Die RHEINPFALZ hatte vor Wochen über konkrete Verhandlungen der Terex-Geschäftsführung über den Verkauf des Werksteils Bierbach berichtet. Gestern nun bestätigte Terex-Standortchef Klaus Beulker: Das Kranarbeiten ausführende Trierer Unternehmen Steil, bekannt für seine gelben Autokrane, hat mit Terex einen Kaufvertrag über Bierbach geschlossen. Er beinhaltet die Abmachung, dass Terex die Abnahmeplattform für große Gittermastkrane in Bierbach noch mindestens sieben Jahre, ab Oktober als Mieter von Steil, nutzen kann. Die übrigen noch in Bierbach tätigen Abteilungen, der Stahlbau, die Instandsetzung, das Ersatzteillager, werden nach und nach bis Ende September kommenden Jahres Bierbach verlassen. Zum Teil werden Tätigkeiten wie der Stahlbau an osteuropäische Unternehmen ausgelagert oder wie das Ersatzteillager einem Terex-Standort im niederländischen Roosendaal angegliedert. Weil man aber die betroffenen Mitarbeiter qualifizieren und umschulen könne und sie in den Werksteilen Dinglerstraße und Wallerscheid künftig gebraucht würden, werde es bis Ende 2021 – vertraglich abgesichert – keine betriebsbedingen Kündigungen geben. „Und wir konnten uns für die Vertragslaufzeit, Ende 2021, auf einen Ausbildungsumfang verständigen. Ab 2018 werden 30 Azubis und zwei BA-Studenten pro Jahrgang anfangen können. Das ist uns besonders wichtig“, betonte Gewerkschafter Cavelius gestern. Für rund 150 Mitarbeiter, die nun versetzt und umgeschult werden sollen, würden die Veränderungen allenfalls marginale Gehaltsänderungen mit sich bringen. Eine wichtige Weichenstellung für den Standort sei auch, dass die Prototypen-Fertigung in Zweibrücken verbleibe. Schlüsselkompetenzen blieben demnach in bewährten Facharbeiterhänden, erklärt der IG-Metall-Verhandlungsführer Ralf Cavelius zufrieden. Obschon mit der Aufgabe des Werks Bierbach und des Verwaltungsgebäudes Dinglerstraße große Veränderungen einhergehen: Der im Dezember angedrohte Abbau von 400 bis 500 der 1700 Arbeitsplätze bei Terex Zweibrücken ist abgewendet. 81 Mitarbeiter hatten über die Freiwilligenprogramme seit Januar mit Abfindungen Terex verlassen. Terex-Geschäftsführer Klaus Beulker will heute Näheres über die strategische Ausrichtung des Standorts, Änderungen im operativen Geschäft und Details der Vereinbarung berichten. Auch die Kranfirma Steil will sich zu den Plänen in Bierbach äußern. WIRTSCHAFT